Montag, 10. November 2014

[Der virtuelle Sofa ~ Passend zum Mauerfall-Spezial] Heute mit E. Sawyer

Hallo ihr Lieben, 

heute möchte ich euch im Rahmen meines Mauerfall-Spezials ein Buch vorstellen, dass sich thematisch sehr gut in die Zeit nach der Wende einreiht und zwar beschäftigt es sich mit der Jugend nach dem Mauerfall. 
Der Autor E. Sawyer kam mit dem Buch auf mich zu und ich war sofort begeistert. 
Nun gibt es "Kalktown Stories" zum Mauerfall-Aktionspreis von 0,99 Cent für das E-Book und ich würde euch gerne das Buch und den Autor etwas näher vorstellen: 

http://www.amazon.de/Kalktown-Stories-E-Sawyer-ebook/dp/B00OED7TQC/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1415623976&sr=1-1&keywords=kalktown+stories

Inhaltsangabe: 

„Wir werden vor lauter Unheil oft blind für die Dinge, die uns umgeben. Wir sehen nur das, was wir sehen wollen und vergessen die Schönheit, die uns tagtäglich umgibt.“

Was läuft bloß schief in „Kalktown“, dieser verlorenen Trabantenstadt am Rande von Ostdeutschland? Hier lungern gewaltbereite Schlägertypen auf den Straßen herum, nehmen Drogen und prügeln sich gegenseitig fast zu Tode. Manche finden den Weg aus dem „Ghetto“, während andere längst dem Untergang geweiht sind.

Einer von ihnen ist Brad, ein Wendekind, das sich im Verlauf der dramatischen Geschichte für einen der beiden Wege entscheiden muss. Und so unternimmt er eine Gratwanderung zwischen Absturz und Hoffnung, Drogenrausch und Liebesglück. Welche Richtung sein Leben einschlagen wird, bleibt offen...

Als plötzlich ein Mädchen in sein Leben tritt, kann er sein Glück kaum glauben. Er durchlebt den warmen Kontrast zur grauen Kalktown mit allen Höhepunkten einer romantischen Liebesbeziehung, bis es zum schrecklichen Erwachen kommt und das Mädchen spurlos verschwindet...

Ob er sie jemals wiedersehen wird?

Tiefgründige Erkenntnisse zur wahren Existenz der Menschheit und zum endgültigen Verbleib der Erinnerungen an das Erlebte überschatten die Suche nach dem verschwundenen Mädchen. Dann findet Brad mehr heraus, als er eigentlich wissen dürfte. Vor seinem Auge tun sich die Zusammenhänge des Weltgeschehens als greifbare Spinnennetze auf, die ihn und den Leser fesseln. Unbequeme Wahrheiten treten ans Tageslicht und kreieren das Konstrukt einer Welt, die kein Mensch jemals zuvor erahnt hätte.

Das Interview:

=== Zum Buch "Kalktown Stories" ===

Wie bist du auf die Idee zu "Kalktown Stories" gekommen? Gab es da einen besonderen Auslöser oder kam das eher spontan so über dich?

Verrückt ist, dass ich bereits im Jahr 2009 die Idee hatte, diesen Roman zu schreiben. Aber erst nach einer schweren Trennung habe ich mit der eigentlichen Arbeit begonnen. Seitdem ist das Buch organisch gewachsen und es wurden viele Themen verarbeitet, die ich als wichtig empfand. Neben Liebe, Sucht, Drogen und Gewalt zählten dazu auch tiefgründige Erkenntnisse zur wahren Existenz der Menschheit.

Hast du einen Liebling in "Kalktown Stories"?

Der Protagonist „Brad“ ist wohl der interessanteste Charakter in dem Roman. Ich schätze seine Entwicklung vom Drogenkonsumenten zum Propheten. Die Drogen zerstören sein Leben, andererseits werden ihm dadurch auch viele Zusammenhänge des Weltgeschehens klar. Sein Ende ist vorherbestimmt und mag bei einigen Lesern auf Wiederstand stoßen. Allerdings finde ich diesen Ausgang sehr passend. Nur dadurch findet er letztendlich den Beweis zur Wahrheit...

Mal ein Blick hinter die Kulissen: Als du "Kalktown Stories" geschrieben hast, ging das in einem Rutsch oder hast du das Buch zwischenzeitlich mal unterbrochen?

Insgesamt habe ich drei Jahre, drei Monate und drei Tage an dem Titel gearbeitet. Diese merkwürdige Zeitspanne wurde mir bewusst, als ich auf das Datum meines ersten Manuskripts geschaut habe. Viele Autoren verfassen schnelllebige Mainstreamware für breite Leserschichten. „Kalktown Stories“ ist anders! Vermutlich liegt es an den schweren Themen wie Jugendkriminalität, Drogen und Systemkritik. In erster Linie möchte ich Menschen ansprechen, die Fragen stellen und nach einem Ausweg suchen. Obwohl der Roman in der ersten Hälfte leicht verdaulich, unterhaltsam und amüsant ist, wird die zweite Hälfte von tiefgründigen Erkenntnissen dominiert. Ich musste viel über diese Themen nachdenken und recherchieren, doch letztendlich denke ich, dass dieses Weltbild tatsächlich zutrifft.

=== Zum Autor E. Sawyer ===

Seit wann schreibst du? Gab es einen Moment, in dem du dich bewusst zum Schreiben entschlossen hast oder war das eher ein schleichender Prozess?

Theoretisch müsste ich jetzt behaupten, dass ich schreibe, seitdem ich denken kann. Vielleicht trifft diese Aussage sogar zu... Ich wollte schon immer selbst schöpferisch tätig werden und meine Gedanken in Zeilen verpacken, um der Nachwelt einen Teil von mir zu hinterlassen. Andererseits war es auch ein schleichender Prozess, der mich vom ersten Moment an fasziniert hat. Das Schreiben hat mir oft weitergeholfen und ich möchte nicht wissen, was mit mir geschehen wäre, wenn ich niemals damit angefangen hätte...

Ist Autor für dich der schönste Beruf der Welt? Und wenn ja, warum ist er das?

Für mich ist das Schreiben kein Beruf, sondern eine Berufung! Erst durch Alltag und Studium lerne ich Zusammenhänge kennen, die wiederum Teil meiner schriftstellerischen Arbeit werden. Ohne diese Impressionen wäre es nahezu unmöglich, über interessante Themen zu schreiben.

Wie sieht dein „Schreiballtag“ aus?

Während „Kalktown Stories“ in der Entstehungsphase war, habe ich nebenbei Sachbücher unter meinem Klarnamen veröffentlicht. Damit erziele ich derzeit einen Großteil meiner Einnahmen. Doch beim Schreiben der Sachbücher verspürte ich stets den Antrieb, endlich meinen Roman zu vollenden. Einen klassischen „Schreiballtag“ gibt es bei mir nicht. Ich bin ein Langschläfer und Träumer. Meine Ideen entstehen oft spontan ohne Vorankündigung. Sobald ich den Drang nach frischen Zeilen verspüre, schreibe wild drauf los. Oft finde ich dann kein Ende und arbeite bis spät in die Nacht hinein, sehr zum Leidwesen meines Studiums. Sobald dieser Schreibrausch abgeklungen ist, verstreichen meist einige Tage... Erst danach widme ich mich wieder dem entstandenen Manuskript! Gerne würde ich so strebsam wie Stephen King schreiben, um meine 2000 Wörter am Tag zu schaffen. Bisher konnte ich diese Strategie leider nicht in meinen Alltag integrieren, doch vielleicht ändert sich das noch mit der Zeit...

Wo schreibst du am liebsten und wo kommen dir die besten Ideen?

Wenn ich ehrlich bin, schreibe ich am liebsten in meiner kleinen Kiezwohnung ohne Ablenkung von außen. Aber auch in Cafés oder in der Natur sind bereits viele Kapitel entstanden. Die besten Ideen kommen mir zu den unterschiedlichsten Tageszeiten. Manchmal sogar kurz vor dem Einschlafen. Dann nehme ich mir ein Notizheft oder mein Smartphone zur Hand, um meine Ideen festzuhalten.

Wenn du mal eine Schreibblockade hast, wie versuchst du diese zu überwinden?

Bisher hatte ich noch keine Schreibblockade, was vermutlich daran liegt, dass ich meine Projekte und Themenfelder oft ändere. Sobald ich eine Szene im belletristischen Bereich verfasst habe, widme ich mich wieder dem Sachbuchbereich. Dadurch sammeln sich neue literarische Ideen, die darauf warten von mir bearbeitet zu werden. Leider komme ich aus Zeitgründen oft gar nicht hinterher, alle Themen zu bearbeiten, die mich interessieren. Dann hilft mir eine Priorisierung nach verschiedenen Kriterien. Hat das neue Buch eine Zielgruppe und wenn ja, wie lässt sich diese effektiv erreichen? Wie ist der Konkurrenzdruck und wie die Marktakzeptanz? Oft sind es genau solche Fragen, die Buchprojekte vorab ausschließen. Beim Roman „Kalktown Stories“ habe ich leider erst sehr spät bemerkt, dass schwere Themen massenuntauglich sind. Trotzdem würde ich diesen Roman als wertvollstes Produkt meines (jungen) Lebens bezeichnen...

Was rätst du Menschen, die selber gerne schreiben wollen und somit am Anfang ihre ersten schriftstellerischen Schritte stehen?

Einen guten Einstieg findet man nicht unbedingt im Belletristikbereich. Hier tummeln sich viele bekannte Autoren, die bereits erfolgreich publizieren. Diese Platzhirsche von den Bestsellerlisten zu verdrängen, ist für unbekannte Nachwuchsautoren (fast) unmöglich. Auch ich musste die Erfahrung machen, dass Werbeaktionen bei Amazon die Sichtbarkeit eines Titels zwar kurzzeitig erhöhen, aber keinen Einfluss auf die echten Verkaufszahlen haben. Beispielsweise stand „Kalktown Stories“ innerhalb von zwei Tagen auf Rang #10 der Kindle-Charts. In dieser Zeit wurde das E-Book fast eintausend Mal kostenlos heruntergeladen. Doch nach dem Abklingen dieser Gratis-Aktion fiel auch das Ranking. Anders bei Sachbüchern... Hier empfehle ich angehenden Nachwuchsautoren über Nischen-Themen zu schreiben, die ein hohes Suchvolumen und einen geringen Konkurrenzdruck aufweisen. Dadurch werden zwar keine Bestsellerlisten gestürmt, aber durchaus wertvolle Erfahrungen gesammelt und erste Verkäufe sichtbar. Dieses Vorgehen kann auch mit einem Blog kombiniert werden.

=== E. Sawyer mal privat ===

Was für Genre liest du am liebsten oder bist du da nicht so festgelegt?

Neben Sachbüchern lese ich gerne Dystopien und Romane, die mögliche Zukunftsszenarien skizzieren. Ein Buch muss mich von Beginn an fesseln. Ich mag keine ausschweifenden Romane, die in seitenlangen Beschreibungen münden und keinerlei Spannung aufkommen lassen. Solche Bücher lege ich sofort weg. Wenn eine Geschichte auf 150 Seiten erzählt werden kann, müssen es keine 500 Seiten werden. Ich selbst habe mich während des Schreibprozesses oft dabei ertappt, wie ich zu viele uninteressante Beschreibungen einführen wollte. Während der Textarbeit musste ich viele Stellen kürzen, um dem Leser nur die Dinge mitzuteilen, die zum Fortgang der Story beitragen. Ein wirklich guter Roman lässt sich kaum aus der Hand legen, weil die Spannung auch zwischen den Kapiteln aufrechterhalten wird. Und genau das macht auch den Erfolg von guten Büchern aus...

Hast du einen oder mehrere Lieblingsautoren?

Würde ich sofort Namen anführen, könnte man denken, dass ich den Stil anderer Autoren kopieren möchte. Als Autor ist man gewollt, irgendwann seine eigene unverwechselbare Stimme zu finden. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, mich nicht zu sehr an andere Schriftsteller zu orientieren. Sonst ist die Verlockung zu groß, nicht mehr den eigenen Weg einzuschlagen, sondern im Schatten der Vorbilder zu schwimmen. Aber auch ich lese! Ohne zu lesen, wäre ein Leben als Schriftsteller undenkbar. Darunter fallen auch Philosophen wie Friedrich Nietzsche... im Belletristik-Bereich dagegen Andreas Eschbach, Irvine Welsh, Stephen King und viele weitere...

Was war dein Traumberuf als Kind?

Als Kind wollte ich Forscher werden. Doch je mehr Einblicke mir der Wissenschaftsbetrieb lieferte, desto größer wurde der Wunsch, nebenbei auch schriftstellerisch tätig zu werden. Für die Zukunft stelle ich mir eine Kombination aus Wissenschaft und Schriftstellerei vor. Welcher Zweig letztendlich fruchten wird, hängt auch von meinem Studium und weiteren Kriterien ab. Insbesondere im biomedizinischen Bereich freue ich mich auf extrem spannende Szenarien, die sich zukünftig auch in meinen Romanen wiederspiegeln werden.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Der Protagonist in „Kalktown Stories“ schwärmt oft von seiner Leidenschaft zum Fliegenfischen. Ich bin selbst begnadeter Angler und verarbeite diese Eindrücke gerne im schriftstellerischen Bereich. Aber natürlich zählen auch Lesen und Schreiben dazu. Derzeit habe ich leider zu wenig Zeit, um mich eingehender mit meinen Leidenschaften zu beschäftigen. Stattdessen steht das Studentenleben im Vordergrund.

Was macht für dich einen „perfekten“ Tag aus? Muss er dann komplett „perfekt“ sein oder machen ihn kleine Sachen erst so richtig perfekt?

Ein perfekter Tag kann aus sehr unscheinbaren Dingen bestehen. Oft können es zwischenmenschliche Begegnungen sein, die zu einem perfekten Tag führen. Aber auch vollendete Szenen und Kapitel, die beim erneuten Lesen ein Gefühl der Sinnhaftigkeit erzeugen. Wenn ich mich nach erfolgreicher Arbeit in die Natur zurückziehen kann, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages beim Fischen einzufangen, ist der Tag für mich perfekt!

Was ist dein ganz persönlicher Traum für die Zukunft, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Mein Traum wäre es, frei und ungebunden dem Alter als erfolgreicher Schriftsteller entgegenzutreten, ohne dabei den Zwängen der Konsumgesellschaft unterliegen zu müssen... 

An dieser Stelle Danke an E.Sawyer für seine Zeit und ich hoffe, ihr hatte Spass beim Lesen. 
Ich habe das E-Book auch schon und möchte es in den nächsten Tagen auch noch als Rezension hier auf dem Blog erscheinen lassen. :) 

 Weiterführene Informationen und auch Bilder der Schauplätze könnt ihr euch auf der Seite http://www.kalktown.blogspot.de/ ansehen, die wirklich sehr interessant ist. :) 

Alles Liebe, 
Katja 

Kommentare:

  1. Intressantes Interview..es werden die Fragen gestellt, die man von den meisten Interviews kennt, aber auch mal welche, die anders sind als der Mainstream...spannender Einblick. Macht neugierig! Und man bekommt Lust zum Lesen.

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  2. Super Interview! Hat mir sehr gefallen! Unbedingt mehr vom Autor!

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