
Wenn Daniel Kehlmann und David Schalko Franz Kafka sezieren: Düster, eigenwillig und ein Fest für Liebhaber des Absurden.
Franz Kafka ist ein Mythos. Ein Synonym für bürokratische Alpträume, existenzielle Beklemmung und literarisches Genie. Doch wie nähert man sich einem Mann, der seine eigenen Texte am liebsten verbrannt gesehen hätte? Die sechsteilige Miniserie „Kafka“ (eine Koproduktion von ARD und ORF aus dem Jahr 2024) wählt keinen konventionellen, staubigen Historienansatz. Unter der Regie von David Schalko und mit Drehbüchern von Bestsellerautor Daniel Kehlmann wird Kafkas Leben zu einem faszinierenden Vexierspiel.
Worum geht es?
Prag, um die Jahrhundertwende: Franz Kafka (brillant und zerbrechlich verkörpert von Joel Basman) meidet das Büro, leidet unter den Wutanfällen seines dominant-tyrannischen Vaters Hermann (urateil-gewaltig: Nicholas Ofczarek) und flieht Nacht für Nacht in die Welt seiner düsteren Schriften. An seiner Seite steht Max Brod (David Kross), der unerschütterlich an Kafkas Genie glaubt und dessen Texte gegen jeden Widerstand an die Öffentlichkeit bringt.
Erzählt wird die Miniserie nicht chronologisch, sondern polyphon aus verschiedenen Blickwinkeln: Jede Episode rückt eine zentrale Beziehung in Kafkas Leben in den Fokus – von der tiefen Freundschaft zu Max Brod über das traumatische Vater-Sohn-Verhältnis bis hin zu seinen komplexen Liebesbeziehungen mit Felice Bauer, Milena Jesenská und Dora Dymant.
Mein Eindruck: Kehlmanns Handschrift, Stachs Fundament & der Mut zum Skurrilen
Dass das Drehbuch aus der Feder von Daniel Kehlmann stammt und auf der maßgeblichen dreibändigen Kafka-Biografie von Reiner Stach basiert, merkt man jeder einzelnen Szene an. Kehlmann bringt seinen ganz eigenen, feinsinnigen, fast schon schelmischen Blick auf Geschichte und Literatur ein. Das überträgt sich unmittelbar auf das Narrativ: Entweder man mag diesen Stil – oder man empfindet ihn schlicht als irritierend. Ich für meinen Teil liebe es!
Das Setting besticht durch eine wunderbare Dualität: Auf der einen Seite wirkt alles beklemmend düster, eng und erdrückend – perfekt passend zum kafkaesken Lebensgefühl. Auf der anderen Seite bricht die Regie von Schalko diesen Ernst immer wieder mit einer herrlichen, fast absurden Skurrilität auf. Man muss bereit sein, sich auf diese collagenartige Erzählweise einzulassen. Wer ein braves, lineares Kostümdrama erwartet, wird hier scheitern; wer aber Lust auf ein vielschichtiges, psychologisches Porträt hat, wird belohnt.
Mein Fazit
Eine mutige, visuell packende und schauspielerisch herausragende Miniserie, die dem Phänomen Franz Kafka gerecht wird, ohne ihn auf ein Denkmal zu reduzieren. Ein Fest für Literaturbegeisterte mit Hang zum Absurden.
Meine Bewertung: Eigenwillig, tiefsinnig und brillant inszeniert. 4,5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌿
Wo kann man „Kafka“ sehen?
In der ARD Mediathek streamen 🎬 (Kostenfrei auf Abruf)
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Schön, das Du hier bist!
Über Deine Kommis freue ich mich natürlich sehr. Schreib doch einfach was Dir auf der Seele brennt.
Alles Liebe,
Katja
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