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Samstag, 26. September 2026

Serien-Rezension: Kafka (ARD/ORF) – Ein herrlich skurriler Ritt durch Genie und Wahnsinn

 

Wenn Daniel Kehlmann und David Schalko Franz Kafka sezieren: Düster, eigenwillig und ein Fest für Liebhaber des Absurden.

Franz Kafka ist ein Mythos. Ein Synonym für bürokratische Alpträume, existenzielle Beklemmung und literarisches Genie. Doch wie nähert man sich einem Mann, der seine eigenen Texte am liebsten verbrannt gesehen hätte? Die sechsteilige Miniserie „Kafka“ (eine Koproduktion von ARD und ORF aus dem Jahr 2024) wählt keinen konventionellen, staubigen Historienansatz. Unter der Regie von David Schalko und mit Drehbüchern von Bestsellerautor Daniel Kehlmann wird Kafkas Leben zu einem faszinierenden Vexierspiel.


Worum geht es?

Prag, um die Jahrhundertwende: Franz Kafka (brillant und zerbrechlich verkörpert von Joel Basman) meidet das Büro, leidet unter den Wutanfällen seines dominant-tyrannischen Vaters Hermann (urateil-gewaltig: Nicholas Ofczarek) und flieht Nacht für Nacht in die Welt seiner düsteren Schriften. An seiner Seite steht Max Brod (David Kross), der unerschütterlich an Kafkas Genie glaubt und dessen Texte gegen jeden Widerstand an die Öffentlichkeit bringt.

Erzählt wird die Miniserie nicht chronologisch, sondern polyphon aus verschiedenen Blickwinkeln: Jede Episode rückt eine zentrale Beziehung in Kafkas Leben in den Fokus – von der tiefen Freundschaft zu Max Brod über das traumatische Vater-Sohn-Verhältnis bis hin zu seinen komplexen Liebesbeziehungen mit Felice Bauer, Milena Jesenská und Dora Dymant.


Mein Eindruck: Kehlmanns Handschrift, Stachs Fundament & der Mut zum Skurrilen

Dass das Drehbuch aus der Feder von Daniel Kehlmann stammt und auf der maßgeblichen dreibändigen Kafka-Biografie von Reiner Stach basiert, merkt man jeder einzelnen Szene an. Kehlmann bringt seinen ganz eigenen, feinsinnigen, fast schon schelmischen Blick auf Geschichte und Literatur ein. Das überträgt sich unmittelbar auf das Narrativ: Entweder man mag diesen Stil – oder man empfindet ihn schlicht als irritierend. Ich für meinen Teil liebe es!

Das Setting besticht durch eine wunderbare Dualität: Auf der einen Seite wirkt alles beklemmend düster, eng und erdrückend – perfekt passend zum kafkaesken Lebensgefühl. Auf der anderen Seite bricht die Regie von Schalko diesen Ernst immer wieder mit einer herrlichen, fast absurden Skurrilität auf. Man muss bereit sein, sich auf diese collagenartige Erzählweise einzulassen. Wer ein braves, lineares Kostümdrama erwartet, wird hier scheitern; wer aber Lust auf ein vielschichtiges, psychologisches Porträt hat, wird belohnt.


Mein Fazit

Eine mutige, visuell packende und schauspielerisch herausragende Miniserie, die dem Phänomen Franz Kafka gerecht wird, ohne ihn auf ein Denkmal zu reduzieren. Ein Fest für Literaturbegeisterte mit Hang zum Absurden.

Meine Bewertung: Eigenwillig, tiefsinnig und brillant inszeniert. 4,5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌿


Wo kann man „Kafka“ sehen?

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Montag, 3. Juni 2024

[Nachruf] Franz Kafka - sein 100. Todestag

„Das Glück begreifen, dass der Boden, auf dem Du stehst, nicht größer sein kann, 
als die zwei Füße ihn bedecken.“ 
(Franz Kafka: Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg, 1917-19)

Wir schreiben den 03. Juni 2024 und heute vor genau 100 Jahre ist einer der wahrscheinlich bekanntesten Schriftsteller unsere Zeit verstorben - Franz Kafka.
Kafkas Werke (darunter auch darunter die drei Romanfragmente Der Process, Das Schloss und Der Verschollene) zählen zum Weltliteraturkanon und bilden einen kleinen Ausreiser in den Reihen der Vertreter der Prager deutschen Literatur und der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. 

Sicher werden viele von uns ihn vor allem aus der Schullektüre kennen, ich selber habe in meiner Schulzeit "Die Verwandlung" lesen müssen, was ich damals gar nicht so besonders spannend fand. Erst im Studium ist mir Frank Kafka wieder begegnet und Kafka ist besonders, weil Kafka ist nicht nur zeitlos, Kafka ist auch in seinem Schreiben einzigartig.

Franz Kafka im Alter von etwa 23 Jahren
Foto: Atelier Jacobi, Sigismund Jacobi, um 1906 (1)

Wenn man etwas über Franz Kafka liest oder sein Werk vor sich hat fällt nicht selten der Gedanken des literarischen Genies zusammen mit dem Gedanken, dass es schon eine recht skurrile Anmutung hat, was uns Franz Kafka in seinen Werken beschreibt oder zeigt. Aber gerade diese besondere Art Literatur zu schaffen, die kafkaesk ist. 

Das Adjektiv kafkaesk, benannt nach dem Schriftsteller Franz Kafka, ist ein bildungssprachlicher Ausdruck, der so viel wie „in der Art der Schilderungen Kafkas, auf rätselhafte Weise unheimlich, bedrohlich“ (2) bedeutet.

Viele von Kafkas Werken sollten eigentlich nach seinem Tod vernichtet werden und nur dem Nachlassverwalter und engen Freund Kafkas, Max Brod haben wir die ganze Vielfalt der Werke von Franz Kafka zu verdanken, weil er sich gegen den Willen seines Freundes durchsetzt und damit diese besonderen literarischen Werke nicht verloren gegangen sind. 

Ich glaube, jeder nimmt Kafka anders wahr und ich glaube, dass es nicht für jeden ein Autor ist, den man lesen möchte, sollte man aber. Weil es einfach interessant ist, wie er die Welt wirklich in einem anderen Winkel betrachtet. 

Geniesst Kafka einfach und denkt etwas um die Ecke, dann sind seine Werke wirklich ein Genuss. 

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Quellen: 
2) Duden - Deutsches Universalwörterbuch. 6., überarbeitete Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007