Sonntag, 2. August 2026

Lesung von Lisa Niendorf („Frau Forschung“) an der TU Dresden: Wenn die Wissenschaft an ihren eigenen Strukturen leidet 📚💬

 Kultur und Debatte müssen nicht immer laut oder teuer sein. Manchmal finden die eindrücklichsten Veranstaltungen an einem drückend heißen Sommerabend im Hörsaal statt – und hinterlassen ein tiefes Nachdenken, das einen noch Tage später begleitet.

Genau so ein Abend war der 30. Juli. Über den StuRa der TU Dresden ging es für mich zur kostenfreien Lesung von Bildungsforscherin Lisa Niendorf (vielen auf Social Media besser bekannt als @frauforschung). Sie hat aus ihrem Bestseller „UNIversal gescheitert?: Wissenschaft und Hochschule zwischen Machtmissbrauch, Leistungsdruck und Ausbeutung – Was wir dagegen tun können“ gelesen.

Obwohl es im Raum tierisch warm war, haben sich knapp 100 Studierende und studentische Hilfskräfte eingefunden. Ein deutliches Zeichen dafür, wie brennend aktuell und drängend dieses Thema im Universitätsalltag ist.

Blicke hinter die Kulissen: Warum sich so wenig ändert

Das Thema trifft einen Nerv. Es geht um starre Machthierarchien, den immensen Publikations- und Leistungsdruck, Prekarität im akademischen Mittelbau und Strukturen, die Ausbeutung stellenweise begünstigen, statt Innovation zu fördern.

Das Erschreckende daran? Die Debatte ist nicht neu. Und trotzdem hat man das Gefühl, dass sich die Räder des Systems nur extrem langsam – wenn überhaupt – bewegen. Lisa Niendorf brings diese Problematik in ihrem Buch nicht nur knallhart auf den Punkt, sondern diskutiert auch konkrete Lösungsansätze, wie ein gesünderes Wissenschaftssystem aussehen könnte.

Zwischen moderner Offenheit und beklemmender Realität: Ein persönlicher Zwiespalt

Für mich persönlich war die Lesung und vor allem die anschließende Diskussion extrem vielschichtig – inspirierend und gleichzeitig zutiefst bedrückend.

Ich habe den direkten Vergleich: Im Kontrast zu meinem ersten Studium in den 2010er Jahren empfinde ich die Universität heute eigentlich als deutlich offener, moderner und zugänglicher. Man möchte meinen, dass wir auf einem guten Weg sind. Aber wenn man dann in der Runde sitzt, den Berichten lauscht und merkt, wie tief verankert manche Missstände nach wie vor sind, zieht sich einem der Magen zusammen.

Da ich selbst das Ziel verfolge, später Richtung Forschung zu gehen, hallen solche Abende besonders nach. Es tut weh zu sehen, mit welchen Hürden und systemischen Problemen man konfrontiert werden könnte – und gleichzeitig stärkt es den Wunsch, Teil einer Veränderung zu sein.

Fazit

Ein großes Dankeschön an den StuRa der TU Dresden für die Organisation dieser hochkarätigen und wichtigen Veranstaltung!

Lisa Niendorfs Buch ist eine absolute Leseempfehlung für alle, die im Wissenschaftsbetrieb arbeiten, studieren oder sich schlichtweg für die Zukunft unserer Bildungslandschaft interessieren.

Und jetzt seid ihr dran! 💬

Habt ihr das Buch von Lisa Niendorf schon gelesen oder folgt ihr ihr auf Social Media? Wie nehmt ihr die aktuellen Zustände an den Universitäten wahr – seht ihr positive Veränderungen oder überwiegen die alten Strukturen?

Lasst uns in den Kommentaren sachlich und offen darüber austauschen! 👇

🛒 Das Buch zur Lesung

Wenn ihr tiefer in das Thema eintauchen möchtet, könnt ihr das Buch von Lisa Niendorf hier bestellen:

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📌 Quellennachweis & Transparenz: Die Veranstaltung war eine kostenfreie Lesung, organisiert durch den StuRa der TU Dresden. Buchcover: „UNIversal gescheitert?“ von Lisa Niendorf (Droemer Knaur).

Dienstag, 21. Juli 2026

📽️ Rezension: 22 Bahnen (Netflix)

🎬 Filminfos auf einen Blick

  • Titel: 22 Bahnen

  • Plattform: Netflix

  • Genre: Drama / Coming-of-Age

  • Basierend auf: Dem Bestseller-Roman von Caroline Wahl

  • Themen: Parentifizierung, Co-Abhängigkeit, familiärer Alkoholismus, Geschwisterliebe

  • Credits:

  • Produzenten: Anna-Malike Eigl, Thomas Wöbke, Philipp Trauer
    Drehbuch: Elena Hell
    Regie: Mia Maariel Meyer
    Casting: Liza Stutzky, Jacqueline Rietz
    Hauptdarsteller·innen: Luna Wedler
    Nebendarsteller·innen: Zoë Baier, Laura Tonke, Jannis Niewöhner
    Kamera/Bildgestaltung: Tim Kuhn
    Szenenbild: Susanna Haneder, Annika Liesen
    Kostümbild: Christian Röhrs
    Schnitt: Jamin Benazzouz
    Maske: Heidi Wick
    Filmmusik: Dascha Dauenhauer
    Tongestaltung: Philip Hutter, Clemens Becker, Philipp Sellier
    VFX Supervisor: Sebastian Nozon, Florian Ast

Eine talentierte Studentin im emotionalen Stillstand

22 Bahnen ist kein lautes, hysterisches Drama, sondern ein leiser, emotionaler Kraftakt. Der Film schafft es auf sehr authentische Weise, das Leben von Tilda einzufangen – einer hochbegabten Mathematik-Studentin, die in einer emotionalen Zeitschleife gefangen ist. Zwischen anspruchsvollen Vorlesungen, dem Kassierjob im Supermarkt und dem exakten Zählen von Schwimmbahnen versucht sie, das fragile Kartenhaus ihres Alltags zusammenzuhalten.

🌊 Das Dreieck der Belastung: Uni, Schwester, Sucht

Der Film glänzt vor allem bei der Darstellung von Tildas innerem Zerreißprozess und der subtil traurigen Bildsprache, die das Leben dieser talentierten Studentin einfängt:

  • Die Last der Verantwortung: Tilda studiert nicht nur, sie managt ein ganzes Leben. Durch die Alkoholsucht der Mutter ist sie in die Rolle der Elternfigur gerückt. Für ihre kleine Schwester Ida ist sie der Fels in der Brandung.

  • Der Schatten des Alkoholismus: Die Sucht der Mutter wird ohne billige Klischees dargestellt – es ist die schleichende, unberechenbare Grausamkeit, die wie eine ständige Bedrohung über dem Haus liegt.

  • Das blockierte Talent: Die Uni und das Angebot einer Promotion zeigen Tildas enormes Potenzial, doch ihr fehlt der mentale Raum, um dieses Leben überhaupt für sich zu beanspruchen. Sie ist eine junge Frau, die sich schlicht nicht traut, ihren eigenen Weg zu suchen.

🧠 Die unsichtbare Fessel: Tildas unterschwellige Schuld

Ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch den Film zieht, ist Tildas tiefe, unterschwellige Schuld. Sie steckt in einer klassischen psychologischen Falle fest: Jeder Schritt in Richtung ihrer eigenen Freiheit fühlt sich für sie wie ein Verrat an.

Wenn sie für Prüfungen lernt, Zeit mit Viktor verbringt oder laut über die Promotion nachdenkt, schwingt sofort das schlechte Gewissen mit. Sie hat das Gefühl, Ida im Stich zu lassen und sie schutzlos der unberechenbaren Mutter auszuliefern. Diese Schuld lähmt sie und hält sie an einem Ort fest, aus dem sie längst herausgewachsen ist.

🌧️ Das Schwimmen im Regen: Ein widersinniges Zeichen der Hoffnung

Die visuelle Melancholie des Films findet im Freibad ihren stärksten Ausdruck. Das repetitive Schwimmen der exakt 22 Bahnen gibt Tilda Struktur, um im Alltag nicht unterzugehen. Doch eine Szene bricht diese einsame Routine auf: das Schwimmen im Regen.

Eigentlich ist es völlig widersinnig, bei schlechtem Wetter ins Freibad zu gehen. Doch für Tilda und Ida wird genau dieser Moment zu einem stillen Triumph. Es ist der einzige Zeitpunkt, an dem die kleine Ida ihre Schwester zum Schwimmen begleitet.

Wenn der Himmel sich öffnet und die Tropfen auf das leere Becken klatschen, wandelt sich die Melancholie in pure Verbundenheit. In diesem Moment flieht Tilda nicht vor ihrer Verantwortung, sondern sie teilt ihren Zufluchtsort mit dem Menschen, den sie am meisten beschützen will. Dass Ida ausgerechnet im Regen mitkommt, ist ein zutiefst berührendes Zeichen der Hoffnung: Es symbolisiert, dass die beiden Schwestern selbst im schwersten emotionalen Unwetter einen Weg finden, gemeinsam Leichtigkeit und Freiheit zu erleben. Der Regen wäscht die Enge ihres Zuhauses für kurze Zeit fort.

🌹 Fazit: Ein stimmiges Bild mit kleinen Distanzen

22 Bahnen überzeugt durch seine feinfühlige Bildsprache und die ungeschönte Darstellung von familiärer Sucht und Co-Abhängigkeit. Es ist ein wichtiges Stück Kino über das Loslassen und die schmerzhafte Suche nach dem eigenen Ich.

Auch wenn mich der Film emotional nicht in jeder Sekunde komplett mitgerissen hat und stellenweise eine gewisse Distanz spürbar blieb, bleibt das bittersüße Bild zweier Schwestern im Sommerregen noch lange im Gedächtnis.

Bewertung: 4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹


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Donnerstag, 2. Juli 2026

Rezension: Sprichst du Schokolade? – Eine süße Sprache gegen große Barrieren

 

Ein herzerwärmendes und wichtiges Jugendbuch, das zeigt, dass Freundschaft keine Worte braucht – aber manchmal ein Stück Schokolade.

Wie freundet man sich mit jemandem an, wenn man kein einziges Wort der gleichen Sprache spricht? „Sprichst du Schokolade?“ von Cas Lester (mit tollen Illustrationen von Kate Forrester) widmet sich dieser Frage auf eine sehr kreative, humorvolle und gleichzeitig tiefgründige Weise. Ein Buch, das für Jugendliche zwischen 10 und 12 Jahren empfohlen wird und diesen Ton auch sprachlich perfekt trifft.

Worum geht es?

Wir begleiten die quirlige Josie. Ihr erklärtes Lebensziel: Millionärin werden! Doch ihr Alltag ist alles andere als einfach. Sie wächst ohne Vater auf, das Familienleben mit ihrer Mutter und ihren Brüdern ist ziemlich turbulent und in der Schule warten die üblichen, anstrengenden Zickereien. Das Besondere: Josie spricht uns Leser im Buch immer wieder direkt an, sodass wir sie hautnah begleiten.

Alles ändert sich, als eine neue Schülerin in ihre Klasse kommt: Nadima, ein kurdisches Mädchen, das aus Syrien geflohen ist. Am Anfang steht eine riesige Sprachbarriere zwischen den beiden Mädchen. Doch sie finden einen genialen und wunderschönen Weg, sich anzunähern – über die universelle Sprache der Schokolade. Eine ganz besondere Freundschaft beginnt zu wachsen.

Mein Eindruck: Wichtige Themen, lebendig verpackt – aber mit kleiner Einschränkung

Das Buch punktet von der ersten Seite an mit seiner tollen, dynamischen Gestaltung. Die 51 Kapitel sind angenehm kurz gehalten und werden immer wieder durch kleine Textnachrichten, Notizen oder andere optische Kleinigkeiten aufgelockert. Das sorgt für einen wunderbaren Lesefluss.

Was mich an diesem Kinderbuch besonders begeistert hat: Es beschränkt sich nicht nur auf die typischen Probleme junger Mädchen. Natürlich spielen der obligatorische Schul-Zickenkrieg und der normale Alltagstrubel eine wichtige Rolle, um die Zielgruppe abzuholen. Aber das Buch geht tiefer: Es legt großen Wert darauf, der Flüchtlingsthematik einen hohen Stellenwert zuzuordnen – und den bekommt sie hier auch auf eine sehr empathische Weise.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich die Protagonistin Josie selbst. Sie ist als Charakter phasenweise ein bisschen schwierig zu greifen: Mal zeigt sie sich unglaublich tough und packt die Dinge an, im nächsten Moment agiert sie wieder sehr naiv. Aus diesem Grund lautet mein Pro-Tipp: Man sollte das Buch mit jüngeren Kids auf jeden Fall begleitet lesen, um über Josies manchmal unüberlegte Reaktionen oder die schweren Hintergründe von Nadimas Fluchtgeschichte sprechen zu können.

Mein Fazit

Ein absolut lesenswertes, wichtiges Jugendbuch, das schwere Themen wie Flucht und Integration federleicht, aber mit dem nötigen Respekt in eine typische Schulgeschichte einbettet. Die Botschaft, dass Empathie und Schokolade Mauern einreißen können, ist einfach wunderschön.

Meine Bewertung: Ein feinfühliges Buch über Verständigung, das im Gedächtnis bleibt. 

4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

Hier kannst du „Sprichst du Schokolade?“ kaufen:

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Transperenzhinweis: Bei dem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar von NetGallery.

Quellennachweis: Zum Quellenblog

Mittwoch, 1. Juli 2026

Rezension: Ich will die Heldin meines Lebens sein – Ein kreativer Anker im Alltag

Mehr Selbstvertrauen, kleine Challenges und Raum für die eigene Geschichte: Ein Eintragbuch, das dazu einlädt, sich selbst zur Priorität zu machen.

Im Trubel des Alltags vergessen wir viel zu oft das Wichtigste: uns selbst. Mit „Ich will die Heldin meines Lebens sein: Mein kreatives Eintragbuch“ hat der Groh Verlag einen wunderschönen Begleiter geschaffen, der genau hier ansetzt. Es ist kein klassisches Lesebuch, sondern ein interaktives Tool, das das Selbstvertrauen stärken und den Alltag mit kleinen, kreativen Impulsen verschönern soll.

Worum geht es?

Dieses Eintragbuch ist eine bunte Mischung aus persönlichem Tagebuch, Ratgeber und Kreativ-Coach. Neben reichlich Platz für eigene Gedanken, Träume und Reflexionen hält das Buch inspirierende kleine Beiträge sowie abwechslungsreiche Challenges bereit. Es fordert einen sanft dazu auf, die Komfortzone zu verlassen, achtsamer mit sich umzugehen und die eigene innere Stärke (wieder) zu entdecken.

Mein Eindruck: Ein liebevoller Schubs zu mehr Selbstfürsorge

Ich habe mich sehr gefreut, dieses Buch als E-Book-Rezensionsexemplar via NetGalley entdecken zu dürfen. Bei solchen Mitmachbüchern gilt natürlich immer: Klar trifft nicht jede Challenge oder jede Aufgabe den Geschmack von jedem. Manche Impulse sprechen einen sofort an, andere wiederum passen vielleicht nicht zur aktuellen Lebenssituation oder dem eigenen Charakter.

Aber genau das ist das Schöne an einem kreativen Eintragbuch: Man nimmt sich einfach das heraus, was sich gut anfühlt! Insgesamt ist das Buch eine wunderbare, liebevolle Erinnerung daran, im stressigen Alltag mal innezuhalten, an sich selbst zu denken und aktiv an seinem Selbstvertrauen zu arbeiten. Die Gestaltung ist motivierend, ohne aufdringlich oder belehrend zu wirken.

Mein Geschenktipp: Durch die hochwertige und bestärkende Aufmachung ist dieses Buch ein richtig schönes Geschenk – sei es für die beste Freundin, einen lieben Menschen, dem man eine kleine Auszeit wünscht, oder schlichtweg als Geschenk an sich selbst!

Mein Fazit

Ein rundum gelungenes Mitmachbuch, das Farbe und positive Energie in den Alltag bringt. Perfekt für alle, die sich spielerisch mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen möchten.

Meine Bewertung: Ein inspirierender Alltagsbegleiter mit Herz. 4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

Hier kannst du das Eintragbuch kaufen:

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Hinweis: Das Header-Bild dieses Beitrags wurde mit Unterstützung von Ideogram erstellt und anschließend mit Canva bearbeitet.

Quellennachweis: Zum Quellenblog

Dienstag, 16. Juni 2026

🏛️ Archivgeflüster: Das Kunden-Buch – Wenn der Blues nach Thüringen kommt

 Herzlich willkommen zur zweiten Ausgabe von Archivgeflüster! Nachdem wir uns beim letzten Mal mit dem Weg der Band Silly durch die DDR-Zensur beschäftigt haben, tauchen wir heute noch tiefer in die ostdeutsche Subkultur ab. Wir werfen einen Blick auf eine Jugendbewegung, die barfuß im Schlamm tanzte, trampte und dem System die Stirn bot: Die „Kunden“.

📝 Der Quick-Check vorab

  • Titel: Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen

  • Autor: Michael Rauhut (Professor & renommierter Musikwissenschaftler)

  • Anspruch: Absolut einsteigerfreundlich, aber spürbar wissenschaftlicher! 🧠🍿

  • Fachbereich: Zeitgeschichte, Regionalgeschichte (Thüringen) & Subkulturforschung


👤 Ein distanzierter Blick vom Experten

Es wird euch nicht überraschen: Auch für dieses Werk zeichnet Michael Rauhut verantwortlich. Wer meine Rezension zum Silly-Buch oder meinen Bericht zu seiner Lesung gelesen hat, weiß, dass ich seine Arbeit sehr schätze.

Im Gegensatz zu seinem Werk über Silly wählt Rauhut in „Das Kunden-Buch“ einen etwas distanzierteren, analytischeren Ansatz. Man merkt sofort, dass hier ein echter Experte am Werk ist – das wird spätestens beim Blick auf das extrem umfangreiche Fußnotenverzeichnis am Ende des Buches klar. Doch keine Sorge: Trotz des wissenschaftlichen Fundaments bleibt die Sprache für alle lesbar. Es ist ein Fachbuch, das den Spagat zwischen Elfenbeinturm und Couchtisch meisterhaft schafft.


⛺ Trampen, Freiheit und die Überwachung der Stasi

Worum geht es genau? Das Buch nimmt uns mit in die thüringische Provinz, die sich in den 1970er- und 80er-Jahren zur Hochburg der DDR-Blues-Szene entwickelte. Die Anhänger nannten sich selbst „Kunden“ oder „Blueser“. Rauhut beleuchtet faszinierende Facetten dieser Bewegung:

  • Die Reisetätigkeiten: Tausende Jugendliche trampten jedes Wochenende quer durch die Republik zu den Konzerten ihrer Bands.

  • Die Kultstätten: Kleine Dorfsäle in Thüringen wurden zu Zentren der Freiheit und des Protests.

  • Die Schalldämpfung der Stasi: Akribisch dokumentiert das Buch die Versuche des Ministeriums für Staatssicherheit, diese unorganisierte, unangepasste Jugend unter Kontrolle zu halten, zu bespitzeln und zu zersetzen.


⛪ Ein sicherer Hafen: Die Rolle der Kirche

Ein besonders starkes und ausführliches Kapitel widmet Rauhut der Rolle der Kirche. In einem Staat, der alles kontrollieren wollte, boten die Kirchenräume oft den einzigen Schutzraum für die subkulturelle Szene. Hier konnten die Kunden zusammenkommen, Musik hören und sich austauschen – eine historische Symbiose zwischen Religion und Rebellion, die Rauhut brillant aufarbeitet.


🖋️ Mein Lese-Gefühl: Mittendrin statt nur dabei

Das Buch ist reich an Bildern, die die staubige, ehrliche Atmosphäre dieser Zeit perfekt einfangen. Ein kleiner Hinweis für euch: Man sollte sich beim Lesen gewahr sein, dass man vielleicht nicht mit jedem einzelnen erwähnten Namen sofort etwas anfangen kann. Die Szene war riesig und Rauhut arbeitet sehr detailverliebt. Das schmälert den Lesefluss aber keineswegs – das große Ganze bleibt immer packend und absolut verständlich.


🏁 Mein Fazit: Ein Muss für Geschichts-Interessierte

„Das Kunden-Buch“ ist das perfekte Beispiel dafür, dass Geschichte in der Provinz oft am spannendsten war. Es ist eine unbedingte Empfehlung für alle, die den Alltag und den Eigensinn der Jugend in der DDR abseits der offiziellen Propaganda verstehen wollen. Ein tiefgründiges, ehrliches Stück Zeitgeschichte!


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📚 Mehr von Michael Rauhut auf meinem Blog:

🛒 Die Bücher direkt für euer Regal:

  1. Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen: nur gebraucht erhältlich: Rebuy* / Medimops* – Das heutige Werk.

  2. Rock in der DDR: nur gebraucht erhältlich: Rebuy* / Medimops*

  3. Ein Klang - zwei Welten: Blues im geteilten Deutschland, 1945 bis 1990 (Studien zur Popularmusik): Amazon* / Thalia*


Quellennachweis: Hier geht es zum Quellenarchiv