„Remember, remember the 5th of November“:
Zwischen totalitärer Finsternis, Mut und einer unvergesslichen Verbindung
🎬 Filminfos auf einen Blick
Titel: V wie Vendetta (Original: V for Vendetta)
Kinostart (Deutschland): 16. März 2006
Laufzeit: 2 Stunden 10 Minuten
Regie: James McTeigue | Drehbuch: Lana & Lilly Wachowski
Vorlage: Graphic Novel V for Vendetta (1982–1989) von Alan Moore und David Lloyd
Genre: Politthriller / Dystopie / Action-Drama
Besetzung: Hugo Weaving (V), Natalie Portman (Evey Hammond), John Hurt (Großkanzler Adam Sutler), Stephen Rea (Inspector Finch)
Themen: Totalitarismus, Widerstand gegen Unterdrückung, Identität, Freiheit, Zivilcourage
🎭 Der Auftakt: Ein Satz für die Ewigkeit und eine ikonische Maske
„Remember, remember the 5th of November, gunpowder, treason and plot...“
Kaum ein Satz der modernen Filmgeschichte brennt sich so unmittelbar ins Gedächtnis ein wie dieser historische Vers über den britischen Attentäter Guy Fawkes. Als James McTeigue den Stoff 2006 auf die Kinoleinwand brachte, schuf er gemeinsam mit dem Drehbuch der Wachowskis ein Werk, dessen visuelle Wucht bis heute nachhallt. Die stilisierte Guy-Fawkes-Maske mit dem feinen Schnurrbart und dem zynisch-eleganten Lächeln ist längst ein universelles Symbol des Protests geworden – doch im Film ist sie weit mehr als eine Chiffre: Sie ist das Gesicht einer Idee.
Das Setting entwirft ein beklemmendes Großbritannien eines dystopischen Paralleluniversums: Ein faschistoides Regime unter Großkanzler Adam Sutler hält die Bevölkerung durch Angst, Zensur und lückenlose Überwachung in eisernem Griff. In diese Finsternis bricht ein Unbekannter ein – der maskierte Freiheitskämpfer V, der mit radikalen Mitteln den Staatsapparat ins Wanken bringt.
🌹 Das Herz des Films: Die komplexe Dynamik zwischen V und Evey
Was V wie Vendetta für mich zu einem echten Herzensfilm macht, ist keineswegs nur der politische Sprengstoff oder die messerscharf choreografierte Action – es ist die zutiefst berührende Verbindung zwischen V und Evey Hammond (gespielt von einer herausragenden Natalie Portman).
V hat von der ersten Szene an mein Herz. Er ist kein glatter, unfehlbarer Held, sondern eine zerrissene, hochkomplexe Gestalt. Einerseits operiert er mit terroristischer Härte gegen die Schergen des Systems, andererseits zeigt er Evey gegenüber eine fast zärtliche, beschützende Hingabe. Diese Spannung zwischen rachsüchtigem Rächer und kultiviertem, feinsinnigem Mentor macht ihn faszinierend vielschichtig. Hugo Weaving vollbringt hier ein schauspielerisches Meisterstück: Obwohl man sein Gesicht keine einzige Sekunde sieht, transportiert er allein über Stimme, Haltung und Gestik eine unendliche Palette an Melancholie und Entschlossenheit.
Gleichzeitig ist Eveys Entwicklung das eigentliche emotionale Zentrum der Handlung. Sie beginnt als ängstliche, verunsicherte junge Frau, die sich im Räderwerk des Staates duckt, um nicht aufzufallen. Durch die Begegnung mit V durchläuft sie eine radikale Metamorphose. Sie bricht aus ihrer inneren Erstarrung aus, streift jede Angst vor den Unterdrückern ab und wird zu einer unerschütterlichen, unabhängigen Persönlichkeit.
📜 Valerie Page: Eine Sidestory, die zu Tränen rührt
Inmitten von Eveys vermeintlicher Gefangenschaft offenbart der Film eine seiner poetischsten und herzzerreißendsten Passagen: die Geschichte von Valerie Page. Geschrieben auf winzigen Stückchen Toilettenpapier, liest Evey die Lebensbeichte einer lesbischen Schauspielerin, die vom homophoben Regime verhaftet, gefoltert und vernichtet wurde, nur weil sie eine Frau liebte.
Dieser Brief, der von der Liebe zweier Frauen und der Weigerung erzählt, das eigene letzte Quäntchen Integrität herzugeben („Our integrity sells for so little, but it is all we really have“), ist ein cinematografisches Meisterwerk für sich. Er spendet Evey in tiefster Dunkelheit Halt und zeigt, worum es im Kern geht: dass Liebe und Menschenwürde unzerstörbar bleiben, selbst wenn ein totalitärer Staat alles andere vernichtet.
🌹 Fazit: Düster, aber voller Hoffnung
V wie Vendetta zeichnet eine finstere Welt, verfällt aber niemals in Nihilismus. Der Film erinnert uns daran, dass Mauern aus Angst eingerissen werden können, wenn Menschen aufhören, sich zu beugen. Getragen von zwei brillanten Hauptfiguren, zeitlosen Dialogen und einer berührenden Tiefe ist dieses Werk ein Meilenstein des dystopischen Kinos.
Bewertung: 5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌹
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