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Sonntag, 25. Oktober 2026

Goldener Oktober, zwei Städte & eine Band: Mit Michael Rauhut in Chemnitz und Dresden 🍂🏛️🎸

 Hallöchen ihr Lieben!

Erinnert ihr euch noch an meinen Beitrag aus dem April? Ein Nachmittag in Leipzig, der schon ein wenig nach Sommer roch (Eintrag: Klick) und mich mitten hinein in die wissenschaftliche Aufarbeitung der Band katapultierte, die mich schon mein halbes Leben begleitet: Silly. Nun hat der Herbst Einzug gehalten – goldene Blätter, frische Luft und der perfekte Anlass für einen kleinen sächsischen Kultur-Doppelpack.

Diesmal hieß es für mich: Koffer bzw. Rucksack packen, Kamera griffbereit halten und Michael Rauhut bei seinen Lesungen zu „Raus aus der Spur. Silly und die DDR“ gleich an zwei geschichtsträchtigen Orten begleiten. Da der inhaltliche Kern der Abende eine runde Einheit bildete, nehme ich euch heute auf eine Reise durch zwei ganz unterschiedliche Häuser mit!

Station 1: Zwischen versteinerter Geschichte und Moderne – Das TIETZ in Chemnitz 🌿🏛️

📸 Foto: Katja Ertelt / MissRose1989 (Alle Rechte vorbehalten / © Miss Roses Media)

Erster Halt: Chemnitz. Wer das Kulturkaufhaus TIETZ betritt, spürt sofort diesen ganz besonderen Mix aus geschichtsträchtiger Industriestadt-Architektur und moderner Offenheit. Schon der Lichthof mit dem berühmten Versteinerten Wald zieht einen in seinen Bann – ein faszinierender Ort, um über Zeitgeschichte, Zensur und künstlerische Freiräume nachzudenken.

📸 Foto: Katja Ertelt / MissRose1989 (Alle Rechte vorbehalten / © Miss Roses Media)

Der Raum war gut gefüllt, die Atmosphäre konzentriert und fast andächtig. Wenn Michael am Pult steht, merkt man einfach in jeder Sekunde: Hier spricht kein distanzierter Theoretiker, sondern jemand, der die Grautöne des DDR-Alltags aus eigener Anschauung und jahrelanger Archivarbeit kennt. Auch wenn das Chemnitzer Publikum an diesem Abend eher leise zuhörte und das Gehörte sichtlich erst einmal für sich sacken lassen musste, lag genau in dieser Stille eine enorme Aufmerksamkeit. Die Filmausschnitte und die eingespielten Musikbeispiele entfalten in so einem Raum einfach eine ganz eigene Wucht.

Station 2: Heimspiel im Herzen der Stadt – Der Kulturpalast Dresden 🎻✨

📸 Foto: Katja Ertelt / MissRose1989 (Alle Rechte vorbehalten / © Miss Roses Media)

Nur kurz darauf ging es quasi vor meiner eigenen Haustür weiter: Heimspiel im Kulturpalast Dresden. Monumental, lichtdurchflutet, ein Herzstück der Dresdner Nachkriegsmoderne und heute ein lebendiger Treffpunkt für Musik und Literatur. Der Kontrast zum intimeren Rahmen in Chemnitz hätte kaum größer sein können – die weiten Foyers und die klare, gläserne Ästhetik des Kulti gaben der Lesung noch einmal einen ganz anderen, fast feierlichen Rahmen.

📸 Foto: Katja Ertelt / MissRose1989 (Alle Rechte vorbehalten / © Miss Roses Media)

Auch hier zeigte sich wieder: Silly ist für die Menschen im Osten eben kein beliebiges Pop-Phänomen, sondern gelebte Biografie. Man blickte in Gesichter, die bei bestimmten Textzeilen von Werner Karma oder Tamara Danz leise mitnickten. Wo das Publikum wenig Zwischenfragen stellte, sprach die spürbare Resonanz im Saal für sich – man kam, um zuzuhören, sich erinnern zu lassen und die eigenen Erlebnisse mit der wissenschaftlichen Einordnung abzugleichen.

Ein ganz besonderes Mitbringsel: Silly goes Global ist gelandet! 🌍📖

Im April hatte ich euch ja ganz begeistert von einem internationalen Leckerbissen berichtet: Michaels englischsprachigem Buch über das legendäre Album „Februar“, das in der renommierten Reihe 33 1/3 bei Bloomsbury erscheinen sollte.

Nun kann ich vermelden: Das gute Stück ist tatsächlich da! Michael hat es mir zu den Terminen persönlich mitgebracht – worüber ich mich natürlich riesig gefreut habe. Es ist schon ein ziemlich erhabenes Gefühl, ein Werk über DDR-Rockgeschichte aus einem internationalen Wissenschaftsverlag endlich druckfrisch in Händen zu halten. Die ausführliche wissenschaftliche Auseinandersetzung dazu tippe ich euch demnächst ganz in Ruhe für mein Format Archivgeflüster zusammen – dort, wo alle fachwissenschaftlichen Analysen ihr Zuhause haben. Seid gespannt!

📸 Foto: Katja Ertelt / MissRose1989 (Alle Rechte vorbehalten / © Miss Roses Media)


Mehr von Michael Rauhut & Lesestoff für den Herbst 🏛️📚

Wer tiefer in die Grautöne, die Zensurmechanismen und die Soundlandschaften der DDR eintauchen möchte, findet hier die wichtigsten Werke von Michael:

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War von euch schon mal jemand bei einer Veranstaltung im TIETZ oder im Dresdner Kulturpalast? Und welche Rolle spielt die Musik von Silly heute noch in eurem Alltag? Schreibt es mir unbedingt in die Kommentare!

Eure Katja

Bildnachweis & Copyright-Hinweis 📷🔒

Sämtliche in diesem Beitrag verwendeten Fotografien (Dokumentation Das TIETZ Chemnitz, Kulturpalast Dresden sowie Buchaufnahmen) wurden von mir persönlich angefertigt. Das Urheberrecht und Copyright liegen vollständig bei Katja Ertelt (MissRose1989 / Miss Roses Media). Eine Nutzung, Vervielfältigung oder Weitergabe – auch auszugsweise – ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung nicht gestattet.

Samstag, 26. September 2026

Serien-Rezension: Kafka (ARD/ORF) – Ein herrlich skurriler Ritt durch Genie und Wahnsinn

 

Wenn Daniel Kehlmann und David Schalko Franz Kafka sezieren: Düster, eigenwillig und ein Fest für Liebhaber des Absurden.

Franz Kafka ist ein Mythos. Ein Synonym für bürokratische Alpträume, existenzielle Beklemmung und literarisches Genie. Doch wie nähert man sich einem Mann, der seine eigenen Texte am liebsten verbrannt gesehen hätte? Die sechsteilige Miniserie „Kafka“ (eine Koproduktion von ARD und ORF aus dem Jahr 2024) wählt keinen konventionellen, staubigen Historienansatz. Unter der Regie von David Schalko und mit Drehbüchern von Bestsellerautor Daniel Kehlmann wird Kafkas Leben zu einem faszinierenden Vexierspiel.


Worum geht es?

Prag, um die Jahrhundertwende: Franz Kafka (brillant und zerbrechlich verkörpert von Joel Basman) meidet das Büro, leidet unter den Wutanfällen seines dominant-tyrannischen Vaters Hermann (urateil-gewaltig: Nicholas Ofczarek) und flieht Nacht für Nacht in die Welt seiner düsteren Schriften. An seiner Seite steht Max Brod (David Kross), der unerschütterlich an Kafkas Genie glaubt und dessen Texte gegen jeden Widerstand an die Öffentlichkeit bringt.

Erzählt wird die Miniserie nicht chronologisch, sondern polyphon aus verschiedenen Blickwinkeln: Jede Episode rückt eine zentrale Beziehung in Kafkas Leben in den Fokus – von der tiefen Freundschaft zu Max Brod über das traumatische Vater-Sohn-Verhältnis bis hin zu seinen komplexen Liebesbeziehungen mit Felice Bauer, Milena Jesenská und Dora Dymant.


Mein Eindruck: Kehlmanns Handschrift, Stachs Fundament & der Mut zum Skurrilen

Dass das Drehbuch aus der Feder von Daniel Kehlmann stammt und auf der maßgeblichen dreibändigen Kafka-Biografie von Reiner Stach basiert, merkt man jeder einzelnen Szene an. Kehlmann bringt seinen ganz eigenen, feinsinnigen, fast schon schelmischen Blick auf Geschichte und Literatur ein. Das überträgt sich unmittelbar auf das Narrativ: Entweder man mag diesen Stil – oder man empfindet ihn schlicht als irritierend. Ich für meinen Teil liebe es!

Das Setting besticht durch eine wunderbare Dualität: Auf der einen Seite wirkt alles beklemmend düster, eng und erdrückend – perfekt passend zum kafkaesken Lebensgefühl. Auf der anderen Seite bricht die Regie von Schalko diesen Ernst immer wieder mit einer herrlichen, fast absurden Skurrilität auf. Man muss bereit sein, sich auf diese collagenartige Erzählweise einzulassen. Wer ein braves, lineares Kostümdrama erwartet, wird hier scheitern; wer aber Lust auf ein vielschichtiges, psychologisches Porträt hat, wird belohnt.


Mein Fazit

Eine mutige, visuell packende und schauspielerisch herausragende Miniserie, die dem Phänomen Franz Kafka gerecht wird, ohne ihn auf ein Denkmal zu reduzieren. Ein Fest für Literaturbegeisterte mit Hang zum Absurden.

Meine Bewertung: Eigenwillig, tiefsinnig und brillant inszeniert. 4,5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌿


Wo kann man „Kafka“ sehen?

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Donnerstag, 20. August 2026

📽️ Rezension: Durchgeknallt (Girl, Interrupted)

Zwischen Manie, Vermeer und der Suche nach dem eigenen Halt

🎬 Filminfos auf einen Blick

  • Titel: Durchgeknallt (Original: Girl, Interrupted)

  • Gesehen bei: Deutsches Hygiene-Museum Dresden (Sondervorführung)

  • Einführung: Dr. Frank Schmidt (Kunsthistoriker, TU Dresden)

  • Genre: Psychologisches Drama / Biografie

  • Vorlage: Autobiografischer Roman von Susanna Kaysen (1993)

  • Besetzung: Winona Ryder, Angelina Jolie (Oscar als beste Nebendarstellerin), Clea DuVall, Elisabeth Moss, Whoopi Goldberg

  • Themen: Psychiatriegeschichte, Borderline, Freundschaft in der Isolation, Kunstgeschichte, Systemkritik

Der Auftakt: Ein kunsthistorischer Blick im Hygiene-Museum

Ein Filmabend im Deutschen Hygiene-Museum Dresden verspricht ohnehin eine besondere Atmosphäre – doch die fundierte Einführung durch den Kunsthistoriker Dr. Frank Schmidt (TU Dresden) gab der Vorführung ein außergewöhnliches Fundament.

Neben dem Zeigen einer prägnanten, aus der finalen Schnittfassung entfernten Szene schärfte er den Blick auf entscheidende Ebenen:

  • Der unpassende deutsche Titel: Während der deutsche Verleihtitel „Durchgeknallt“ reißerisch und abwertend klingt, verweist der Originaltitel „Girl, Interrupted“ auf eine feine Zäsur – ein Leben, das kurzzeitig unterbrochen wird.

  • Das Vermeer-Gemälde: Der Originaltitel ist direkt inspiriert von Johannes Vermeers Gemälde „Herr und Dame beim Wein / Dame, beim Musizieren unterbrochen“ (Girl Interrupted at Her Music). Er fängt den Moment ein, in dem ein junger Mensch mitten in der Entwicklung innehält und den Betrachter direkt anblickt – genau wie Susanna Kaysen in ihrer Biografie.

  • Die Filmtradition der Psychiatrie: Der Film knüpft an Klassiker wie Einer flog über das Kuckucksnest an, bricht diese Tradition jedoch durch eine rein weibliche Perspektive auf die Anstalten der 1960er-Jahre.


🏥 Die Station: Gefangenschaft, Gemeinschaft und verschwommene Grenzen

Im Zentrum steht die 18-jährige Susanna (Winona Ryder), die nach einem Suizidversuch in den späten 1960er-Jahren für 18 Monate in die Psychiatrische Klinik Claymoore eingewiesen wird.

Was folgt, ist ein intensives Kammerspiel zwischen zwei Polen:

  • Zwischen Zwang und Verbundenheit: Der Grundton ist geprägt von der beklemmenden Isolation und dem Kontrollverlust. Doch inmitten dieser Mauern entsteht eine überraschend warme, fast symbiotische Gemeinschaft. Die Patientinnen wachsen zusammen, fangen sich gegenseitig auf und schaffen sich einen geschützten Mikrokosmos.

  • Die Frage nach Normalität: Der Film stellt die subtilen Zwischentöne in den Fokus: Wer bestimmt eigentlich, wer krank ist und wer gesund? Wo verläuft die Grenze zwischen jugendlicher Orientierungslosigkeit, gesellschaftlicher Rebellion und tatsächlicher Manie?

  • Die universelle Ohnmacht: Das Gefühl, das eigene Leben nicht mehr im Griff zu haben, verbindet alle Frauen auf der Station – und doch trägt jede von ihnen ein völlig eigenes Päckchen.


🎭 Das Ensemble: Angelina Jolies Urgewalt und die Macht der Musik

Die Figuren bleiben nachhaltig im Gedächtnis, weil das Drehbuch jeder von ihnen eine eigenständige Würde zugesteht. Dennoch gibt es ein Gravitationszentrum, dem sich niemand entziehen kann: Angelina Jolie als Lisa Rowe.

Mit einer Mischung aus zerstörerischem Charisma, unberechenbarer Wut und roher Verletzlichkeit spielt Jolie nicht nur – sie brennt förmlich auf der Leinwand. Es überrascht nicht, dass diese schauspielerische Tour de Force mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin belohnt wurde. Sie überstrahlt das Geschehen, ohne die leiseren Töne der anderen zu ersticken.

Getragen wird diese dichte Atmosphäre von einem überragenden Soundtrack. Die Filmmusik funktioniert weit über die reine Untermalung hinaus: Sie spiegelt die innere Zerrissenheit der 60er-Jahre wider, transportiert Melancholie und dient als emotionaler Anker für die Sehnsucht nach Freiheit.


🌹 Fazit: Ein zeitloses Plädoyer für Menschlichkeit

Durchgeknallt ist weit mehr als ein historisches Psychiatrie-Drama. Es ist eine berührende Studie über das Gefühl, aus der Welt gefallen zu sein, und über die ungeheure Kraft von Freundschaft an den dunkelsten Orten. Wer bereit ist, sich auf einen tiefgründigen, atmosphärisch getragenen Film mit brillanten Figuren einzulassen, wird reich belohnt.

Bewertung: 4,5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌿


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🛒 Kauflinks & Empfehlungen zum Werk

Wenn du tiefer in die Geschichte von Susanna Kaysen eintauchen oder dir den Film und die Musik nach Hause holen möchtest, findest du hier die passenden Links:

  • Das Buch (Deutsche Ausgabe):

    📖 Susanna Kaysen: Durchgeknallt (Taschenbuch / E-Book) – Medimops* / Rebuy*

  • Das Buch (Englisches Original):

    📖 Susanna Kaysen: Girl, Interrupted (Originalfassung) – Amazon*

  • Der Film auf DVD / Blu-ray:

    💿 Durchgeknallt (Girl, Interrupted) – Spielfilm Amazon* / Amazon Stream* / Medimops* / Rebuy*

Link zum Quellenarchiv: Quellenverzeichnis

Dienstag, 18. August 2026

Zwischen den Zeilen: Wenn Worte fehlen und Tränen übernehmen 🖤📖

 

Warum manche Bücher keine klassische Rezension bekommen können – Ein ungeschönter Blick auf „Legenden: Tamara Danz“ von Alexander Osang.

Eigentlich sitze ich regelmäßig an meinem Schreibtisch, strukturiere Gedanken, wäge Kritikpunkte ab und vergebe Rosen. Doch manchmal gerät dieses feste System komplett ins Wanken. Es gibt diese seltenen Bücher, die man nicht einfach mit einer rationalen Analyse greifen kann, weil sie einen auf einer Ebene treffen, die jede sachliche Distanz zerstört.

Der gescheiterte Versuch einer Rezension

Aktuell lese ich „Legenden: Tamara Danz“ von Alexander Osang ein weiteres Mal – ursprünglich als Quelle und Recherche im Rahmen meiner aktuellen Seminararbeit. Doch schon nach wenigen Seiten passierte genau das, was mir schon beim ersten Lesen widerfahren ist: Die wissenschaftliche Distanz löste sich vollständig auf. Genau deswegen gehe ich auch emotionalgeschichtlich an dieses Thema ran - weil ich so meine eigenen Emotionen für meine Arbeit nutzen kann. 

Ich habe dieses Buch auf meinem Blog bisher nie besprochen, und der Grund ist simpel wie schmerzhaft: Ich finde schlichtweg keine passenden Sätze für eine klassische Rezension.

Ein Buch, das man nicht in der Öffentlichkeit lesen kann

Dieses Buch ist für mich ein absoluter Ausnahmezustand. Ich kann es unmöglich in der Bahn, im Café oder in der Unibibliothek aufschlagen. Wer Alexander Osangs Biografie über Tamara Danz kennt, weiß, mit welcher Schonungslosigkeit und Nähe er ihr Leben und ihr Sterben nachzeichnet.

Gerade die Kapitel über ihre letzten Lebenswochen und die finalen Interviews ziehen bei mir emotional dermaßen den Boden unter den Füßen weg, dass ich beim Lesen durchgehend den Tränen nah bin – und oft genug fließen sie auch. Es nimmt mich jedes Mal aufs Neue unfassbar mit. Tamara Danz war eine Naturgewalt, eine Ikone mit unbändiger Energie, und ihren Verfall sowie ihren viel zu frühen Abschied schwarz auf weiß zu begleiten, tut weh. Richtig weh.

Wenn Emotionen den Rahmen sprengen

Wie packt man ein solches Leseerlebnis in ein starres Bewertungsschema? Wie beurteilt man Dramaturgie, Sprache oder Spannungsbogen, wenn man selbst so tief berührt und aufgewühlt ist, dass man die eigene Befangenheit kaum in Worte fassen kann?

Ich habe gemerkt: Ich kann und will dieses Buch nicht in ein Korsett aus Sternen oder Rosen pressen. Aber ich wollte es euch unbedingt zeigen. Dieser Zwischenpost ist mein ehrliches Geständnis, dass auch eine Bloggerin manchmal vor einem Buch kapituliert – nicht aus Mangel an Qualität, sondern aus Respekt vor einer Wucht, die einen sprachlos zurücklässt.

Kennt ihr das? Gibt es dieses eine Buch, das euch emotional so fertiggemacht hat, dass ihr niemandem sachlich davon erzählen konntet? 🌹

Hier kannst du das Buch finden:

Falls ihr euch selbst auf diese intensive Biografie einlassen möchtet:

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Dienstag, 21. Juli 2026

📽️ Rezension: 22 Bahnen (Netflix)

🎬 Filminfos auf einen Blick

  • Titel: 22 Bahnen

  • Plattform: Netflix

  • Genre: Drama / Coming-of-Age

  • Basierend auf: Dem Bestseller-Roman von Caroline Wahl

  • Themen: Parentifizierung, Co-Abhängigkeit, familiärer Alkoholismus, Geschwisterliebe

  • Credits:

  • Produzenten: Anna-Malike Eigl, Thomas Wöbke, Philipp Trauer
    Drehbuch: Elena Hell
    Regie: Mia Maariel Meyer
    Casting: Liza Stutzky, Jacqueline Rietz
    Hauptdarsteller·innen: Luna Wedler
    Nebendarsteller·innen: Zoë Baier, Laura Tonke, Jannis Niewöhner
    Kamera/Bildgestaltung: Tim Kuhn
    Szenenbild: Susanna Haneder, Annika Liesen
    Kostümbild: Christian Röhrs
    Schnitt: Jamin Benazzouz
    Maske: Heidi Wick
    Filmmusik: Dascha Dauenhauer
    Tongestaltung: Philip Hutter, Clemens Becker, Philipp Sellier
    VFX Supervisor: Sebastian Nozon, Florian Ast

Eine talentierte Studentin im emotionalen Stillstand

22 Bahnen ist kein lautes, hysterisches Drama, sondern ein leiser, emotionaler Kraftakt. Der Film schafft es auf sehr authentische Weise, das Leben von Tilda einzufangen – einer hochbegabten Mathematik-Studentin, die in einer emotionalen Zeitschleife gefangen ist. Zwischen anspruchsvollen Vorlesungen, dem Kassierjob im Supermarkt und dem exakten Zählen von Schwimmbahnen versucht sie, das fragile Kartenhaus ihres Alltags zusammenzuhalten.

🌊 Das Dreieck der Belastung: Uni, Schwester, Sucht

Der Film glänzt vor allem bei der Darstellung von Tildas innerem Zerreißprozess und der subtil traurigen Bildsprache, die das Leben dieser talentierten Studentin einfängt:

  • Die Last der Verantwortung: Tilda studiert nicht nur, sie managt ein ganzes Leben. Durch die Alkoholsucht der Mutter ist sie in die Rolle der Elternfigur gerückt. Für ihre kleine Schwester Ida ist sie der Fels in der Brandung.

  • Der Schatten des Alkoholismus: Die Sucht der Mutter wird ohne billige Klischees dargestellt – es ist die schleichende, unberechenbare Grausamkeit, die wie eine ständige Bedrohung über dem Haus liegt.

  • Das blockierte Talent: Die Uni und das Angebot einer Promotion zeigen Tildas enormes Potenzial, doch ihr fehlt der mentale Raum, um dieses Leben überhaupt für sich zu beanspruchen. Sie ist eine junge Frau, die sich schlicht nicht traut, ihren eigenen Weg zu suchen.

🧠 Die unsichtbare Fessel: Tildas unterschwellige Schuld

Ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch den Film zieht, ist Tildas tiefe, unterschwellige Schuld. Sie steckt in einer klassischen psychologischen Falle fest: Jeder Schritt in Richtung ihrer eigenen Freiheit fühlt sich für sie wie ein Verrat an.

Wenn sie für Prüfungen lernt, Zeit mit Viktor verbringt oder laut über die Promotion nachdenkt, schwingt sofort das schlechte Gewissen mit. Sie hat das Gefühl, Ida im Stich zu lassen und sie schutzlos der unberechenbaren Mutter auszuliefern. Diese Schuld lähmt sie und hält sie an einem Ort fest, aus dem sie längst herausgewachsen ist.

🌧️ Das Schwimmen im Regen: Ein widersinniges Zeichen der Hoffnung

Die visuelle Melancholie des Films findet im Freibad ihren stärksten Ausdruck. Das repetitive Schwimmen der exakt 22 Bahnen gibt Tilda Struktur, um im Alltag nicht unterzugehen. Doch eine Szene bricht diese einsame Routine auf: das Schwimmen im Regen.

Eigentlich ist es völlig widersinnig, bei schlechtem Wetter ins Freibad zu gehen. Doch für Tilda und Ida wird genau dieser Moment zu einem stillen Triumph. Es ist der einzige Zeitpunkt, an dem die kleine Ida ihre Schwester zum Schwimmen begleitet.

Wenn der Himmel sich öffnet und die Tropfen auf das leere Becken klatschen, wandelt sich die Melancholie in pure Verbundenheit. In diesem Moment flieht Tilda nicht vor ihrer Verantwortung, sondern sie teilt ihren Zufluchtsort mit dem Menschen, den sie am meisten beschützen will. Dass Ida ausgerechnet im Regen mitkommt, ist ein zutiefst berührendes Zeichen der Hoffnung: Es symbolisiert, dass die beiden Schwestern selbst im schwersten emotionalen Unwetter einen Weg finden, gemeinsam Leichtigkeit und Freiheit zu erleben. Der Regen wäscht die Enge ihres Zuhauses für kurze Zeit fort.

🌹 Fazit: Ein stimmiges Bild mit kleinen Distanzen

22 Bahnen überzeugt durch seine feinfühlige Bildsprache und die ungeschönte Darstellung von familiärer Sucht und Co-Abhängigkeit. Es ist ein wichtiges Stück Kino über das Loslassen und die schmerzhafte Suche nach dem eigenen Ich.

Auch wenn mich der Film emotional nicht in jeder Sekunde komplett mitgerissen hat und stellenweise eine gewisse Distanz spürbar blieb, bleibt das bittersüße Bild zweier Schwestern im Sommerregen noch lange im Gedächtnis.

Bewertung: 4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹


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Quellenverzeichnis: Link zum Quellenarchiv

Mittwoch, 1. Juli 2026

Rezension: Ich will die Heldin meines Lebens sein – Ein kreativer Anker im Alltag

Mehr Selbstvertrauen, kleine Challenges und Raum für die eigene Geschichte: Ein Eintragbuch, das dazu einlädt, sich selbst zur Priorität zu machen.

Im Trubel des Alltags vergessen wir viel zu oft das Wichtigste: uns selbst. Mit „Ich will die Heldin meines Lebens sein: Mein kreatives Eintragbuch“ hat der Groh Verlag einen wunderschönen Begleiter geschaffen, der genau hier ansetzt. Es ist kein klassisches Lesebuch, sondern ein interaktives Tool, das das Selbstvertrauen stärken und den Alltag mit kleinen, kreativen Impulsen verschönern soll.

Worum geht es?

Dieses Eintragbuch ist eine bunte Mischung aus persönlichem Tagebuch, Ratgeber und Kreativ-Coach. Neben reichlich Platz für eigene Gedanken, Träume und Reflexionen hält das Buch inspirierende kleine Beiträge sowie abwechslungsreiche Challenges bereit. Es fordert einen sanft dazu auf, die Komfortzone zu verlassen, achtsamer mit sich umzugehen und die eigene innere Stärke (wieder) zu entdecken.

Mein Eindruck: Ein liebevoller Schubs zu mehr Selbstfürsorge

Ich habe mich sehr gefreut, dieses Buch als E-Book-Rezensionsexemplar via NetGalley entdecken zu dürfen. Bei solchen Mitmachbüchern gilt natürlich immer: Klar trifft nicht jede Challenge oder jede Aufgabe den Geschmack von jedem. Manche Impulse sprechen einen sofort an, andere wiederum passen vielleicht nicht zur aktuellen Lebenssituation oder dem eigenen Charakter.

Aber genau das ist das Schöne an einem kreativen Eintragbuch: Man nimmt sich einfach das heraus, was sich gut anfühlt! Insgesamt ist das Buch eine wunderbare, liebevolle Erinnerung daran, im stressigen Alltag mal innezuhalten, an sich selbst zu denken und aktiv an seinem Selbstvertrauen zu arbeiten. Die Gestaltung ist motivierend, ohne aufdringlich oder belehrend zu wirken.

Mein Geschenktipp: Durch die hochwertige und bestärkende Aufmachung ist dieses Buch ein richtig schönes Geschenk – sei es für die beste Freundin, einen lieben Menschen, dem man eine kleine Auszeit wünscht, oder schlichtweg als Geschenk an sich selbst!

Mein Fazit

Ein rundum gelungenes Mitmachbuch, das Farbe und positive Energie in den Alltag bringt. Perfekt für alle, die sich spielerisch mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen möchten.

Meine Bewertung: Ein inspirierender Alltagsbegleiter mit Herz. 4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

Hier kannst du das Eintragbuch kaufen:

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Quellennachweis: Zum Quellenblog

Mittwoch, 10. Juni 2026

[Rezension] Laura Peters - Die Axt im Haus….: Rätselhafte und bizarre historische Axtmorde (Wahre Fälle 1)

Ein detailreicher und historisch fundierter Blick auf sieben vergessene True-Crime-Fälle von Laura Peters.

Wenn wir an Kriminalfälle des viktorianischen Zeitalters oder des frühen 20. Jahrhunderts denken, haben wir oft das Bild von subtilen Giftmorden im Salon oder den nebligen Gassen von Jack the Ripper vor Augen. Doch Laura Peters widmet sich in „Die Axt im Haus…“ (Wahre Fälle 1) einer weitaus brutaleren, aber eben auch alltäglicheren Realität: Morden, bei denen ein Werkzeug zur Waffe wurde, das damals buchstäblich in jedem Haushalt zu finden war.

⚠️ Triggerwarnung

Obwohl der Klappentext betont, dass es nicht um bloße Sensation geht, ist dieses Buch nichts für schwache Nerven. Die historischen Fälle sind naturgemäß von einer enormen Brutalität geprägt, und die Schilderungen gehen sehr ins Detail. Wer sensibel auf physische Gewalt reagiert, sollte hier bitte Vorsicht walten lassen. Wir bewegen uns hier im tiefsten True Crime.

Worum geht es?

Das Buch beleuchtet sieben historische, teilweise in Vergessenheit geratene Mordfälle aus England und den USA (darunter Schauplätze wie New Orleans und Austin, Texas). Sie alle verbindet die titelgebende Tatwaffe. Neben bekannteren Kriminalfällen, die bis heute Hobbydetektive und die Popkultur beschäftigen, holt die Autorin auch vergessene Tragödien zurück ans Licht und versucht dabei, den Fokus auf die historischen Umstände zu legen.

Mein Eindruck: Anschaulich, brutal und historisch packend

Man merkt dem Buch von der ersten Seite an, dass wir uns im True-Crime-Genre befinden – es ist roh, es ist packend und es ist verdammt nah an den historischen Akten.

Der Klappentext verspricht zwar, dass das Buch die Würde der Opfer achtet (was es durch den Verzicht auf reißerische Effekthascherei auch tut), aber man darf sich nichts vormachen: Die Beschreibungen der Taten sind recht gut, anschaulich und eben sehr detailreich gemacht. Genau das macht das Buch so intensiv. Laura Peters schafft es hervorragend, die paranoide Stimmung der damaligen Bevölkerung greifbar zu machen. Die Vorstellung, dass der Mörder ein Werkzeug nutzt, das jeder im Schuppen stehen hat, verbreitete damals eine ganz eigene, psychologische Lähmung.

Die Mischung aus bekannteren Fällen und völlig neuen Entdeckungen ist gut ausbalanciert. Für Geschichtsinteressierte bietet das Buch zudem einen spannenden Einblick in die damalige, noch in den Kinderschuhen steckende Kriminalistik.

Mein Fazit

Ein handwerklich wirklich gut gemachtes True-Crime-Buch, das durch seine anschauliche Erzählweise besticht. Es ist definitiv keine seichte Urlaubslektüre, sondern eine detailreiche Kriminalchronik für alle, die historische Kriminalfälle abseits der bekannten Mainstream-Pfade suchen.

Meine Bewertung: Anschaulich, ungeschönt und historisch präzise. 

4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

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Zum Quellenverzeichnis: Klick

Donnerstag, 28. Mai 2026

[Rezension] In einem Zug – Daniel Glattauers feinsinnige Reise durch das Leben

 Ein witziger, schlagfertiger und tiefgründiger Roman, den man am besten genau dort liest, wo er spielt: Im Zug.

Wer an Daniel Glattauer denkt, hat meist sofort die digitalen Wortgefechte aus „Gut gegen Nordwind“ im Kopf. Doch mit „In einem Zug“ schlägt der Autor leisere, klassischere, aber keineswegs weniger faszinierende Töne an. Ein Buch, das mich auf eine ganz unerwartete Weise berührt hat – und das, wie sich herausstellte, den absolut perfekten Leseort verlangt.

Lese-Tipp: Falls ihr meinen ersten Eindruck und meine Gedanken direkt während der Fahrt verpasst habt, hüpft unbedingt noch rüber zu meinem Zwischenpost: Gedanken beim Lesen – Weil Gefühle keine Noten brauchen ✨!

Worum geht es?

Wir begleiten den Autor Eduard Brünhofer auf einer vermeintlich ganz normalen Zugfahrt zu einem Verlagstermin nach München. Doch die Routine wird komplett auf den Kopf gestellt, als er auf Catrin Meyr trifft. Sie gestaltet die gemeinsame Reisezeit völlig anders, als Eduard es je hätte ahnen können. Aus einer flüchtigen Begegnung entwickelt sich ein tiefgehendes Gespräch, das weit über Smalltalk hinausreicht.

Mein Eindruck: Schlagfertig, feinsinnig und bittersüß

Ich habe dieses Buch wirklich von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Glattauers Schreibstil besitzt hier eine wunderschöne Leichtigkeit, die einen mühelos durch die Seiten trägt. Das absolute Herzstück des Romans sind die Dialoge zwischen Eduard und Catrin: Sie sind witzig, teilweise herrlich schlagfertig und einfach ein purer Genuss beim Lesen.

Gleichzeitig schafft es der Roman, neben all dem Wortwitz sehr leise und feinsinnig daherzukommen. Zwischen den Zeilen stecken kluge, nachhaltige Gedanken über die Liebe, das Altern, das Scheitern und das Leben an sich, die mir noch lange im Kopf herumgegangen sind. Man bekommt als Leser einen tiefen, ungeschönten Einblick in Eduards Leben, begreift seine Schwächen und versteht plötzlich, woher seine jahrelange, lähmende Schreibpause rührt.

Mein absoluter Pro-Tipp für euch: Schnappt euch dieses Buch für eure nächste längere Bahnfahrt! Ich habe es genau so gemacht und die Atmosphäre im Zug verschmilzt beim Lesen eins zu eins mit der Geschichte. Das macht das Ganze noch intensiver.

Mein Fazit

Ein wunderbares Buch zum Abschalten und gleichzeitig zum Nachdenken. Es kommt nicht laut oder spektakulär daher, sondern überzeugt durch seine psychologische Tiefe und geschliffene Dialogkunst. Ein echter Glattauer eben, nur im Gewand eines klassischen Romans.

Meine Bewertung: 

Feinsinnig, berührend und voller Wortwitz. 4,5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌿 (eine halbe Rose für das ganz besondere Reisegefühl)


Hier kannst du „In einem Zug“ kaufen:

Du möchtest Eduard und Catrin auf ihrer Reise begleiten? Über diese Links kannst du das Buch direkt bestellen und gleichzeitig meine Arbeit am Blog unterstützen, ohne dass es für dich teurer wird (Affiliate-Links):

Vielen Dank für deine Unterstützung! 🌹

Transparenz-Hinweis: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon natürlich komplett unbeeinflusst – ich schreibe für euch immer ehrlich, direkt und aus tiefstem Leserherzen! 🌹

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Den Quellennachweis findest du hier: LINK

Montag, 4. Mai 2026

Gedanken zum Bloggen: Wenn Sympathie auf Kritik trifft – Der Spagat der Ehrlichkeit ✍️💔

 Wie ehrlich darf (und muss) man sein, wenn man den Autor eigentlich total gerne mag?

Heute möchte ich mal ein wenig „aus dem Nähkästchen“ plaudern. Manchmal fällt es mir unglaublich leicht, eine Rezension zu schreiben. Aber dann gibt es diese Momente, in denen ich vor dem leeren Bildschirm sitze und die Worte einfach nicht fließen wollen. Nicht, weil mir nichts einfällt – sondern weil ich eine fast schon lähmende Angst verspüre.

Der „Sympathie-Konflikt“: Mensch vs. Medium

Es gibt Autoren, die sind einem einfach wahnsinnig sympathisch. Man folgt ihnen vielleicht auf Social Media, schätzt ihren Humor, ihren Einsatz für wichtige Themen oder die herzliche Art, wie sie mit ihrer Community umgehen. Man baut eine Art digitale Freundschaft auf.

Und dann liest man ihr neuestes Werk und merkt: Es zündet nicht. Der Funke springt nicht über, der Spannungsbogen ist flach oder der Schreibstil erreicht einen nicht so, wie man es sich erhofft hat. In meinem Kopf fängt es dann an zu rattern:

  • „Kann ich das wirklich so schreiben, nachdem wir gestern noch so nett gechattet haben?“

  • „Verletze ich den Autor damit persönlich oder zerstöre ich gar eine wertvolle Connection?“

  • „Was, wenn die Kritik auf furchtbaren Boden fällt und ich als 'undankbar' abgestempelt werde?“

Das Schweigen als falscher Ausweg

Oft stellt sich die Frage: Soll ich das Buch dann lieber gar nicht rezensieren? Einfach schweigen, um den Konflikt zu umgehen? Aber auch das fühlt sich falsch an. Ein Blog wie Miss Rose's Bücherwelt lebt von der Vollständigkeit und der authentischen Begleitung meiner Lesereise. Wenn ich nur noch die „sicheren“ Bücher bespreche, verliere ich den Kontakt zu meiner eigenen Meinung.

Ehrlichkeit als höchstes Gut (und als Respekt)

Ich habe für mich beschlossen: Ehrlichkeit ist das Fundament meiner Arbeit. Wenn ich anfange, Lobhudeleien zu verfassen, nur um niemanden zu kränken, verliert mein Urteil seinen Wert – und zwar vor allem für euch, meine Leser. Ihr verlasst euch darauf, dass meine Rosen-Bewertung eine echte Orientierung bietet.

Außerdem glaube ich fest daran: Wahre Wertschätzung verträgt auch Kritik. Eine Rezension ist immer eine Kritik am Werk, niemals an der Person. Ein wunderbarer Mensch kann ein Buch schreiben, das einfach nicht meinen Nerv trifft. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Dennoch: Der Kloß im Hals bleibt oft bis zur Veröffentlichung. Er ist das Zeichen dafür, dass mir die Menschen hinter den Geschichten eben nicht egal sind.

Die Angst vor dem „furchtbaren Boden“

Kritik ist ein Angebot zum Dialog. Meine größte Sorge ist dabei nicht die Kritik an sich, sondern dass sie missverstanden wird. Dass sie nicht als fachliches Feedback ankommt, sondern als persönlicher Angriff. Aber genau hier liegt die Grenze der Professionalität: Ich kann nur kontrollieren, wie ich kritisiere (immer respektvoll und begründet), aber nicht, wie es aufgenommen wird.

Wie seht ihr das?

Erwartet ihr von mir die ungeschönte Wahrheit, auch wenn ihr wisst, dass ich den Autor schätze? Ist für euch eine 3-Rosen-Bewertung bei einem „Herzensmenschen“ glaubwürdiger als ein erzwungenes Lob?

Lassen wir uns die Ehrlichkeit bewahren – auch wenn es manchmal verdammt schwerfällt, die „Senden“-Taste zu drücken. 🌹

Ein Herz für ehrliche Worte? ☕🌹 Solche persönlichen Einblicke und die tägliche Arbeit an meinen Rezensionen kosten viel Herzblut. Wenn du meine Unabhängigkeit und meine ehrlichen Worte unterstützen möchtest, freue ich mich riesig über einen virtuellen Kaffee oder eine Rose auf Ko-fi. Deine Unterstützung hilft mir, auch dann den „Senden“-Button zu drücken, wenn es mal schwerfällt!

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