Mittwoch, 5. August 2026

Veranstaltungstipps für den Oktober: Michael Rauhut live in Chemnitz & Dresden! 📚✨

Hallo ihr Lieben,

der Herbst bringt bei mir nicht nur kuschlige Leseabende, sondern auch ein paar echte Highlight-Veranstaltungen mit sich, die ich euch unbedingt ans Herz legen möchte!

Wenn ihr euch für Musikgeschichte, spannende Sachbücher und packende Einblicke in die Bandgeschichte von Silly interessiert, solltet ihr euch Mitte Oktober zwei Termine ganz dick rot im Kalender anstreichen: Michael Rauhut ist in Sachsen unterwegs!

Die Rezension zum Buch bekommt ihr hier: 🏛️ Archivgeflüster: Raus aus der Spur – Wie Silly die DDR rockte

Ich werde auf jeden Fall mit dabei sein und freue mich schon sehr darauf. Hier kommen die harten Fakten für eure Kalenderplanung:

📍 Die Termine auf einen Blick:

Wer von euch hat Lust vorbeizuschauen? Lasst es mich unbedingt in den Kommentaren wissen – vielleicht sieht man sich ja vor Ort!

Alles Liebe,

Katja

Sonntag, 2. August 2026

Lesung von Lisa Niendorf („Frau Forschung“) an der TU Dresden: Wenn die Wissenschaft an ihren eigenen Strukturen leidet 📚💬

 Kultur und Debatte müssen nicht immer laut oder teuer sein. Manchmal finden die eindrücklichsten Veranstaltungen an einem drückend heißen Sommerabend im Hörsaal statt – und hinterlassen ein tiefes Nachdenken, das einen noch Tage später begleitet.

Genau so ein Abend war der 30. Juli. Über den StuRa der TU Dresden ging es für mich zur kostenfreien Lesung von Bildungsforscherin Lisa Niendorf (vielen auf Social Media besser bekannt als @frauforschung). Sie hat aus ihrem Bestseller „UNIversal gescheitert?: Wissenschaft und Hochschule zwischen Machtmissbrauch, Leistungsdruck und Ausbeutung – Was wir dagegen tun können“ gelesen.

Obwohl es im Raum tierisch warm war, haben sich knapp 100 Studierende und studentische Hilfskräfte eingefunden. Ein deutliches Zeichen dafür, wie brennend aktuell und drängend dieses Thema im Universitätsalltag ist.

Blicke hinter die Kulissen: Warum sich so wenig ändert

Das Thema trifft einen Nerv. Es geht um starre Machthierarchien, den immensen Publikations- und Leistungsdruck, Prekarität im akademischen Mittelbau und Strukturen, die Ausbeutung stellenweise begünstigen, statt Innovation zu fördern.

Das Erschreckende daran? Die Debatte ist nicht neu. Und trotzdem hat man das Gefühl, dass sich die Räder des Systems nur extrem langsam – wenn überhaupt – bewegen. Lisa Niendorf brings diese Problematik in ihrem Buch nicht nur knallhart auf den Punkt, sondern diskutiert auch konkrete Lösungsansätze, wie ein gesünderes Wissenschaftssystem aussehen könnte.

Zwischen moderner Offenheit und beklemmender Realität: Ein persönlicher Zwiespalt

Für mich persönlich war die Lesung und vor allem die anschließende Diskussion extrem vielschichtig – inspirierend und gleichzeitig zutiefst bedrückend.

Ich habe den direkten Vergleich: Im Kontrast zu meinem ersten Studium in den 2010er Jahren empfinde ich die Universität heute eigentlich als deutlich offener, moderner und zugänglicher. Man möchte meinen, dass wir auf einem guten Weg sind. Aber wenn man dann in der Runde sitzt, den Berichten lauscht und merkt, wie tief verankert manche Missstände nach wie vor sind, zieht sich einem der Magen zusammen.

Da ich selbst das Ziel verfolge, später Richtung Forschung zu gehen, hallen solche Abende besonders nach. Es tut weh zu sehen, mit welchen Hürden und systemischen Problemen man konfrontiert werden könnte – und gleichzeitig stärkt es den Wunsch, Teil einer Veränderung zu sein.

Fazit

Ein großes Dankeschön an den StuRa der TU Dresden für die Organisation dieser hochkarätigen und wichtigen Veranstaltung!

Lisa Niendorfs Buch ist eine absolute Leseempfehlung für alle, die im Wissenschaftsbetrieb arbeiten, studieren oder sich schlichtweg für die Zukunft unserer Bildungslandschaft interessieren.

Und jetzt seid ihr dran! 💬

Habt ihr das Buch von Lisa Niendorf schon gelesen oder folgt ihr ihr auf Social Media? Wie nehmt ihr die aktuellen Zustände an den Universitäten wahr – seht ihr positive Veränderungen oder überwiegen die alten Strukturen?

Lasst uns in den Kommentaren sachlich und offen darüber austauschen! 👇

🛒 Das Buch zur Lesung

Wenn ihr tiefer in das Thema eintauchen möchtet, könnt ihr das Buch von Lisa Niendorf hier bestellen:

Hinweis: Bei den oben genannten Links handelt es sich um Werbe-/Affiliate-Links. Wenn du über diesen Link etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis selbstverständlich nichts.

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📌 Quellennachweis & Transparenz: Die Veranstaltung war eine kostenfreie Lesung, organisiert durch den StuRa der TU Dresden. Buchcover: „UNIversal gescheitert?“ von Lisa Niendorf (Droemer Knaur).

Dienstag, 21. Juli 2026

📽️ Rezension: 22 Bahnen (Netflix)

🎬 Filminfos auf einen Blick

  • Titel: 22 Bahnen

  • Plattform: Netflix

  • Genre: Drama / Coming-of-Age

  • Basierend auf: Dem Bestseller-Roman von Caroline Wahl

  • Themen: Parentifizierung, Co-Abhängigkeit, familiärer Alkoholismus, Geschwisterliebe

  • Credits:

  • Produzenten: Anna-Malike Eigl, Thomas Wöbke, Philipp Trauer
    Drehbuch: Elena Hell
    Regie: Mia Maariel Meyer
    Casting: Liza Stutzky, Jacqueline Rietz
    Hauptdarsteller·innen: Luna Wedler
    Nebendarsteller·innen: Zoë Baier, Laura Tonke, Jannis Niewöhner
    Kamera/Bildgestaltung: Tim Kuhn
    Szenenbild: Susanna Haneder, Annika Liesen
    Kostümbild: Christian Röhrs
    Schnitt: Jamin Benazzouz
    Maske: Heidi Wick
    Filmmusik: Dascha Dauenhauer
    Tongestaltung: Philip Hutter, Clemens Becker, Philipp Sellier
    VFX Supervisor: Sebastian Nozon, Florian Ast

Eine talentierte Studentin im emotionalen Stillstand

22 Bahnen ist kein lautes, hysterisches Drama, sondern ein leiser, emotionaler Kraftakt. Der Film schafft es auf sehr authentische Weise, das Leben von Tilda einzufangen – einer hochbegabten Mathematik-Studentin, die in einer emotionalen Zeitschleife gefangen ist. Zwischen anspruchsvollen Vorlesungen, dem Kassierjob im Supermarkt und dem exakten Zählen von Schwimmbahnen versucht sie, das fragile Kartenhaus ihres Alltags zusammenzuhalten.

🌊 Das Dreieck der Belastung: Uni, Schwester, Sucht

Der Film glänzt vor allem bei der Darstellung von Tildas innerem Zerreißprozess und der subtil traurigen Bildsprache, die das Leben dieser talentierten Studentin einfängt:

  • Die Last der Verantwortung: Tilda studiert nicht nur, sie managt ein ganzes Leben. Durch die Alkoholsucht der Mutter ist sie in die Rolle der Elternfigur gerückt. Für ihre kleine Schwester Ida ist sie der Fels in der Brandung.

  • Der Schatten des Alkoholismus: Die Sucht der Mutter wird ohne billige Klischees dargestellt – es ist die schleichende, unberechenbare Grausamkeit, die wie eine ständige Bedrohung über dem Haus liegt.

  • Das blockierte Talent: Die Uni und das Angebot einer Promotion zeigen Tildas enormes Potenzial, doch ihr fehlt der mentale Raum, um dieses Leben überhaupt für sich zu beanspruchen. Sie ist eine junge Frau, die sich schlicht nicht traut, ihren eigenen Weg zu suchen.

🧠 Die unsichtbare Fessel: Tildas unterschwellige Schuld

Ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch den Film zieht, ist Tildas tiefe, unterschwellige Schuld. Sie steckt in einer klassischen psychologischen Falle fest: Jeder Schritt in Richtung ihrer eigenen Freiheit fühlt sich für sie wie ein Verrat an.

Wenn sie für Prüfungen lernt, Zeit mit Viktor verbringt oder laut über die Promotion nachdenkt, schwingt sofort das schlechte Gewissen mit. Sie hat das Gefühl, Ida im Stich zu lassen und sie schutzlos der unberechenbaren Mutter auszuliefern. Diese Schuld lähmt sie und hält sie an einem Ort fest, aus dem sie längst herausgewachsen ist.

🌧️ Das Schwimmen im Regen: Ein widersinniges Zeichen der Hoffnung

Die visuelle Melancholie des Films findet im Freibad ihren stärksten Ausdruck. Das repetitive Schwimmen der exakt 22 Bahnen gibt Tilda Struktur, um im Alltag nicht unterzugehen. Doch eine Szene bricht diese einsame Routine auf: das Schwimmen im Regen.

Eigentlich ist es völlig widersinnig, bei schlechtem Wetter ins Freibad zu gehen. Doch für Tilda und Ida wird genau dieser Moment zu einem stillen Triumph. Es ist der einzige Zeitpunkt, an dem die kleine Ida ihre Schwester zum Schwimmen begleitet.

Wenn der Himmel sich öffnet und die Tropfen auf das leere Becken klatschen, wandelt sich die Melancholie in pure Verbundenheit. In diesem Moment flieht Tilda nicht vor ihrer Verantwortung, sondern sie teilt ihren Zufluchtsort mit dem Menschen, den sie am meisten beschützen will. Dass Ida ausgerechnet im Regen mitkommt, ist ein zutiefst berührendes Zeichen der Hoffnung: Es symbolisiert, dass die beiden Schwestern selbst im schwersten emotionalen Unwetter einen Weg finden, gemeinsam Leichtigkeit und Freiheit zu erleben. Der Regen wäscht die Enge ihres Zuhauses für kurze Zeit fort.

🌹 Fazit: Ein stimmiges Bild mit kleinen Distanzen

22 Bahnen überzeugt durch seine feinfühlige Bildsprache und die ungeschönte Darstellung von familiärer Sucht und Co-Abhängigkeit. Es ist ein wichtiges Stück Kino über das Loslassen und die schmerzhafte Suche nach dem eigenen Ich.

Auch wenn mich der Film emotional nicht in jeder Sekunde komplett mitgerissen hat und stellenweise eine gewisse Distanz spürbar blieb, bleibt das bittersüße Bild zweier Schwestern im Sommerregen noch lange im Gedächtnis.

Bewertung: 4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹


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Donnerstag, 2. Juli 2026

Rezension: Sprichst du Schokolade? – Eine süße Sprache gegen große Barrieren

 

Ein herzerwärmendes und wichtiges Jugendbuch, das zeigt, dass Freundschaft keine Worte braucht – aber manchmal ein Stück Schokolade.

Wie freundet man sich mit jemandem an, wenn man kein einziges Wort der gleichen Sprache spricht? „Sprichst du Schokolade?“ von Cas Lester (mit tollen Illustrationen von Kate Forrester) widmet sich dieser Frage auf eine sehr kreative, humorvolle und gleichzeitig tiefgründige Weise. Ein Buch, das für Jugendliche zwischen 10 und 12 Jahren empfohlen wird und diesen Ton auch sprachlich perfekt trifft.

Worum geht es?

Wir begleiten die quirlige Josie. Ihr erklärtes Lebensziel: Millionärin werden! Doch ihr Alltag ist alles andere als einfach. Sie wächst ohne Vater auf, das Familienleben mit ihrer Mutter und ihren Brüdern ist ziemlich turbulent und in der Schule warten die üblichen, anstrengenden Zickereien. Das Besondere: Josie spricht uns Leser im Buch immer wieder direkt an, sodass wir sie hautnah begleiten.

Alles ändert sich, als eine neue Schülerin in ihre Klasse kommt: Nadima, ein kurdisches Mädchen, das aus Syrien geflohen ist. Am Anfang steht eine riesige Sprachbarriere zwischen den beiden Mädchen. Doch sie finden einen genialen und wunderschönen Weg, sich anzunähern – über die universelle Sprache der Schokolade. Eine ganz besondere Freundschaft beginnt zu wachsen.

Mein Eindruck: Wichtige Themen, lebendig verpackt – aber mit kleiner Einschränkung

Das Buch punktet von der ersten Seite an mit seiner tollen, dynamischen Gestaltung. Die 51 Kapitel sind angenehm kurz gehalten und werden immer wieder durch kleine Textnachrichten, Notizen oder andere optische Kleinigkeiten aufgelockert. Das sorgt für einen wunderbaren Lesefluss.

Was mich an diesem Kinderbuch besonders begeistert hat: Es beschränkt sich nicht nur auf die typischen Probleme junger Mädchen. Natürlich spielen der obligatorische Schul-Zickenkrieg und der normale Alltagstrubel eine wichtige Rolle, um die Zielgruppe abzuholen. Aber das Buch geht tiefer: Es legt großen Wert darauf, der Flüchtlingsthematik einen hohen Stellenwert zuzuordnen – und den bekommt sie hier auch auf eine sehr empathische Weise.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich die Protagonistin Josie selbst. Sie ist als Charakter phasenweise ein bisschen schwierig zu greifen: Mal zeigt sie sich unglaublich tough und packt die Dinge an, im nächsten Moment agiert sie wieder sehr naiv. Aus diesem Grund lautet mein Pro-Tipp: Man sollte das Buch mit jüngeren Kids auf jeden Fall begleitet lesen, um über Josies manchmal unüberlegte Reaktionen oder die schweren Hintergründe von Nadimas Fluchtgeschichte sprechen zu können.

Mein Fazit

Ein absolut lesenswertes, wichtiges Jugendbuch, das schwere Themen wie Flucht und Integration federleicht, aber mit dem nötigen Respekt in eine typische Schulgeschichte einbettet. Die Botschaft, dass Empathie und Schokolade Mauern einreißen können, ist einfach wunderschön.

Meine Bewertung: Ein feinfühliges Buch über Verständigung, das im Gedächtnis bleibt. 

4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

Hier kannst du „Sprichst du Schokolade?“ kaufen:

Möchtest du Josie und Nadima auf ihrem Weg begleiten? Über diese Links kannst du das Buch direkt bestellen und meinen Blog unterstützen (Affiliate-Links):

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Transperenzhinweis: Bei dem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar von NetGallery.

Quellennachweis: Zum Quellenblog

Mittwoch, 1. Juli 2026

Rezension: Ich will die Heldin meines Lebens sein – Ein kreativer Anker im Alltag

Mehr Selbstvertrauen, kleine Challenges und Raum für die eigene Geschichte: Ein Eintragbuch, das dazu einlädt, sich selbst zur Priorität zu machen.

Im Trubel des Alltags vergessen wir viel zu oft das Wichtigste: uns selbst. Mit „Ich will die Heldin meines Lebens sein: Mein kreatives Eintragbuch“ hat der Groh Verlag einen wunderschönen Begleiter geschaffen, der genau hier ansetzt. Es ist kein klassisches Lesebuch, sondern ein interaktives Tool, das das Selbstvertrauen stärken und den Alltag mit kleinen, kreativen Impulsen verschönern soll.

Worum geht es?

Dieses Eintragbuch ist eine bunte Mischung aus persönlichem Tagebuch, Ratgeber und Kreativ-Coach. Neben reichlich Platz für eigene Gedanken, Träume und Reflexionen hält das Buch inspirierende kleine Beiträge sowie abwechslungsreiche Challenges bereit. Es fordert einen sanft dazu auf, die Komfortzone zu verlassen, achtsamer mit sich umzugehen und die eigene innere Stärke (wieder) zu entdecken.

Mein Eindruck: Ein liebevoller Schubs zu mehr Selbstfürsorge

Ich habe mich sehr gefreut, dieses Buch als E-Book-Rezensionsexemplar via NetGalley entdecken zu dürfen. Bei solchen Mitmachbüchern gilt natürlich immer: Klar trifft nicht jede Challenge oder jede Aufgabe den Geschmack von jedem. Manche Impulse sprechen einen sofort an, andere wiederum passen vielleicht nicht zur aktuellen Lebenssituation oder dem eigenen Charakter.

Aber genau das ist das Schöne an einem kreativen Eintragbuch: Man nimmt sich einfach das heraus, was sich gut anfühlt! Insgesamt ist das Buch eine wunderbare, liebevolle Erinnerung daran, im stressigen Alltag mal innezuhalten, an sich selbst zu denken und aktiv an seinem Selbstvertrauen zu arbeiten. Die Gestaltung ist motivierend, ohne aufdringlich oder belehrend zu wirken.

Mein Geschenktipp: Durch die hochwertige und bestärkende Aufmachung ist dieses Buch ein richtig schönes Geschenk – sei es für die beste Freundin, einen lieben Menschen, dem man eine kleine Auszeit wünscht, oder schlichtweg als Geschenk an sich selbst!

Mein Fazit

Ein rundum gelungenes Mitmachbuch, das Farbe und positive Energie in den Alltag bringt. Perfekt für alle, die sich spielerisch mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen möchten.

Meine Bewertung: Ein inspirierender Alltagsbegleiter mit Herz. 4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

Hier kannst du das Eintragbuch kaufen:

Du möchtest selbst zur Heldin deines Lebens werden oder das Buch verschenken? Über diese Links kannst du es direkt bestellen und meinen Blog unterstützen (Affiliate-Links):

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Quellennachweis: Zum Quellenblog

Dienstag, 16. Juni 2026

🏛️ Archivgeflüster: Das Kunden-Buch – Wenn der Blues nach Thüringen kommt

 Herzlich willkommen zur zweiten Ausgabe von Archivgeflüster! Nachdem wir uns beim letzten Mal mit dem Weg der Band Silly durch die DDR-Zensur beschäftigt haben, tauchen wir heute noch tiefer in die ostdeutsche Subkultur ab. Wir werfen einen Blick auf eine Jugendbewegung, die barfuß im Schlamm tanzte, trampte und dem System die Stirn bot: Die „Kunden“.

📝 Der Quick-Check vorab

  • Titel: Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen

  • Autor: Michael Rauhut (Professor & renommierter Musikwissenschaftler)

  • Anspruch: Absolut einsteigerfreundlich, aber spürbar wissenschaftlicher! 🧠🍿

  • Fachbereich: Zeitgeschichte, Regionalgeschichte (Thüringen) & Subkulturforschung


👤 Ein distanzierter Blick vom Experten

Es wird euch nicht überraschen: Auch für dieses Werk zeichnet Michael Rauhut verantwortlich. Wer meine Rezension zum Silly-Buch oder meinen Bericht zu seiner Lesung gelesen hat, weiß, dass ich seine Arbeit sehr schätze.

Im Gegensatz zu seinem Werk über Silly wählt Rauhut in „Das Kunden-Buch“ einen etwas distanzierteren, analytischeren Ansatz. Man merkt sofort, dass hier ein echter Experte am Werk ist – das wird spätestens beim Blick auf das extrem umfangreiche Fußnotenverzeichnis am Ende des Buches klar. Doch keine Sorge: Trotz des wissenschaftlichen Fundaments bleibt die Sprache für alle lesbar. Es ist ein Fachbuch, das den Spagat zwischen Elfenbeinturm und Couchtisch meisterhaft schafft.


⛺ Trampen, Freiheit und die Überwachung der Stasi

Worum geht es genau? Das Buch nimmt uns mit in die thüringische Provinz, die sich in den 1970er- und 80er-Jahren zur Hochburg der DDR-Blues-Szene entwickelte. Die Anhänger nannten sich selbst „Kunden“ oder „Blueser“. Rauhut beleuchtet faszinierende Facetten dieser Bewegung:

  • Die Reisetätigkeiten: Tausende Jugendliche trampten jedes Wochenende quer durch die Republik zu den Konzerten ihrer Bands.

  • Die Kultstätten: Kleine Dorfsäle in Thüringen wurden zu Zentren der Freiheit und des Protests.

  • Die Schalldämpfung der Stasi: Akribisch dokumentiert das Buch die Versuche des Ministeriums für Staatssicherheit, diese unorganisierte, unangepasste Jugend unter Kontrolle zu halten, zu bespitzeln und zu zersetzen.


⛪ Ein sicherer Hafen: Die Rolle der Kirche

Ein besonders starkes und ausführliches Kapitel widmet Rauhut der Rolle der Kirche. In einem Staat, der alles kontrollieren wollte, boten die Kirchenräume oft den einzigen Schutzraum für die subkulturelle Szene. Hier konnten die Kunden zusammenkommen, Musik hören und sich austauschen – eine historische Symbiose zwischen Religion und Rebellion, die Rauhut brillant aufarbeitet.


🖋️ Mein Lese-Gefühl: Mittendrin statt nur dabei

Das Buch ist reich an Bildern, die die staubige, ehrliche Atmosphäre dieser Zeit perfekt einfangen. Ein kleiner Hinweis für euch: Man sollte sich beim Lesen gewahr sein, dass man vielleicht nicht mit jedem einzelnen erwähnten Namen sofort etwas anfangen kann. Die Szene war riesig und Rauhut arbeitet sehr detailverliebt. Das schmälert den Lesefluss aber keineswegs – das große Ganze bleibt immer packend und absolut verständlich.


🏁 Mein Fazit: Ein Muss für Geschichts-Interessierte

„Das Kunden-Buch“ ist das perfekte Beispiel dafür, dass Geschichte in der Provinz oft am spannendsten war. Es ist eine unbedingte Empfehlung für alle, die den Alltag und den Eigensinn der Jugend in der DDR abseits der offiziellen Propaganda verstehen wollen. Ein tiefgründiges, ehrliches Stück Zeitgeschichte!


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🛒 Die Bücher direkt für euer Regal:

  1. Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen: nur gebraucht erhältlich: Rebuy* / Medimops* – Das heutige Werk.

  2. Rock in der DDR: nur gebraucht erhältlich: Rebuy* / Medimops*

  3. Ein Klang - zwei Welten: Blues im geteilten Deutschland, 1945 bis 1990 (Studien zur Popularmusik): Amazon* / Thalia*


Quellennachweis: Hier geht es zum Quellenarchiv

Montag, 15. Juni 2026

Von Payback-Coupons, einer Radio-Legende und der perfekten Wühltisch-Eskalation! 📚🎟️

 Hallo ihr Lieben,

heute muss ich euch eine Geschichte erzählen, wie aus einer ganz gezielten Mission eine absolute (aber verdammt clevere!) Buch-Eskalation wurde.

(Das Buch ist schon eingepackt, daher das Bild aus dem Thalia.) 

Eigentlich hatte ich für diese Woche einen festen Termin im Kalender rot angestrichen: Diesen Donnerstag geht es für mich live nach Berlin zur Lesung von Radio- und ESC-Legende Peter Urban! 🎤📻 Stattfinden wird das Ganze im traditionsreichen Kabarett-Theater DISTEL – die perfekte Kulisse für die Lebensgeschichte dieser absoluten Stimme des deutschen Radios. Da war es für mich als Musik-Enthusiastin natürlich Ehrensache, mir seine Biografie vorzubestellen.

Beim Abholen kam dann der erste Geniestreich: Ich hatte noch so einige Payback-Punkte auf dem Konto. Ergebnis? Das Buch von Peter Urban UND der neue historische Roman von Tracy Chevalier („Das Geheimnis der Glasmacherin“ – Venedig im 15. Jahrhundert, mein Historikerinnen-Herz hüpft! 🎭🌊) haben mich quasi keinen einzigen Cent gekostet. Danke, treue Punkte!

Aber ihr kennt mich: Wenn man schon mal im Laden steht... und der Weg rein zufällig an der Mängelexemplar-Kiste vorbeiführt... tja. Da war kein Halten mehr. Drei weitere Schätze mit winzigen Schönheitsfehlern haben förmlich meinen Namen gerufen.

Falls ihr jetzt auch akuten Lesehunger bekommen habt, aber euren Geldbeutel schonen wollt: Stöbert unbedingt mal durch die riesige Thalia Sale- & Schnäppchen-Ecke* – da findet man online rund um die Uhr absolute Goldstücke zum kleinen Preis! 💸

Diese drei Schätze durften bei mir noch mit ins Körbchen wandern:

  • „Das Haus der Bücher und Schatten“ von Kai Meyer: Ein geheimnisvolles Antiquariat und die düstere Magie der Literatur. Ein echter Kai Meyer ist für mich sowieso ein absoluter Pflichtkauf! (Direkt bei Thalia entdecken*) 🏛️📖

  • „Die Schneekönigin – Kristalle aus Eis und Blut“ von C. E. Bernard: Düstere, märchenhafte Fantasy fürs Herz. Das Cover sieht im Regal jetzt schon wie ein absolutes Kunstwerk aus. (Direkt bei Thalia entdecken*) ❄️🩸

  • „Everything We Never Said – Liebe lässt uns böse Dinge tun“ von Sloan Harlow: Ein emotionaler Thriller-Stoff für die Extraportion Nervenkitzel an lauen Sommerabenden. (Direkt bei Thalia entdecken*) 🤫💔

Vom Ticket für die DISTEL-Lesung über historischen Venedig-Vibe bis hin zu Fantasy und Thriller – mein Lesesommer ist offiziell eskaliert, aber dank Payback mit absolut reinem Gewissen! 😉

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Jetzt seid ihr dran: Wer von euch nutzt seine Punkte auch so schamlos für Lesestoff aus? Und auf welches Buch seid ihr am meisten gespannt? (Der ausführliche Bericht von der Peter Urban-Lesung aus Berlin folgt hier natürlich auch ganz bald!) 👇💬

Hinweis: Das Header-Bild dieses Beitrags wurde mit Unterstützung von Ideogram erstellt.

Mittwoch, 10. Juni 2026

[Rezension] Laura Peters - Die Axt im Haus….: Rätselhafte und bizarre historische Axtmorde (Wahre Fälle 1)

Ein detailreicher und historisch fundierter Blick auf sieben vergessene True-Crime-Fälle von Laura Peters.

Wenn wir an Kriminalfälle des viktorianischen Zeitalters oder des frühen 20. Jahrhunderts denken, haben wir oft das Bild von subtilen Giftmorden im Salon oder den nebligen Gassen von Jack the Ripper vor Augen. Doch Laura Peters widmet sich in „Die Axt im Haus…“ (Wahre Fälle 1) einer weitaus brutaleren, aber eben auch alltäglicheren Realität: Morden, bei denen ein Werkzeug zur Waffe wurde, das damals buchstäblich in jedem Haushalt zu finden war.

⚠️ Triggerwarnung

Obwohl der Klappentext betont, dass es nicht um bloße Sensation geht, ist dieses Buch nichts für schwache Nerven. Die historischen Fälle sind naturgemäß von einer enormen Brutalität geprägt, und die Schilderungen gehen sehr ins Detail. Wer sensibel auf physische Gewalt reagiert, sollte hier bitte Vorsicht walten lassen. Wir bewegen uns hier im tiefsten True Crime.

Worum geht es?

Das Buch beleuchtet sieben historische, teilweise in Vergessenheit geratene Mordfälle aus England und den USA (darunter Schauplätze wie New Orleans und Austin, Texas). Sie alle verbindet die titelgebende Tatwaffe. Neben bekannteren Kriminalfällen, die bis heute Hobbydetektive und die Popkultur beschäftigen, holt die Autorin auch vergessene Tragödien zurück ans Licht und versucht dabei, den Fokus auf die historischen Umstände zu legen.

Mein Eindruck: Anschaulich, brutal und historisch packend

Man merkt dem Buch von der ersten Seite an, dass wir uns im True-Crime-Genre befinden – es ist roh, es ist packend und es ist verdammt nah an den historischen Akten.

Der Klappentext verspricht zwar, dass das Buch die Würde der Opfer achtet (was es durch den Verzicht auf reißerische Effekthascherei auch tut), aber man darf sich nichts vormachen: Die Beschreibungen der Taten sind recht gut, anschaulich und eben sehr detailreich gemacht. Genau das macht das Buch so intensiv. Laura Peters schafft es hervorragend, die paranoide Stimmung der damaligen Bevölkerung greifbar zu machen. Die Vorstellung, dass der Mörder ein Werkzeug nutzt, das jeder im Schuppen stehen hat, verbreitete damals eine ganz eigene, psychologische Lähmung.

Die Mischung aus bekannteren Fällen und völlig neuen Entdeckungen ist gut ausbalanciert. Für Geschichtsinteressierte bietet das Buch zudem einen spannenden Einblick in die damalige, noch in den Kinderschuhen steckende Kriminalistik.

Mein Fazit

Ein handwerklich wirklich gut gemachtes True-Crime-Buch, das durch seine anschauliche Erzählweise besticht. Es ist definitiv keine seichte Urlaubslektüre, sondern eine detailreiche Kriminalchronik für alle, die historische Kriminalfälle abseits der bekannten Mainstream-Pfade suchen.

Meine Bewertung: Anschaulich, ungeschönt und historisch präzise. 

4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

Hier kannst du „Die Axt im Haus…“ kaufen:

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Zum Quellenverzeichnis: Klick

Donnerstag, 28. Mai 2026

[Rezension] In einem Zug – Daniel Glattauers feinsinnige Reise durch das Leben

 Ein witziger, schlagfertiger und tiefgründiger Roman, den man am besten genau dort liest, wo er spielt: Im Zug.

Wer an Daniel Glattauer denkt, hat meist sofort die digitalen Wortgefechte aus „Gut gegen Nordwind“ im Kopf. Doch mit „In einem Zug“ schlägt der Autor leisere, klassischere, aber keineswegs weniger faszinierende Töne an. Ein Buch, das mich auf eine ganz unerwartete Weise berührt hat – und das, wie sich herausstellte, den absolut perfekten Leseort verlangt.

Lese-Tipp: Falls ihr meinen ersten Eindruck und meine Gedanken direkt während der Fahrt verpasst habt, hüpft unbedingt noch rüber zu meinem Zwischenpost: Gedanken beim Lesen – Weil Gefühle keine Noten brauchen ✨!

Worum geht es?

Wir begleiten den Autor Eduard Brünhofer auf einer vermeintlich ganz normalen Zugfahrt zu einem Verlagstermin nach München. Doch die Routine wird komplett auf den Kopf gestellt, als er auf Catrin Meyr trifft. Sie gestaltet die gemeinsame Reisezeit völlig anders, als Eduard es je hätte ahnen können. Aus einer flüchtigen Begegnung entwickelt sich ein tiefgehendes Gespräch, das weit über Smalltalk hinausreicht.

Mein Eindruck: Schlagfertig, feinsinnig und bittersüß

Ich habe dieses Buch wirklich von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Glattauers Schreibstil besitzt hier eine wunderschöne Leichtigkeit, die einen mühelos durch die Seiten trägt. Das absolute Herzstück des Romans sind die Dialoge zwischen Eduard und Catrin: Sie sind witzig, teilweise herrlich schlagfertig und einfach ein purer Genuss beim Lesen.

Gleichzeitig schafft es der Roman, neben all dem Wortwitz sehr leise und feinsinnig daherzukommen. Zwischen den Zeilen stecken kluge, nachhaltige Gedanken über die Liebe, das Altern, das Scheitern und das Leben an sich, die mir noch lange im Kopf herumgegangen sind. Man bekommt als Leser einen tiefen, ungeschönten Einblick in Eduards Leben, begreift seine Schwächen und versteht plötzlich, woher seine jahrelange, lähmende Schreibpause rührt.

Mein absoluter Pro-Tipp für euch: Schnappt euch dieses Buch für eure nächste längere Bahnfahrt! Ich habe es genau so gemacht und die Atmosphäre im Zug verschmilzt beim Lesen eins zu eins mit der Geschichte. Das macht das Ganze noch intensiver.

Mein Fazit

Ein wunderbares Buch zum Abschalten und gleichzeitig zum Nachdenken. Es kommt nicht laut oder spektakulär daher, sondern überzeugt durch seine psychologische Tiefe und geschliffene Dialogkunst. Ein echter Glattauer eben, nur im Gewand eines klassischen Romans.

Meine Bewertung: 

Feinsinnig, berührend und voller Wortwitz. 4,5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌿 (eine halbe Rose für das ganz besondere Reisegefühl)


Hier kannst du „In einem Zug“ kaufen:

Du möchtest Eduard und Catrin auf ihrer Reise begleiten? Über diese Links kannst du das Buch direkt bestellen und gleichzeitig meine Arbeit am Blog unterstützen, ohne dass es für dich teurer wird (Affiliate-Links):

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Transparenz-Hinweis: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon natürlich komplett unbeeinflusst – ich schreibe für euch immer ehrlich, direkt und aus tiefstem Leserherzen! 🌹

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Den Quellennachweis findest du hier: LINK

Mittwoch, 20. Mai 2026

Mehr als nur Musik: Warum die Geschichte der Band Silly „politische Bildung“ ist

Liebe Bücherwelt-Gemeinde,

wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, weiß, dass mich die Kultur- und Musikgeschichte der DDR nicht loslässt. Erst kürzlich habe ich mich in meinem Format „Archivgeflüster“ intensiv und von der wissenschaftlichen Seite her mit der Rockband Silly auseinandergesetzt (meine ausführliche Blogrezension dazu findet ihr übrigens genau hier verlinkt).

Wie aktuell und gesellschaftlich relevant dieses Thema nach wie vor ist, zeigt ein großartiges Interview von Ralf Krämer mit dem Musikwissenschaftler Professor Michael Rauhut, das am 19. Mai 2026 im Freitag erschienen ist. Der Titel bringt es auf den Punkt: „Dieses Buch über die Rockband Silly gilt ganz offiziell als „politische Bildung““.

Das Interview ist in der Online-Ausgabe erschienen und liegt dort leider hinter einer Paywall. Ein riesiges Dankeschön geht an dieser Stelle an Michael Rauhut selbst: Er war so lieb, mir einen Freilink zur Verfügung zu stellen, sodass ich das Gespräch für meine Recherche ganz exklusiv und in voller Länge lesen konnte. Und diese spannenden Einblicke möchte ich heute unbedingt mit euch teilen!


Die Band als Linse der Gesellschaft

Im Interview schlägt Michael Rauhut selbst die Brücke zu seiner wissenschaftlichen Methodik und erklärt seinen ansatz mit einem wunderbaren Bild:

„Ich habe die Geschichte von Silly als Linse genutzt, um den Blick auf die DDR-Verhältnisse zu schärfen.“

Genau das ist der Kern, den ich auch in meinem Archivgeflüster so spannend fand. Musik in der DDR war nie nur Unterhaltung – sie war Reibungsfläche, Seismograph und oft ein hochpolitisches Ventil. Wenn wir heute über diese Bands sprechen, dürfen wir sie nicht von ihrer Umwelt trennen.


Ein Plädoyer für die Kunst

Gleichzeitig legt Rauhut im Gespräch den Finger in eine Wunde der aktuellen Erinnerungskultur:

„Die Kunst selbst wird ja in den DDR-Reflexionen immer zugunsten der politischen und sozialen Kontexte vernachlässigt.“

Ein harter, aber extrem wahrer Nebeneffekt der heutigen Geschichtsschreibung: Oft wird nur noch analysiert, was die Zensur verboten hat oder wer mit wem aneinandergeraten ist. Dabei wird übersehen, wie handwerklich brillant, lyrisch tiefgründig und künstlerisch eigenständig Bands wie Silly agiert haben. Sie waren nicht nur „DDR-Bürger“, sie waren schlichtweg großartige Künstler.


Die Zeitlosigkeit der Texte: Von der DDR zur Ökologie

Ein Punkt, der mich beim Lesen besonders fasziniert hat, ist die absolute Zeitlosigkeit, die Rauhut den Werken attestiert – völlig egal, ob die Zeilen aus der Feder von Werner Karma oder Gerhard Gundermann stammten:

„Ab Mont Klamott haben Silly und Tamara Danz Alben produziert, die bis heute Maßstäbe setzen. Musikalisch, aber auch textlich.“

Wie recht er damit hat, macht er im Interview an einem genialen Beispiel fest: dem Song S.O.S.. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Sichtweise auf diesen Text komplett gewandelt. Liest und hört man ihn mit dem Blick von damals, spiegelt er den spürbaren Untergang der DDR wider. Hört man ihn heute, funktioniert er ohne Reibungsverlust als flammender Appell gegen die Zerstörung unserer Ökologie.

Diese Vielschichtigkeit lässt sich an so vielen Silly-Texten festmachen. Sie überdauern ihre eigene Entstehungszeit, weil sie universelle menschliche und gesellschaftliche Wahrheiten ansprechen. Sie altern nicht, sie gewinnen neue Ebenen hinzu.


Blick über den Tellerrand: Die englische Ausgabe

Wer sich für die internationale Wahrnehmung dieses Ausnahmealbums interessiert, für den gibt es übrigens noch eine spannende Randnotiz: Die wissenschaftliche Arbeit zu Sillys „Februar“ hat es nämlich sogar auf den internationalen Buchmarkt geschafft! Sie ist in der renommierten Reihe 33 1/3 Europe auf Englisch erschienen. Ich habe euch diesen besonderen Veröffentlichungstag ja bereits hier auf dem Blog vorgestellt [Link zur damaligen Vorstellung] – es zeigt einfach ein weiteres Mal, welchen Stellenwert diese Forschung einnimmt.


Mein Fazit

Ralf Krämers Interview im Freitag ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, Pop- und Rockgeschichte als integralen Bestandteil unserer politischen Bildung zu begreifen. Es ergänzt die Debatte um eine wichtige, wissenschaftliche Facette, die wunderbar zeigt, warum wir diese Bücher lesen und diese Archive öffnen müssen. Falls ihr selbst ein Abo beim Freitag habt, solltet ihr euch dieses Gespräch auf der Website unbedingt genauer ansehen!

Wie seht ihr das: Welcher Silly-Text hat für euch im Laufe der Jahre eine ganz neue Bedeutung bekommen? Und wird die Kunst der DDR-Bands heute zu oft nur durch die rein historische Brille betrachtet? Lasst uns in den Kommentaren darüber diskutieren!

Transparenz- und Bild-Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags: Dieser Artikel basiert auf der intensiven Lektüre des deutschen Buchs, den persönlichen Eindrücken von der Lesung sowie der Auswertung des aktuellen Online-Interviews im „Freitag“. Das Header-Bild dieses Beitrags wurde mithilfe von Google Gemini erstellt.

Weiterführende Links:

Mittwoch, 13. Mai 2026

Ostrock goes International & der Sensenmann im Anflug: Meine zwei Buch-Highlights!

Hallo ihr Lieben! 🌹

Manchmal kommen Momente, in denen man merkt, dass Geschichte keine Grenzen kennt. Heute möchte ich euch zwei „Buchschätze“ vorstellen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, mich aber beide auf ihre Weise völlig fasziniert haben. Einer davon ist eine echte Sensation für alle Silly-Fans!

1. Eine Legende auf Weltreise: Michael Rauhut über „Silly“

Ich freue mich riesig, euch ein ganz besonderes Werk von Michael Rauhut ans Herz zu legen: „Silly's Februar“.

Beschreibung:
"A portrait and analysis of East German band Silly's popular music masterpiece, Februar, that mirrors the collapse of socialism.

In early 1989, nine months before the fall of the Berlin Wall, the band Silly released Februar, one of the most important albums in the history of rock music in the GDR. The record was both-an artistic masterpiece, and an eloquent sign of the times, with lyrics that commented on the political erosion afoot in East Europe and anticipated the collapse of socialism. That the words were able to overcome the hurdles typically set by censorship in the GDR owed in part to the extraordinary origins of the album. Februar was the only large-scale popular music coproduction between East and West Germany, jointly realized by Amiga in socialist East Germany and Ariola in the capitalist West. Ariola assumed the costs for the album, assuring itself the final say. Recorded in West Berlin, the album was released in both Germanies. Yet just as the song sequence and narrative of the record varied considerably from East to West, so too did its presentation and reception. Februar illustrated the divergent meanings rock music held in the rival societies, confirming its special power in the GDR. Differently from what black-white interpretations suggest, rock in East Germany developed along lines marked by unexpected possibilities, productive contradictions, and constant negotiations between artists and the state. This is the subject of this book. It portrays Februar as the culmination of a long-process of self-empowerment, throughout which Silly gained increasing artistic and political leeway."

Das Besondere daran? Dieses Buch ist bei Bloomsbury Academic erschienen und komplett auf Englisch verfasst! Es ist faszinierend zu sehen, wie die Geschichte von Tamara Danz und ihrer Band nun auch international die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Michael analysiert darin nicht nur die Musik, sondern das gesamte kulturelle Gefüge, dass das Album Februar von Silly zu dem gemacht hat, was es bis heute bedeutet.

Gerade für mich als Geschichtsstudentin ist dieser akademische Blickwinkel extrem spannend, weil er zeigt, dass unsere ostdeutsche Musikgeschichte weltweit Relevanz hat.


2. Der Tod meldet sich zurück: „Gevatter“ kommt im September!

Als krasser Kontrast dazu gibt es Neuigkeiten von einer meiner liebsten Bühnenfiguren. Der Tod hat für 14. September 2026 ein neues Buch angekündigt!

Beschreibung:
"Muss das Jenseits modernisiert werden? Wie steht es um die Zukunft des Todes? Hilft ein kleiner Tod, der überraschend als potenzieller Nachfolger auftaucht? Oder übernimmt auch das Sterben bald eine KI? – Eine schwarzhumorige Fantasysatire über den großen Traum der Menschheit: Unsterblichkeit. Der ewige Traum der Menschheit: die Abschaffung des Todes. Die bisherigen Versuche haben dem Sensenmann nur ein müdes Lächeln abgerungen. Doch nun entwickelt ein größenwahnsinniger Tech-Milliardär eine KI, die ewiges Leben verspricht. Was folgt, ist ein irrwitziger Kampf zwischen Sense und Server, zwischen Algorithmus und Apokalypse, zwischen Speicherplatz und Sanduhr. Als die KI beginnt, nicht nur den Tod, sondern die ganze Welt zu optimieren, formiert sich ein skurriles Widerstandsbündnis aus Apokalyptischen Reitern, Friedhofsgärtnern, Gruftis und Aktivisten, die spüren, dass eine Welt ganz ohne Ende auch nicht funktionieren kann. Der Erfinder der Death Comedy schreibt mit viel schwarzem Humor über Unsterblichkeit, künstliche Intelligenz und die beruhigende Tatsache, dass selbst für den Tod irgendwann mal Feierabend ist. »Das Buch ist phänomenal. Und das sage ich nicht, weil grad dieser Typ mit Sense hinter mir steht.« – Olaf Schubert"

Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein Fan der ersten Stunde. Ich habe bereits mehrere seiner Bücher verschlungen und ihn auch schon mehrfach live auf der Bühne erlebt. Wer glaubt, das Thema sei zu düster, der irrt sich gewaltig. Der Tod hat einen ganz eigenen, staubtrockenen Humor, der einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt.

Gerade weil ich mich oft mit ernsten historischen Themen beschäftige, ist dieser humorvolle, fast schon liebevolle Blick auf das Jenseits der perfekte Ausgleich. Ein bisschen Grusel, viel True Crime Spirit und eine ordentliche Portion Ironie – genau mein Ding für die gemütlichen Abende im Herbst. 💀✨


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Fazit: Zwischen Hörsaal und Humor

Es ist genau dieser Kontrast, den ich so liebe. Auf der einen Seite die tiefgründige, englischsprachige Analyse unserer Musikgeschichte und auf der anderen Seite das Augenzwinkern des Sensenmanns. Beides zeigt: Ob Geschichte oder das Ende – es kommt immer auf die Perspektive an.

Welches der beiden Bücher macht euch neugieriger? Die internationale Sicht auf Silly oder die neuesten Pointen vom Tod? Schreibt es mir in die Kommentare! 👇


Bildnachweise:

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  • Buchcover & Produktbeschreibungen: Alle Bild- und Textrechte liegen beim jeweiligen Verlag (Bloomsbury Academic / Satyr Verlag).