Vera ist 27, als man bei ihr Krebs entdeckt. Kurz zuvor hat sie ihr drittes Kind entbunden. Statt unbeschwertem Familiensommer bedeutet das: abstillen, Klinikaufenthalte, OPs, Strahlentherapie. Mehr als um sich selbst sorgt sie sich in dieser Zeit um ihre kleinen Kinder, die ihr gleichzeitig eine wichtige Kraftquelle sind und ihr immer wieder neue Hoffnung geben. Zwei Jahre später ist der Krebs gebannt. Gerade denkt Vera, endlich sei alles wieder gut, da entdeckt sie bei ihrem vierjährigen Sohn eine Beule am Hals. An der gleichen Stelle und erschreckend ähnlich wie bei ihr damals. Der Albtraum scheint von Neuem zu beginnen ...
Details:
Herausgeber: Lübbe; 1. Aufl. 2020 Edition (28. August 2020)
Der Inhalt des Buches kann bei sensibel veranlagten Menschen zu heftig sein.
Es geht sehr emotional zu und das sollte man vorher wissen.
Eigene Meinung:
Vera steht vollkommen im Leben, ihr drittes Kind ist gerade da, aber dann schlägt das Schicksal zu und sie bekommt die Diagnose Krebs und nun stellt sich das ganze Leben auf dem Kopf und statt glücklichen Familienleben heisst es nun Krankenhaus, Therapien und versuchen, das Leben noch weiter aufrecht zu erhalten, auch wenn es schwer fällt. Aber Vera kämpft und schafft es, den Krebs zu besiegen, nichts ahnend, dass das Schicksal schon wieder um die nächste Ecke wartet...
Das Buch schildert sehr gut, wie man mit der Diagnose umgehen kann ohne dabei den Kopf zu verlieren und zu versuchen, alles zu schaffen und vor allem zu kämpfen.
Vera Käflein hat einen sehr flüssigen, aber gleichzeitig fesselnden Schreibstil, man möchte die Geschichte nicht aus der Hand legen, weil man so gut durch die Geschichte kommt, gleichzeitig schafft sie es aber auch, die Emotionen wirklich gut zu transportieren. Trotzdem mangelt es dem Buch nicht an Leichtigkeit, das Buch rührt einen als Leser und das sicher nicht nur, wenn man selber von der Krankheit betroffen ist, sondern einfach, weil man sich durch die Erzählung von Vera Käflein sehr gut in die ganz entscheidenden Momente zu versetzen und dabei trotzdem die Emotionen transportiert.
Fazit:
Vera Käflein schreibt über ihr Leben, ihr Leben mit ihren Kindern, aber auch über ihr Leben mit dem Krebs, eine sehr emotionale Geschichte, die einen als Leser wirklich mitnimmt und mitleiden lässt. Das Buch ist sicher nicht für jeden etwas, aber es erzählt von einer starken Familie, die sich nicht so eben unterbekommen lässt.
Dafür gibt es 5 Rosen:
Danke an Vera Käflein für das Vertrauen und das Rezensionsexemplar.
Aaron ist zehn Jahre alt, als sein geliebter Großvater bei einem Autounfall ums Leben kommt.
Ein Schock, ein Verlust, ein Grund zur Trauer. Doch während alle Menschen um ihn herum
Tränen vergießen, ist der Junge wie versteinert. Er entwickelt eine Faszination fürs Weinen. Weil
er es selber nicht kann. Therapeuten sollen ihn zum Reden und Fühlen bringen, doch die
Auswege der Experten entpuppen sich als Sackgassen. Mit jeder Fehldiagnose verstummt Aaron
mehr, mit jedem neuen Medikament entfernt er sich weiter von den spärlichen Überbleibseln
seiner Gefühlswelt. Doch im Gegensatz zu den Ärzten gibt er sich nicht auf. Als Erwachsener
spürt Aaron noch immer: Irgendwo unter der Taubheit brodelt es in ihm. Er fordert seine Gefühle
bei Online-Rollenspielen, BDSM-Affären und Mutproben heraus. Als er schließlich doch die
richtige Diagnose bekommt (Asperger-Autismus), hat er sein Schicksal bereits selbst in die Hand
genommen. Er ist beim Angstlaufen den eigenen Dämonen davongerannt. Und er hat mithilfe
eines speziellen Emotions-Trainings das geschafft, was er jahrelang nicht konnte: Weinen. Er ist
in seinem zweiten Leben angekommen.
Details:
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. April 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426790327
ISBN-13: 978-3426790328
Größe: 13,4 x 2,5 x 20,8 cm
Eigene Meinung:
Das Cover ist echt sehr schön geworden, die Farben passen gut zusammen und man erkennt auch die verschiedenen Welten, die Aaron Wahl zwischen sich und den Anderen sieht.
Aaron Wahl schreibt über sein Leben und zwar über sein Leben als Asperger-Autist, der lange nicht erkannt wurde, aber seine Erfahrungen und Erlebnisse beeindrucken. Er schreibt mit einem tollen Tiefgang und wenn man auch an einigen Stellen mal schmunzeln muss, regt das Buch einem doch sehr zum Nachdenken an.
Aaron Wahl hat einen langen Weg hinter sich, er wurde gemobbt, gehänselt, ausgeschlossen und als "anders" oder "abnorm" angesehen und nach vielen falschen oder fehlenden Diagnosen wurde bei ihm Asperger-Autismus im leichteren Spektrum diagnostiziert, eine Diagnose, die leider meist falsch gedeutet wird. Aber auch mit der Diagnose zu seiner Erkrankung wurde das Leben für Aaron Wahl nicht unbedingt einfacher, weil er wurde arbeitsunfähig und schwer krank erklärt, aber er gibt nie auf, weil er immer auf ein besseres Leben hofft und das auch geschafft hat, auch wenn es nie einfach war.
Eigene Momente in dem Buch, die wirklich konkrete Situationen beschreiben, kamen einem sehr bekannt vor und das auch, wenn man nicht an Asperger-Autismus leidet, Aaron Wahl ist eben auch ein normaler Mensch, so sollte man ihn auch sehen.
Interessant ist auch, das erfahren wir am Ende des Buches, dass Aaron Wahl in Hamburg PEM Autism - Autisten helfen Autisten gegründet hat, mit dem Verein versucht er, die besonderen Methode, die sich PEM nennt und eigentlich für Schauspieler ausgelegt ist, allen Autisten zugänglich zu machen.
Besonders spannend fand ich das Kapitel, in dem Mitmenschen beschrieben haben, wie sie Aaron wahr nehmen und dann merkt man natürlich, dass sich die Gesellschaft nicht wirklich mit dem Thema auseinander setzen möchte und das ist schade, weil so wird es Menschen mit Krankheiten (egal welcher Art) noch schwerer gemacht.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und das Buch liest sich flüssig runter, man bleibt auch an dem Buch hängen, weil man gerne wissen will, wie sich das Leben von Aaron Wahl entwickelt und was das Leben sonst noch für ihn bereit hält. Die Kapitel sind kurz und lesen sich wirklich gut und man durchlebt mit Aaron Wahl wirklich die ganze Gefühlspalette. Aber man merkt, dass er sich mit dem Leben, wie es ihn geschafft hat, abgefunden hat.
Fazit:
Mit Ein Tor zu eurer Welt hat Aaron Wahl ein Buch geschaffen, dass nicht nur aufklärt über eine Diagnose, die meist verkannt wird, sondern er zeigt auch, dass das Leben mit Asperger-Autismus im leichteren Spektrum teilweise sehr schwer ist, aber wenn man sich mit der Diagnose und auch deren Möglichkeiten auseinander setzt, schafft an es, ein Leben zu führen, dass zwar anders erscheinen mag, aber in vielen Momenten gar nicht so anders ist. Ein sehr wichtiges Buch über eine Krankheit, die auch in der Gesellschaft meist noch falsch verstanden wird.
«Ich habe mir immer gedacht, wenn ich Drogen nehme, dann können sie
ruhig meinen Körper ficken, dann sollen sie mit mir machen, was sie
wollen. Denn ich hasse meinen Körper, der ist so fett und hässlich und
unförmig und sowieso habe ich es nicht besser verdient. Doch in den
Momenten, wenn die Drogen aufhören zu wirken, merke ich, dass die Leute
auch meine Seele ficken. Das tut weh, nein, mehr noch, das zerstört,
ohne zu zerstören, man bleibt übrig und weiß, dass man kaputt ist,
unheilbar, und dass man damit leben muss ...» Gerade volljährig
geworden, erzählt die Autorin von ihrer Kindheit im Heim, von den ersten
Drogen mit zwölf und dem Drogenstrich, dem harten Leben zwischen
Freiern, Zuhältern, Dealern und der Schule. Ungeschönt, unerbittlich
ehrlich zeigt sie uns, wie das Leben in Deutschland auch aussehen kann,
fernab von Behaglichkeit und Familie.
Details:
Broschiert: 128 Seiten Verlag: Ubooks; Auflage: 1., Aufl. (24. September 2007) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3866080689 ISBN-13: 978-3866080683
Größe:
18 x 12 x 1 cm
Eigene Meinung:
Natascha ist eine junge Frau mitten in Deutschland, aber sie nimmt Drogen und besorgt sich ihr Geld für die Drogen auf dem Babystrich. Ihr Tagebuch, das auch ihre seelischen Zustände erkennen lässt, zeigt, dass es eben nicht alles toll ist, wenn man "drauf" ist. Natascha kommt aus einem lieblosen Elternhaus, sie muss sich sexuelle Übergriffe des Stiefvaters erdulden, beginnt sich zu ritzen, damit sie sich spüren kann und erleidet eine Fehlgeburt...
Trotzdem will sie mehr vom Leben als Drogen und den Babystrich...
Das Buch "Seelenficker" geht hart an die Grenze, wenn ich von meinem persönliche Grenzen ausgehe. es schildert schonungslos, wie die Szene auf dem Babystrich mit Drogen und jungen Frauen umgeht. Natascha erzählt sehr direkt, was ihr in ihrem Leben widerfahren ist und zeigt damit auf, dass das Leben eben keinen "normalen" Verlauf nimmt, wenn die Vorzeichen dafür schon schlecht sind.
Man kann durch das Buch in eine Gesellschaft schauen, die sonst dem Normalbürger verschlossen bleibt, aber es dient zu keiner Triebbefriedigung, sondern ist schonungslos und hart, aber es zeigt eben die Realität.
Natascha ist sehr speziell in meinem Augen, weil trotz der Situation, in der sie lebt, hat sie immer noch den Anspruch an sich selber, die Schule zu schaffen, auch wenn das ein Ziel ist, was man in ihrer Lebenssituation nicht vermuten würde, aber gerade das macht sie sehr sympathisch und zeigt, dass sie eben auch an ihre Zukunft denkt.
Die Ich-Erzählerin Natascha erlebt viel in ihrem Leben, aber sie zeigt, dass es auch eine Weg raus geben kann, der Mut macht. Ich würde dieses Buch allerdings niemanden empfehlen, dem Bücher zu nah gehen, weil das Buch ist wirklich sehr real und ich denke mir, das es wirklich nichts für schwache Gemüter ist.
Fazit:
Natascha hat mit "Seelenficker" einen Einblick in die Szene des Babystrichs und auch die Drogenszene geschaffen, der hart, real und schonungslos ist. Das Buch ist wirklich nichts für schwache Gemüter, aber wer wirklich einen Einblick in diesen Szene nehmen möchte, dem kann ich das Buch nur empfehlen.
Dafür gibt es 5 Rosen:
Extra:
Danke an meinem Kumpel Micha, aus dessen Bücherregal ich mir das Buch mal leihen durfte.
Bernd alias Selma Kruppschke ist ein schillernder und gefragter
Travestiekünstler auf Events und VIP-Parties. Doch das war nicht immer
so. In dieser Autobiographie erzählt Selma über ihre Anfänge als
Friseur, ihr Leben zwischen Justiz und Obdachlosigkeit, Courage und den
Glauben an sich selbst. Ohne vorgehaltene Hand, mit Witz und in
erschreckender Ehrlichkeit und Offenheit schreibt Selma auch über ihre
Zeit als Stricher und zeigt dem Leser eine Welt, die er vermutlich so
nie erfahren würde. Die dunklen Seiten in ihrem Leben haben Selma
geprägt und sie hat daraus gelernt. Deshalb glaubt sie heute nicht mehr
alles, was man ihr sagt, auch nicht, dass Bier in der Flasche wächst ...
Selma ist ein Mensch, der eine wundersame Wandlung durchlebt hat und
sie weiß heute, wie wertvoll echte und ehrliche Freunde sind. Ihre
Meinung: Ein Mensch ist deshalb nicht schlecht, nur weil er in der
Vergangenheit von Lehrern und Vorgesetzten subjektiv und ungerecht
bewertet wurde.
Seien Sie mutig und lesen Sie dieses Buch.
Details:
Broschiert: 160 Seiten Verlag: Printsystem Medienverlag; Auflage: 1 (13. September 2012) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3938295678 ISBN-13: 978-3938295670
Größe:
21 x 14,8 x 1,4 cm Teil einer Reihe? - Nein
Eigene Meinung:
Ich kannte Selma durch Facebook und im März 2013 sah ich sie auf der Leipziger Buchmesse. Da las sie aus ihrem Buch vor und es hat mich einfach so gereizt, mal in das Buch reinzulesen, dass ich es einfach mitgenommen habe. Ich fand sie im Übrigen auch wahnsinnig sympathisch und da möchte ich natürlich auch Bernd - den Mann hinter Selma - kennenlernen.
Der Lebensweg von Bernd bzw. Selma ist nicht immer gradlinig und es gab auch wahnsinig harte Zeiten, die aber in dem Buch auch nicht verheimlicht werden. Man versteht dann auch, warum aus Bernd Selma wurden und das das Leben - egal ob als Selma oder als Bernd - nicht nur schöne Seiten hat. Dadurch rückt Selma einfach näher an einen selber heran, weil man selber Höhen und Tiefen durchlebt und erkennt, dass es jedem so geht. Trotzdem wird in dem Buch nicht gejammert, sondern es wird nur beschrieben, was passiert ist und wie man es schaffen kann, sich selber wieder aufzurichten. Es bedient eben nicht das typische Klischee "vom Tellerwäscher zum Millionär", sondern zeigt den Lebensweg eines "normalen" Menschen, der einen Traum hat und versucht, diesen zu verwirklichen. Trotzdem lädt es nicht zum Träumen ein, weil es die harte Realität beschreibt und nicht geschönt ist.
Das Cover ist jetzt nicht so ganz meins - ich stehe nicht so auf Pink, obwohl es zu Selma wirklich passt. Aber den Blick von ihr finde ich wirklich schick, er ist so leicht verschmitzt - das finde ich passend für sie. :-)
Den Schreibstil von Selma fand ich angenehm zu lesen. Er sticht jetzt
nicht besonders hervor, aber das muss er auch nicht, weil das Buch durch
seinen Inhalt besticht.
Besonders interessant an dem Buch fand ich die Offenheit von Selma bzw. Bernd. Man lernt doch einen Menschen erst richtig kennen, wenn man etwas zu seinem Background weiß. Nach der Lesen von "Bier wächst doch in der Flasche" kennt man Selma bzw. Bernd wirklich wie eine gute Bekannte. Das freut mich sehr, weil ich sie als Persönlichkeit ganz toll finde. Zudem versteht man auch besser, warum sie gewisse Projekte unterstützt und fördert, die Begründung dafür findet man in ihrem Lebensweg, der ungewöhnlich und gleichzeitig gewöhnlich ist.
Fazit:
Ein tolles Buch über eine besondere Persönlichkeit, die offen und ehrlich dazu steht, dass das Leben eben nicht nur als eitel Sonnenschein besteht, sondern auch hart und unfair sein kann.
Wer Selma kennen lernen will, der sollte dieses Buch lesen, es zeigt viel mehr als man sich vielleicht bei dem Cover denkt.
Dafür gibt es 5 Rosen:
Extra:
Ich habe eine wirklich tolle Ausgabe des Buches - nämlich eine, wie es keine zweite gibt mit Kussmund. :-)
Warum entscheidet sich eine junge Frau im Alter von 14 Jahren
freiwillig und ohne jeden Zwang dazu, Sex für Geld anzubieten und
sich zahlende Freier zu suchen?
Sie tut es nie unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen, und auch
nicht, um Geld für Drogen zu verdienen. Sie verdient viel Geld, und
sie tut es selbstbestimmt und ohne einen Zuhälter. Doch was
geschieht mit ihr und ihrer Psyche in den kommenden Jahren, und wie
schafft sie es, mit 18 Jahren auszusteigen - gerade noch
rechtzeitig, wie sie später sagt?
Lisa Müller, eine ganz normale junge Frau aus Deutschland, hat
dieses Leben gelebt. Sie sagt, dass ihr Werdegang gar nicht so
unnormal ist, auch wenn nicht viele schon mit 14 beginnen:
"Sie können mir glauben, dass es mehr von meiner Sorte gibt,
als Sie sich denken wollen. Sex für Geld ist normal geworden, aber
ich bin froh, dass ich den Ausstieg geschafft habe."
Buchtrailer vom Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag:
Pressestimmen zu dem Buch:
Mit 14 ging Lisa das erste Mal auf den Strich freiwillig, weil das
schnelle Geld lockte. Beim ersten Kunden war Lisa noch nervös, stumpfte
aber ab. Ihre Erlebnisse als junge Prostituierte hat Lisa in dem gerade
erschienenen Buch Nimm mich, bezahl mich, zerstör mich!
niedergeschrieben. Als eindringliche Warnung versteht Lisa ihr Buch. Die
mittlerweile 20-Jährige hofft, so vielen jungen Mädchen helfen zu
können, nicht den gleichen Fehler zu machen wie sie. (RTL Explosiv)
Lisa
Müller arbeitete freiwillig als minderjährige Hure und zerbrach fast.
Lisa hat ein Buch geschrieben: Nimm mich, bezahl mich, zerstör mich. Es
ist die autobiografische Geschichte eines Teenagers aus dem
7200-Seelen-Ort Illingen im Schwäbischen, die Geschichte eines Mädchens,
das sich mit 14 Jahren freiwillig für die Prostitution entscheidet und
mit 18 beschließt, wieder auszusteigen. Hilfe für ihren Aussteig nimmt
sie nicht in Anspruch: Ihr Buch wird zur Selbsttherapie. Nach Wochen der
Lähmung, nur unterbrochen vom Schreiben einzelner Kapitel, fängt sie
wieder an zu arbeiten in einer Bäckerei. Heute ist sie in einem Büro
angestellt. Im Sommer möchte sie auf der Abendschule ihren
Realschulabschluss und das Abitur nachholen. Ihr Traum: ein
Psychologiestudium. (TZ-München)
Als Schülerin bot sie ihren
Körper an. Sie verdiente ein Vermögen und zerbrach fast. Mit 14 Jahren
bot sie sich als Lolita-Hure Xenia auf Erotik-Portalen im Internet an.
Ehemänner und Familienväter überhäuften die Schülerin aus der
schwäbischen Provinz mit Anfragen. Mit 18 Jahren stieg Lisa Müller (20)
aus und schrieb ein Buch über ihre Zeit als Teenager-Prostituierte.
(Berliner Kurier)
Details:
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf (12. März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3862652386
ISBN-13: 978-3862652389
Größe:
18,8 x 12,4 x 2,6 cm
Eigene Meinung:
Zuerst stach mir das Cover des Buches ins Auge. Lisa Müller, eine hübsche junge Frau, die modeln könnte und gleichzeitig die Autorin des Buches, blickt einem entgegen und man wird neugierig, was einem ihr Blick sagen will. Mich hat das Cover irgendwie angesprochen, weswegen ich auch das Buch gekauft habe.
Der Titel fasst das Buch eigentlich sehr gut zusammen, genau das verwirrt mich etwas. Irgendwie konnte ich dem Buch die gesamte Story nicht so richtig abnehmen, aber ich kann nicht genau sagen, warum nicht. Auf mich wirkt die Geschichte irgendwie zu emotionslos, was aber auch daran liegen kann, dass Lisa Müller für sich selber immer noch nicht ganz mit ihrer Jugend abgeschlossen hat und es deswegen so emtionallos auf den Leser wirkt.
Die Geschichte von Lisa ist schon sehr tragisch und auch - sofern alles wahr ist - eine große seelische Last, aber es gibt an vielen Punkten Momente, in denen ich mir dachte, das kann jetzt nicht wahr sein. Ich möchte jetzt nicht zu viel aus dem Buch vorwegnehmen, aber ich möchte es an einem Beispiel veranschaulichen:
Lisa spielt den Lockvogel bei einem schweren Raubüberfall. Doch es taucht danach nicht etwa ein Jugendamt auf - immerhin hatte sie deswegen eine Anzeige am Hals, aber irgendwie kommt von behördlicher Seite nie irgendetwas. Auch bleibt diese Anzeige später unerwähnt, man kann also nicht sagen, was daraus geworden ist.
Aber nicht nur in solchen Momenten habe ich gezweifelt, da gab es noch einige andere, die mich ins Grübeln brachten und die dadurch unglaubwürdig auf mich wirkten.
Gleicheitig gibt es aber auch wieder Momente, in dene ich wahnsinnig mit Lisa mitgefühlt habe. So zum Beispiel, als ihr Vater starb und sie sich nicht mehr aussöhnen konnte. Da war ihr Schreiben auch ganz anders - irgendwie sehr nah an einem Selber.
Der Schreibstil von Lisa Müller ist zwar flüssig, aber manchmal springt sie etwas innerhalb der kurzen Teilabschnitte hin und her und das verwirrt manchmal etwas. Stilistisch kann man nicht von der hohen Kunst reden, aber es isthalbwegs lesbar.
Sie schreibt aus der Ich-Perspektive, was für sie vielleicht einfach für die Umsetzung war und dem Leser auch eine besseren Eindruck in das Seelenleben von ihr verschafft. Dadurch kann man auch ihre Brüche und Gedanken viel besser verfolgen.
Mich spricht auch die Gestaltung des Buches nicht besonders an, weil der Lesefluss immer wieder durch einseitige oder doppelseitige Bilder von Lisa Müller mit Zitaten von der vorhergehenden Seiten, unterbrochen wird. Leider sind die Brüche auch teilweise so unglücklich gelegt, dass Sätze, die auf die nächste Seite übergehen, unterbrochen werden.
Diese Fotos wirken auch sehr professionell, dass ich den Eindruck bekam, dass sich Lisa Müller dadurch etwas mehr in Szene setzen will. Mich sprach diese Art der Gestaltung leider überhaupt nicht an, auch wenn es teilweise wirklich sehr schöne Fotos waren.
Fazit:
Das Buch lässt mich ziemlich zerrissen zurück. Ich kann nicht sagen, ob es Wahrheit oder Fiktion ist oder ob es einfach dazwischen irgendwo liegt. Nur hätte ich etwas anderes erwartet und die Momente, in denen es unglaubwürdig wird, verstärken meine Zweifel nur noch mehr.
Sehr schade, weil die Thematik in Deutschland mehr aufgegriffen werden müsste, nur ich glaube, da gibt es bessere Wege als dieses Buch.