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Mittwoch, 18. März 2026

[Kolumne] Nachdenken über Christa W. – Das Gedächtnis der ungesagten Worte

Es gibt Momente, in denen sich die Zeit nicht linear anfühlt, sondern wie eine Spirale. Heute, an ihrem 97. Geburtstag, stehe ich wieder an einem dieser Punkte. Für viele ist Christa Wolf ein Name in Literaturlexika, eine Ikone der DDR-Literatur, oft umstritten, immer gewichtig. Für mich begann die Begegnung viel persönlicher: in einem Hörsaal meines ersten Studienversuchs. Pflichtlektüre: „Der geteilte Himmel“.

Damals war Rita Seidel für mich nur eine Figur. Heute verstehe ich, dass Rita – und mit ihr Christa Wolf – eine Frage stellte, die mich bis heute begleitet: „Wie haben wir uns eigentlich gefühlt, damals?“

Christa Wolf, 1929 in Landsberg an der Warthe geboren, verbrachte ihr Leben damit, die „Auskunft“ zu verweigern, die der Staat verlangte, und stattdessen eine viel schwierigere zu geben: die über sich selbst. Sie war die Stimme einer Generation, die aus den Trümmern von 1945 kam und an die Utopie eines besseren Staates glauben wollte – nur um schmerzhaft zu erfahren, wie eng die Grenzen des Sagbaren waren.

Ein Wendepunkt, der ihre Biografie für immer prägte, war das Jahr 1976. Als Wolf Biermann ausgebürgert wurde, gehörte sie zu den Ersten, die den mutigen Protestbrief unterzeichneten. Es war ein Bruch mit der Macht, der sie fortan zur Zielscheibe der Beobachtung machte, sie aber gleichzeitig als moralische Instanz festigte. 13 Jahre später, im geschichtsträchtigen Herbst 1989, stand sie auf dem Alexanderplatz. Ihre Rede am 4. November vor Hunderttausenden – die Forderung nach einer „Sprache, die nicht mehr vorgestanzt ist“ – hallt bis heute nach. Sie wollte die Erneuerung, nicht den bloßen Anschluss, und musste miterleben, wie ihre Visionen in den Wirren der Wendezeit zerrieben wurden.

Ich bin ihr nie persönlich begegnet. Dennoch gibt es in meinem Bücherregal diesen einen Moment der physischen Verbindung: Ein signiertes Exemplar, das ich durch einen dieser unwahrscheinlichen Zufälle online gebraucht entdeckte. Wenn ich über den Schwung ihres Namens auf dem vergilbten Vorsatzblatt fahre, ist das kein bloßer Besitz. Es ist die Rettung eines Stücks Zeitgeschichte. Es ist, als hätte das Buch mich gesucht, um in meinem Regal – zwischen all den anderen Stimmen – einen Platz zu finden.

Besonders in ihrem Spätwerk „Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud“ zeigt sich für mich ihre wahre Meisterschaft. Weit weg von der Berliner Luft, während eines Stipendiums in Los Angeles, setzt sie sich mit den Geistern ihrer Vergangenheit auseinander. Es geht um die Beobachtung durch den Staat, ja, aber viel schmerzhafter noch um das eigene Vergessen und Verdrängen. Es ist ein Buch über die nackte Verletzlichkeit des Menschen, wenn die schützende Hülle der Ideologie wegbricht.

In einer Welt, die heute oft nur noch in 280 Zeichen schreit, lehrt uns Christa W. das Innehalten. Ihr Werk ist eine Einladung zum „subjektiven Authentizismus“. Es geht darum, die eigene Wahrheit zu finden, auch wenn sie unbequem ist.

Morgen fahre ich zur Leipziger Buchmesse. Ich nehme ihre Fragen mit im Gepäck. In meinen Gedanken wird sie heute gefeiert – nicht als Denkmal, sondern als lebendiges Gespräch.

Wann, wenn nicht jetzt?


Quellenverzeichnis:

  • Bildnachweis: Foto von Christa Wolf via Kino im Osten (Facebook).

  • Biografische Referenzen: Landsberg an der Warthe (Geburtsort), Biermann-Protest (1976), Rede auf dem Alexanderplatz (1989), Getty-Stipendium (Los Angeles).

  • Literatur: Der geteilte Himmel (1963), Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud (2010).

  • Zitate: „Wann, wenn nicht jetzt?“ (Christa Wolf).


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Donnerstag, 28. Februar 2019

[Kurzrezension] Hape Kerkeling - Frisch hapeziert: Die Kolumnen

Beschreibung: 
Ob Prinz Philip, Lady Gaga, die Kanzlerin oder Til Schweiger – in Hape Kerkelings wöchentlicher Gala-Kolumne »Frisch hapeziert« ist jeder Promi mal Thema. Er schildert Backstage-Erlebnisse beim Comedy-Preis, macht sich seine Gedanken über VIPs im Weltraum, Royals in Trekking-Boots und den »Twittler« Donald Trump. Auch sich selbst nimmt der beliebte Entertainer nicht aus und plaudert aus dem Nähkästchen. Ganz privat geht es zu, wenn Hape die Wahlen beim Gläschen Weißweinschorle mit seiner zweitbesten Freundin Gudrun bespricht, über die »Ehe für alle« räsoniert, wir ihn in den Supermarkt begleiten oder er überlegt, ob er sich nicht zum Undercover-Butler im Buckingham-Palast umschulen lassen soll. Herrlich ehrlich und komisch zugleich – die Kolumnen von Hape Kerkeling, ein Muss für alle Fans!

Details:
Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (3. Juli 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492314341
ISBN-13: 978-3492314343
Größe: 11,8 x 2 x 18,5 cm

Fazit:
Hape Kerkeling ist nicht nur einer der bekanntesten Gesichter Deutschlands und natürlich kennt man ihn nicht nur als TV-Gesicht, auch in Filmen machte er in den letzten Jahren immer wieder eine gute Figur. 
Man darf dieses Buch auf keinen Fall in gleichen Licht sehen wie "Ich bin dann mal weg" oder "Der Junge muss an die frische Luft", weil der Ansatz ist hier ein komplett anderer. 
Das Buch ist nur eine Zusammenstellung der Kolumnen, nicht mehr und nicht weniger und wer sonst Kolumnen liest, ist sich bewusst, dass sich Kolumnen eben nicht wirklich tief mit dem Thema beschäftigen, mal bleibt an der Oberfläche und eine tiefere Auseinandersetzungen mit dem Thema geschied nur ein einem beschiedenen Maße. 
Natürlich hat jede der Kolumnen den Stil von Hape Kerkeling und der kann nicht für jeden etwas sein, gehört aber zu Hape Kerkeling dazu. 
Hape Kerkeling führt uns zu Beginn des Buches in seinen kleinen Kosmos ein und beginnt dann sich mit dem ESC, Kochsendungen, Royals und VIPs auseinander zu setzen, das immer mit diesen bestimmen Blick auf das grosse Ganze, aber auch immer mit seinem speziellen Humor und das sollte man vor dem Lesen schon wissen. 
Das Buch ist gut gegliedert, die Kolumnen sind kurz und lesen sich schnell, aber es ist kein echtes Highlight, man liest es so nebenbei, aber es nett für zwischendurch, aber mehr auch nicht. 

Dafür gibt es 3 Rosen: