Dienstag, 2. April 2019

[Onlineparty und Buchpremiere] Aaron Wahl - Ein Tor zu eurer Welt

Hallo ihr Lieben, 

ich bin sehr stolz, euch heute hier auf meinem Blog zur Online-Party und zur Buchpremiere von Aaron Wahls Buch "Das Tor zu eurer Welt" begrüssen zu dürfen. 
Mein Thema für euch ist der Zugang zu Gefühlen und zwar nicht nur im Bezug auf Menschen mit Autismus sondern auch zu den Gefühlen, die wir alle - mehr oder weniger - in uns tragen. 

Ich stelle euch erstmal den Klappentext zum Buch vor: 
Aaron ist zehn Jahre alt, als sein geliebter Großvater bei einem Autounfall ums Leben kommt.
Ein Schock, ein Verlust, ein Grund zur Trauer. Doch während alle Menschen um ihn herum
Tränen vergießen, ist der Junge wie versteinert. Er entwickelt eine Faszination fürs Weinen. Weil
er es selber nicht kann. Therapeuten sollen ihn zum Reden und Fühlen bringen, doch die
Auswege der Experten entpuppen sich als Sackgassen. Mit jeder Fehldiagnose verstummt Aaron
mehr, mit jedem neuen Medikament entfernt er sich weiter von den spärlichen Überbleibseln
seiner Gefühlswelt. Doch im Gegensatz zu den Ärzten gibt er sich nicht auf. Als Erwachsener
spürt Aaron noch immer: Irgendwo unter der Taubheit brodelt es in ihm. Er fordert seine Gefühle
bei Online-Rollenspielen, BDSM-Affären und Mutproben heraus. Als er schließlich doch die
richtige Diagnose bekommt (Asperger-Autismus), hat er sein Schicksal bereits selbst in die Hand
genommen. Er ist beim Angstlaufen den eigenen Dämonen davongerannt. Und er hat mithilfe
eines speziellen Emotions-Trainings das geschafft, was er jahrelang nicht konnte: Weinen. Er ist
in seinem zweiten Leben angekommen. 


Ich habe lange überlegt, wie ich das Thema für die Menschen, die das hier lesen, greifbar mache und gleichzeitig aber zeige, dass die Gesellschaft, in der wir 2019 leben, bei weiten nicht so kalt ist, wie wir sie manchmal empfinden. Gefühle zeigen scheint immer mehr verpöhnt zu sein, dabei ist es normal und menschlich, dass jeder Mensch in seinem Leben Glück, Wut, Trauer, Neid, Hass, Liebe, Verlangen, Lust, Freundschaft, Zuneigung,... empfindet. 

Besonders berührend fand ich eine Stelle in dem Buch von Aaron Wahl und das war diese: 
„Nach dem Tod meiner Großeltern kam ich in Therapie. Von da an sollte ich ständig über meine
Gefühle reden. Ging aber nicht. Wenn etwas da gewesen wäre, worüber ich hätte reden können,
hätte ich es getan, aber da war einfach nichts außer einem riesigen inneren Druck. Ich hab dann
lange gedacht, dass meine Reizschwelle höher liegt als bei anderen. In der sechsten Klasse hab
ich mir deshalb die Arme und Beine aufgeritzt. War nicht toll und hat nicht geholfen." 


Das Gefühl der emotionale Taubheit, die Aaron hier sehr eindrucksvoll beschreibt und die sein ganzes Leben bestimmt, kenne ich auch und sogar noch aus einer ähnlichen Situation. Daher gehe ich mal von mir ganz persönlich aus, um einen Beginn zu finden. 
2012 starb zu Beginn des Jahres mein geliebter Opa, zwar nicht ganz überraschend, weil er lang schon länger im Krankenhaus, aber der Schock in den Moment sass tief, ich stand gerade mitten im Studium, kurz vor den Semesterprüfungen und ich kapselte mich ab, ich ließ das Gefühl der Trauer einfach nicht an mich ran, wollte es auch nicht an mich ranlassen, einfach aus Angst davor, dass die Aufgaben, die das Leben an mich stellt, nicht erfüllen zu können. Ich habe lange gebraucht, bis ich das Weinen, die Wut und auch die Trauer zulassen konnte, ehe ich wieder soweit war, dass ich mir selber emotional trauen konnte und eben nichts ausgesperrt habe und wenn ich mir nun vorstelle, dass ich das ein Leben lang in mir tragen würde, wäre das für mich ein Wahnsinn. 

Aber die Methode, die Aaron hier versucht hat, einen Zugang zu seinen Gefühlen zu bekommen, war der Zugang über die körperliche Ebene, er hat sich mit dem Ritzen Schmerzen zugefügt, um sich selber zu spüren. Das Ritzen als befreiend zu empfinden, hat man sicher schon mal vor Menschen gehört, die das über viele Jahre machen, es entlastet den Druck hinter dem eigentlich Gefühle stecken. 


Aber halten wir uns mal einen Spiegel vor, wann haben wir das letzte Mal herzhaft gelacht oder aus tiefen Gefühlen heraus geweint oder getrauert? 
Gefühle unterdrücken wir oft im Alltag, weil sie da nicht hinpassen und sonst erlauben wir uns auch selten, mal den Moment zu haben, um uns vor einem Gefühl durchströmen zu lassen, weil es einfach immer zu hektisch ist. Wahre Gefühle, die uns im Leben vielleicht einfach ein bisschen emotionalen Druck nehmen, bleiben einfach in uns, wir wollen sie auch nicht nach außen kommen lassen. 

Zu dem Unterdrücken kommt meist noch, dass wir Masken tragen, wir wollen nicht, dass andere Menschen, seien es Kollegen, Nachbarn oder fremde Menschen auf der Strasse, sehen, dass es uns nicht gut geht. Vor einiger Zeit habe ich mal einen Satz gelesen, der mir in dem Zusammenhang sehr passend erscheint: 
"Die häufigste Lüge ist, zu sagen, es geht mir gut, obwohl es nicht so ist."
Genau das beschreibt eigentlich das, was in unsere Leben oder in unsere Gesellschaft passiert, wir wollen nicht, dass Andere merken, mir geht es schlecht, sie könnte das ausnutzen und gegen mich verwenden und deswegen setze ich meine Maske auf und sage, es geht mir gut. 

Man sieht also, Gefühle zu zeigen ist gar nicht so einfach, wir tragen sie alle in uns, aber wollen oder können sie nicht zeigen und das zeigt, wie schwer der Umgang mit unseren eigenen Gefühlen war, ist und wahrscheinlich auch immer sein wird. 

Danke an Aaron Wahl, Mainwunder und Droemer Knaur, dass ich Teil dieses wunderbaren Tages sein durfte. 

Kommentare:

  1. Wahre Worte. Herzhaft laut gelacht habe ich früher in den unpassendsten Momenten. Und wurde dafür auch gerne mal gerügt. Eine Weile habe ich versucht mich der Gesellschaftlichen Norm unter zu ordnen und habe versucht, meine Freude (ja teilweise auch Schadenfreude) nur noch leise von mir zu geben.
    In zwischen kann man meine Gefühle mir wieder ansehen und sie hören. Dafür habe ich lange gebraucht. Aber es war sehr befreiend. Auch wenn mein Mann dann gerne im Restaurant mal sagt: Ich solle bitte leise lachen. Tue ich es nicht. Sollen die anderen doch denken was sie wollen, ich habe Spaß.
    Ich finde dein Beitrag regt, ähnlich wie das Buch zum Nachdenken an. Wir sollten alle unsere Gefühle bewusster wahrnehmen und äußern. Ich denken es würde die zwischenmenschliche Kommunikation um einiges erleichtern.
    LG Kerstin

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  2. Hallo und guten Tag,

    ich kenne auch eine Familie mit einem Autisten. Schwierig für die Eltern/Geschwisterkinder/Umwelt zumal es ja da verschiedene Formen gibt.

    War ein schwieriger Prozess für alle... denn der Junge mag ungerne berührt werden.

    LG..Karin...

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Schön, das Du hier bist!
Über Deine Kommis freue ich mich natürlich sehr. Schreib doch einfach was Dir auf der Seele brennt.
Alles Liebe,
Katja
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