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Montag, 21. September 2026

Wenn eine Lücke bleibt, die niemand füllen kann: Zum Abschied von Torsten Low

Bildquelle: Instagram

Es gibt Nachrichten, bei denen für einen Moment die Zeit stillsteht. Bei denen man Worte liest und sie doch nicht begreifen kann, weil der Kopf sich weigert, die Realität anzunehmen. Gestern Abend erreichte mich über eine Freundin eine solche Nachricht: Torsten Low, der „bissige Verleger“ und Herz des Verlags Torsten Low, ist am 13. September 2026 von uns gegangen. Dass die Buchwelt erst jetzt davon erfährt, ist nur allzu verständlich – und macht den Schock nicht kleiner.

Es fühlt sich surreal an, das überhaupt aufzuschreiben.

Auf der Leipziger Buchmesse in diesem Frühjahr standen wir noch beieinander. Torsten war genau so, wie man ihn kannte und schätzte: herzlich, warm, immer eine Anekdote auf den Lippen und diesen unnachahmlichen Schalk im Nacken. Er war ein Mensch, der für gute Geschichten brannte – und der selbst mir, für die Fantasy beileibe kein Heimatgenre ist, immer wieder mit treffsicheren Buchtipps und echter Begeisterung die Augen für neue literarische Welten öffnete.

Wir haben damals in Leipzig auch über die Gesundheit gesprochen. Er wollte kürzertreten, mehr auf sich achten, und ich hatte das feste Gefühl: Er hat das im Blick, er meint es ernst. Umso grausamer, unfassbarer und ungerechter ist diese Endgültigkeit. Man steht davor und denkt nur: Das Leben ist manchmal verdammt unfair.

Wenn ich heute durch die Buchbubble scrolle, durch die Stimmen von Kolleginnen, Lesenden und Autoren, dann sieht man überall dasselbe Bild: Fassungslosigkeit. Aber da sind auch hunderte kleiner, warmherziger Erinnerungen an einen Menschen, der mit seinem Engagement, seiner Beharrlichkeit und seiner Liebe zur Phantastik so viele geprägt hat.

Ich kann mir eine Buchmesse ohne Torsten noch gar nicht vorstellen. Vor allem nicht mit den Worten im Hinterkopf, mit denen wir damals auseinandergegangen sind: „Wir sehen uns.“

Lieber Torsten, du wirst fehlen. Deiner Familie, deinen Freunden, deinen Autorinnen und Autoren und der gesamten Buchwelt. Danke für all die Leidenschaft, die kleinen Gespräche am Stand und das Herzblut, das du dieser Branche geschenkt hast. Wo auch immer du jetzt bist: Mach’s gut.

In stiller Anteilnahme und Gedanken bei seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihn schmerzlich vermissen.

Dienstag, 18. August 2026

Zwischen den Zeilen: Wenn Worte fehlen und Tränen übernehmen 🖤📖

 

Warum manche Bücher keine klassische Rezension bekommen können – Ein ungeschönter Blick auf „Legenden: Tamara Danz“ von Alexander Osang.

Eigentlich sitze ich regelmäßig an meinem Schreibtisch, strukturiere Gedanken, wäge Kritikpunkte ab und vergebe Rosen. Doch manchmal gerät dieses feste System komplett ins Wanken. Es gibt diese seltenen Bücher, die man nicht einfach mit einer rationalen Analyse greifen kann, weil sie einen auf einer Ebene treffen, die jede sachliche Distanz zerstört.

Der gescheiterte Versuch einer Rezension

Aktuell lese ich „Legenden: Tamara Danz“ von Alexander Osang ein weiteres Mal – ursprünglich als Quelle und Recherche im Rahmen meiner aktuellen Seminararbeit. Doch schon nach wenigen Seiten passierte genau das, was mir schon beim ersten Lesen widerfahren ist: Die wissenschaftliche Distanz löste sich vollständig auf. Genau deswegen gehe ich auch emotionalgeschichtlich an dieses Thema ran - weil ich so meine eigenen Emotionen für meine Arbeit nutzen kann. 

Ich habe dieses Buch auf meinem Blog bisher nie besprochen, und der Grund ist simpel wie schmerzhaft: Ich finde schlichtweg keine passenden Sätze für eine klassische Rezension.

Ein Buch, das man nicht in der Öffentlichkeit lesen kann

Dieses Buch ist für mich ein absoluter Ausnahmezustand. Ich kann es unmöglich in der Bahn, im Café oder in der Unibibliothek aufschlagen. Wer Alexander Osangs Biografie über Tamara Danz kennt, weiß, mit welcher Schonungslosigkeit und Nähe er ihr Leben und ihr Sterben nachzeichnet.

Gerade die Kapitel über ihre letzten Lebenswochen und die finalen Interviews ziehen bei mir emotional dermaßen den Boden unter den Füßen weg, dass ich beim Lesen durchgehend den Tränen nah bin – und oft genug fließen sie auch. Es nimmt mich jedes Mal aufs Neue unfassbar mit. Tamara Danz war eine Naturgewalt, eine Ikone mit unbändiger Energie, und ihren Verfall sowie ihren viel zu frühen Abschied schwarz auf weiß zu begleiten, tut weh. Richtig weh.

Wenn Emotionen den Rahmen sprengen

Wie packt man ein solches Leseerlebnis in ein starres Bewertungsschema? Wie beurteilt man Dramaturgie, Sprache oder Spannungsbogen, wenn man selbst so tief berührt und aufgewühlt ist, dass man die eigene Befangenheit kaum in Worte fassen kann?

Ich habe gemerkt: Ich kann und will dieses Buch nicht in ein Korsett aus Sternen oder Rosen pressen. Aber ich wollte es euch unbedingt zeigen. Dieser Zwischenpost ist mein ehrliches Geständnis, dass auch eine Bloggerin manchmal vor einem Buch kapituliert – nicht aus Mangel an Qualität, sondern aus Respekt vor einer Wucht, die einen sprachlos zurücklässt.

Kennt ihr das? Gibt es dieses eine Buch, das euch emotional so fertiggemacht hat, dass ihr niemandem sachlich davon erzählen konntet? 🌹

Hier kannst du das Buch finden:

Falls ihr euch selbst auf diese intensive Biografie einlassen möchtet:

Ein kleines Dankeschön? Solche offenen und ungeschönten Einblicke abseits des normalen Rezensionsalltags bedeuten mir viel. Wenn du meine persönliche Arbeit und die Unabhängigkeit meines Blogs unterstützen möchtest, freue ich mich riesig über eine virtuelle Rose oder einen Kaffee auf Ko-fi! 🌹 Hier geht’s zu meinem Ko-fi Profil

Hinweis: Das Header-Bild dieses Beitrags wurde mit Unterstützung von Ideogram erstellt.

Donnerstag, 28. Juli 2016

[Rezension] Sebastian Haberland - Solange wir uns erinnern

Beschreibung: 
Sarah ist seit einem Jahr tot. Noch immer hat Gregor den Verlust seiner Frau nicht überwunden, und obwohl seine Therapeutin ihm davon abrät, geht er an Sarahs erstem Todestag in den Park, in dem sie sich einst kennenlernten. 
Johanna ist seit fünfundzwanzig Jahren alleine. Ihr Mann wurde als politischer Gefangener in der DDR hingerichtet, und seit ihrer eigenen Inhaftierung hat sie auch die gemeinsame Tochter nie wieder gesehen. Um die Erinnerung an die Familie am Leben zu erhalten, besucht sie den Park, in dem sie früher mit ihrem Mann und ihrer Tochter spielte. 
Als Gregor und Johanna auf einer Bank ins Gespräch kommen, ahnt keiner von beiden, dass sie viel mehr verbindet als der Verlust eines geliebten Menschen.

Details:
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1380 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 50 Seiten
Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B00W5TY6YK

Eigene Meinung:
Das Cover ist an sich etwas schlicht gehalten, aber das ist an sich nicht schlimm, aber es ist eben kein Cover, dass gleich zum näher ansehen einlädt, aber es passt absolut zur Geschichte. 
Die Farbkombination im Cover ist aber sehr gelungen, die Liebe verbindet beide Charaktere und daher ist das Cover in dieser Hinsicht wirklich gut gewählt.
Johanna und Gregor sind zwei Mensschen, die einfach mitten in ihrer Trauer sind, auch wenn ihre Verluste in verschiedenen Zeiten spielen, aber beide haben eine bewegtes Leben hinter sich und sie trauern, sie trauen um die Menschen, die sie verloren haben.
Johanna ist in ihrem Leben immer wieder mit dem Schicksal konfrontiert wurden, dabei spielt auch der Hintergrund der DDR und der Willkür des Behörden der DDR eine Rolle. Sebastian Haberland streift diese Themen aber nur in dem Umfang, wie er ihn für die Geschichte braucht, also bleibt man an Johannas Lebensgeschichte. 
Gregor ist in tiefer Trauer und man hat an sich das Gefühl, dass er auch durch den Tod von Sarah gebrochen ist, gebrochen durch das Leben und den Verlust und an sich will er ihr nur nah sein.
Beide Charaktere begegnen sich im Park und beginnen einfach zu reden, was für beide vielleicht zu Beginn gar nicht so angedachte war, aber es treffen sich zwei Menschen, die das Schicksal zusammenführt, nachdem es beide immer wieder übel mitgespielt hat...
Der Schreibstil von Sebastian Haberland fesselt, auch wenn er den Spannungsbogen an sich nicht gross verändert. Man bekommt im Laufe des Buches eine Idee, auf was es hinauslaufen könnte, aber das ist nicht wirklich schlimm, weil die Geschichte so schön verpackt ist, dass es nicht schlimm ist, dass man den Ausgang in etwa erahnen kann. 
Etwas schade ist, dass das Buch so kurz ist, die Idee der Geschichte hätte durchaus mehr Seiten füllen können, weil der Schreibstil zum durch die Seiten fliegen anregt und man nach der Geschichte das Gefühl hat, dass nicht alles beantwortet werden konnte, aber das regt natürlich auch zum Nachdenken  über das Gelesene an. 

Fazit:
Eine tolle Geschichte mit Tiefgang, die auch sicher noch mehr Seiten hätte füllen können und die einfach einfach nicht mehr los lässt, weil sie einfach schön und gleichzeitig traurig ist. 

Dafür gibt es 5 Rosen:

Danke an Sebastian Haberland für das Rezensionsexemplar.