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Mittwoch, 20. Mai 2026

Mehr als nur Musik: Warum die Geschichte der Band Silly „politische Bildung“ ist

Liebe Bücherwelt-Gemeinde,

wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, weiß, dass mich die Kultur- und Musikgeschichte der DDR nicht loslässt. Erst kürzlich habe ich mich in meinem Format „Archivgeflüster“ intensiv und von der wissenschaftlichen Seite her mit der Rockband Silly auseinandergesetzt (meine ausführliche Blogrezension dazu findet ihr übrigens genau hier verlinkt).

Wie aktuell und gesellschaftlich relevant dieses Thema nach wie vor ist, zeigt ein großartiges Interview von Ralf Krämer mit dem Musikwissenschaftler Professor Michael Rauhut, das am 19. Mai 2026 im Freitag erschienen ist. Der Titel bringt es auf den Punkt: „Dieses Buch über die Rockband Silly gilt ganz offiziell als „politische Bildung““.

Das Interview ist in der Online-Ausgabe erschienen und liegt dort leider hinter einer Paywall. Ein riesiges Dankeschön geht an dieser Stelle an Michael Rauhut selbst: Er war so lieb, mir einen Freilink zur Verfügung zu stellen, sodass ich das Gespräch für meine Recherche ganz exklusiv und in voller Länge lesen konnte. Und diese spannenden Einblicke möchte ich heute unbedingt mit euch teilen!


Die Band als Linse der Gesellschaft

Im Interview schlägt Michael Rauhut selbst die Brücke zu seiner wissenschaftlichen Methodik und erklärt seinen ansatz mit einem wunderbaren Bild:

„Ich habe die Geschichte von Silly als Linse genutzt, um den Blick auf die DDR-Verhältnisse zu schärfen.“

Genau das ist der Kern, den ich auch in meinem Archivgeflüster so spannend fand. Musik in der DDR war nie nur Unterhaltung – sie war Reibungsfläche, Seismograph und oft ein hochpolitisches Ventil. Wenn wir heute über diese Bands sprechen, dürfen wir sie nicht von ihrer Umwelt trennen.


Ein Plädoyer für die Kunst

Gleichzeitig legt Rauhut im Gespräch den Finger in eine Wunde der aktuellen Erinnerungskultur:

„Die Kunst selbst wird ja in den DDR-Reflexionen immer zugunsten der politischen und sozialen Kontexte vernachlässigt.“

Ein harter, aber extrem wahrer Nebeneffekt der heutigen Geschichtsschreibung: Oft wird nur noch analysiert, was die Zensur verboten hat oder wer mit wem aneinandergeraten ist. Dabei wird übersehen, wie handwerklich brillant, lyrisch tiefgründig und künstlerisch eigenständig Bands wie Silly agiert haben. Sie waren nicht nur „DDR-Bürger“, sie waren schlichtweg großartige Künstler.


Die Zeitlosigkeit der Texte: Von der DDR zur Ökologie

Ein Punkt, der mich beim Lesen besonders fasziniert hat, ist die absolute Zeitlosigkeit, die Rauhut den Werken attestiert – völlig egal, ob die Zeilen aus der Feder von Werner Karma oder Gerhard Gundermann stammten:

„Ab Mont Klamott haben Silly und Tamara Danz Alben produziert, die bis heute Maßstäbe setzen. Musikalisch, aber auch textlich.“

Wie recht er damit hat, macht er im Interview an einem genialen Beispiel fest: dem Song S.O.S.. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Sichtweise auf diesen Text komplett gewandelt. Liest und hört man ihn mit dem Blick von damals, spiegelt er den spürbaren Untergang der DDR wider. Hört man ihn heute, funktioniert er ohne Reibungsverlust als flammender Appell gegen die Zerstörung unserer Ökologie.

Diese Vielschichtigkeit lässt sich an so vielen Silly-Texten festmachen. Sie überdauern ihre eigene Entstehungszeit, weil sie universelle menschliche und gesellschaftliche Wahrheiten ansprechen. Sie altern nicht, sie gewinnen neue Ebenen hinzu.


Blick über den Tellerrand: Die englische Ausgabe

Wer sich für die internationale Wahrnehmung dieses Ausnahmealbums interessiert, für den gibt es übrigens noch eine spannende Randnotiz: Die wissenschaftliche Arbeit zu Sillys „Februar“ hat es nämlich sogar auf den internationalen Buchmarkt geschafft! Sie ist in der renommierten Reihe 33 1/3 Europe auf Englisch erschienen. Ich habe euch diesen besonderen Veröffentlichungstag ja bereits hier auf dem Blog vorgestellt [Link zur damaligen Vorstellung] – es zeigt einfach ein weiteres Mal, welchen Stellenwert diese Forschung einnimmt.


Mein Fazit

Ralf Krämers Interview im Freitag ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, Pop- und Rockgeschichte als integralen Bestandteil unserer politischen Bildung zu begreifen. Es ergänzt die Debatte um eine wichtige, wissenschaftliche Facette, die wunderbar zeigt, warum wir diese Bücher lesen und diese Archive öffnen müssen. Falls ihr selbst ein Abo beim Freitag habt, solltet ihr euch dieses Gespräch auf der Website unbedingt genauer ansehen!

Wie seht ihr das: Welcher Silly-Text hat für euch im Laufe der Jahre eine ganz neue Bedeutung bekommen? Und wird die Kunst der DDR-Bands heute zu oft nur durch die rein historische Brille betrachtet? Lasst uns in den Kommentaren darüber diskutieren!

Transparenz- und Bild-Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags: Dieser Artikel basiert auf der intensiven Lektüre des deutschen Buchs, den persönlichen Eindrücken von der Lesung sowie der Auswertung des aktuellen Online-Interviews im „Freitag“. Das Header-Bild dieses Beitrags wurde mithilfe von Google Gemini erstellt.

Weiterführende Links:

Mittwoch, 13. Mai 2026

Ostrock goes International & der Sensenmann im Anflug: Meine zwei Buch-Highlights!

Hallo ihr Lieben! 🌹

Manchmal kommen Momente, in denen man merkt, dass Geschichte keine Grenzen kennt. Heute möchte ich euch zwei „Buchschätze“ vorstellen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, mich aber beide auf ihre Weise völlig fasziniert haben. Einer davon ist eine echte Sensation für alle Silly-Fans!

1. Eine Legende auf Weltreise: Michael Rauhut über „Silly“

Ich freue mich riesig, euch ein ganz besonderes Werk von Michael Rauhut ans Herz zu legen: „Silly's Februar“.

Beschreibung:
"A portrait and analysis of East German band Silly's popular music masterpiece, Februar, that mirrors the collapse of socialism.

In early 1989, nine months before the fall of the Berlin Wall, the band Silly released Februar, one of the most important albums in the history of rock music in the GDR. The record was both-an artistic masterpiece, and an eloquent sign of the times, with lyrics that commented on the political erosion afoot in East Europe and anticipated the collapse of socialism. That the words were able to overcome the hurdles typically set by censorship in the GDR owed in part to the extraordinary origins of the album. Februar was the only large-scale popular music coproduction between East and West Germany, jointly realized by Amiga in socialist East Germany and Ariola in the capitalist West. Ariola assumed the costs for the album, assuring itself the final say. Recorded in West Berlin, the album was released in both Germanies. Yet just as the song sequence and narrative of the record varied considerably from East to West, so too did its presentation and reception. Februar illustrated the divergent meanings rock music held in the rival societies, confirming its special power in the GDR. Differently from what black-white interpretations suggest, rock in East Germany developed along lines marked by unexpected possibilities, productive contradictions, and constant negotiations between artists and the state. This is the subject of this book. It portrays Februar as the culmination of a long-process of self-empowerment, throughout which Silly gained increasing artistic and political leeway."

Das Besondere daran? Dieses Buch ist bei Bloomsbury Academic erschienen und komplett auf Englisch verfasst! Es ist faszinierend zu sehen, wie die Geschichte von Tamara Danz und ihrer Band nun auch international die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Michael analysiert darin nicht nur die Musik, sondern das gesamte kulturelle Gefüge, dass das Album Februar von Silly zu dem gemacht hat, was es bis heute bedeutet.

Gerade für mich als Geschichtsstudentin ist dieser akademische Blickwinkel extrem spannend, weil er zeigt, dass unsere ostdeutsche Musikgeschichte weltweit Relevanz hat.


2. Der Tod meldet sich zurück: „Gevatter“ kommt im September!

Als krasser Kontrast dazu gibt es Neuigkeiten von einer meiner liebsten Bühnenfiguren. Der Tod hat für 14. September 2026 ein neues Buch angekündigt!

Beschreibung:
"Muss das Jenseits modernisiert werden? Wie steht es um die Zukunft des Todes? Hilft ein kleiner Tod, der überraschend als potenzieller Nachfolger auftaucht? Oder übernimmt auch das Sterben bald eine KI? – Eine schwarzhumorige Fantasysatire über den großen Traum der Menschheit: Unsterblichkeit. Der ewige Traum der Menschheit: die Abschaffung des Todes. Die bisherigen Versuche haben dem Sensenmann nur ein müdes Lächeln abgerungen. Doch nun entwickelt ein größenwahnsinniger Tech-Milliardär eine KI, die ewiges Leben verspricht. Was folgt, ist ein irrwitziger Kampf zwischen Sense und Server, zwischen Algorithmus und Apokalypse, zwischen Speicherplatz und Sanduhr. Als die KI beginnt, nicht nur den Tod, sondern die ganze Welt zu optimieren, formiert sich ein skurriles Widerstandsbündnis aus Apokalyptischen Reitern, Friedhofsgärtnern, Gruftis und Aktivisten, die spüren, dass eine Welt ganz ohne Ende auch nicht funktionieren kann. Der Erfinder der Death Comedy schreibt mit viel schwarzem Humor über Unsterblichkeit, künstliche Intelligenz und die beruhigende Tatsache, dass selbst für den Tod irgendwann mal Feierabend ist. »Das Buch ist phänomenal. Und das sage ich nicht, weil grad dieser Typ mit Sense hinter mir steht.« – Olaf Schubert"

Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein Fan der ersten Stunde. Ich habe bereits mehrere seiner Bücher verschlungen und ihn auch schon mehrfach live auf der Bühne erlebt. Wer glaubt, das Thema sei zu düster, der irrt sich gewaltig. Der Tod hat einen ganz eigenen, staubtrockenen Humor, der einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt.

Gerade weil ich mich oft mit ernsten historischen Themen beschäftige, ist dieser humorvolle, fast schon liebevolle Blick auf das Jenseits der perfekte Ausgleich. Ein bisschen Grusel, viel True Crime Spirit und eine ordentliche Portion Ironie – genau mein Ding für die gemütlichen Abende im Herbst. 💀✨


Unterstütze meine Arbeit ☕ Wenn dir meine Rezensionen und die Arbeit an diesen historischen Themen gefallen, freue ich mich riesig über einen virtuellen Kaffee! Das hilft mir, weiterhin Zeit in die Recherche und solche Blog-Beiträge zu stecken: 👉 Hier geht es zu meinem Ko-fi-Profil


Fazit: Zwischen Hörsaal und Humor

Es ist genau dieser Kontrast, den ich so liebe. Auf der einen Seite die tiefgründige, englischsprachige Analyse unserer Musikgeschichte und auf der anderen Seite das Augenzwinkern des Sensenmanns. Beides zeigt: Ob Geschichte oder das Ende – es kommt immer auf die Perspektive an.

Welches der beiden Bücher macht euch neugieriger? Die internationale Sicht auf Silly oder die neuesten Pointen vom Tod? Schreibt es mir in die Kommentare! 👇


Bildnachweise:

  • Header-Bild: Erstellt von mir via Ideogram.

  • Buchcover & Produktbeschreibungen: Alle Bild- und Textrechte liegen beim jeweiligen Verlag (Bloomsbury Academic / Satyr Verlag).

Samstag, 9. Mai 2026

🏛️ Archivgeflüster: Raus aus der Spur – Wie Silly die DDR rockte

 Herzlich willkommen zur ersten Ausgabe von Archivgeflüster! In dieser Rubrik schauen wir hinter die Kulissen der Geschichte. Heute mit einem Buch, das beweist, dass Historie nicht nur in Akten stattfindet, sondern auch auf staubigen Konzertbühnen und in verrauchten Proberäumen.

📝 Der Quick-Check vorab

  • Titel: Raus aus der Spur. Silly und die DDR

  • Autor: Michael Rauhut (Professor & Zeitzeuge)

  • Anspruch: Absolut einsteigerfreundlich! 🍿

  • Fachbereich: Zeitgeschichte & Medienforschung


👤 Über den Autor: Wer flüstert hier im Archiv?

Bevor wir in die Musik eintauchen, ein Blick auf den Mann hinter den Zeilen. Michael Rauhut ist nicht einfach nur ein Wissenschaftler; er ist Professor für Populäre Musik an der Universität Agder (Norwegen) und gilt als der Experte für die Musikgeschichte der DDR.

Seine Bibliografie umfasst Standardwerke wie „Beat in der Grauzone“, „Rock in der DDR“ oder „Ein Klang - Zwei Welten“. Was dieses Buch jedoch so besonders macht, ist seine persönliche Note: Er kennt die Band bereits seit 1979. Diese jahrzehntelange Begleitung spürt man auf jeder Seite – er schreibt über eine Welt, deren Rhythmus er selbst miterlebt hat.


🎨 Ein genialer Einstieg: Das Gesicht von Tamara Danz

Schon der Beginn des Buches ist meisterhaft gewählt. Rauhut stellt ein ganz besonderes Porträt von Tamara Danz in den Fokus, das von keinem Geringeren als Armin Mueller-Stahl gezeichnet wurde. Es fängt die Intensität und die Unbeugsamkeit von Tamara perfekt ein, bevor man überhaupt das erste Wort gelesen hat.

Das Buch ist voller solcher visueller Schätze. Zahlreiche Bilder unterstreichen die Worte, und Rauhut lässt immer wieder Songtexte sowie Zitate von Wegbereitern wie dem legendären Fotografen Jim Rakete oder dem späteren Musikmanager Thomas Stein einfließen. Das zeigt eindrucksvoll: Silly war weit mehr als nur eine „Ost-Band“.


🎸 Inhalt & Analyse: Zwischen Kunst und Kontrolle

Das Buch ist streng chronologisch aufgebaut, was den Einstieg extrem erleichtert. Wir begleiten die Band von den ersten Schritten bis hin zu den turbulenten Wendejahren. Dabei bringt Rauhut die schwierigen Themen auf einen sehr validen Punkt:

  • Die Gratwanderung zwischen Systemkritik und notwendiger Staatsnähe.

  • Die Problematik und Privilegien von Auslandsreisen.

  • Die ständige Verhandlung von Freiheit innerhalb eines kontrollierten Kulturbetriebs.

🎧 Mein Lese-Tipp: Legt euch beim Lesen die Alben von Silly (z. B. „Mont Klamott“ oder „Bataillon d’Amour“) leise in den Hintergrund. Auch wenn man vielleicht nicht mit jedem literarischen Verweis im Text sofort etwas anfangen kann – die Musik im Ohr zu haben, macht das Ganze zu einem 4D-Erlebnis!


🖋️ Die Stilistik: Fachwissen ohne Elfenbeinturm

Was mich besonders begeistert hat: Trotz seiner enormen Expertise schreibt Rauhut nicht hochtrabend. Die Stilistik ist klar, lebendig und für jeden zugänglich. Man fühlt sich nicht wie in einer trockenen Vorlesung, sondern wie in einem spannenden Gespräch. Er beweist, dass wahre Meisterschaft darin liegt, komplexe Geschichte so zu erzählen, dass sie jeden mitnimmt.


🏁 Mein Fazit: Mehr als nur eine Bandbiografie

Dieses Buch ist ein Goldstück – und zwar nicht nur für Kenner des Ostrocks oder Silly-Fans. Es ist eine packende Analyse des gesamten DDR-Kulturbetriebs. Wer verstehen will, wie Kunst in einer Diktatur funktioniert und wie viel Mut in Texten stecken kann, muss dieses Buch lesen. Ein absolutes Must-Read für Geschichts-Interessierte und Musik-Liebhaber gleichermaßen!


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📚 Mehr von Michael Rauhut & das aktuelle Buch

  1. Raus aus der Spur. Silly und die DDR: Bundesstiftung Aufarbeitung / Amazon* / gebraucht kaufen: Medimops* / Rebuy*

  2. Ein Klang - zwei Welten: Blues im geteilten Deutschland, 1945 bis 1990 (Studien zur Popularmusik): Amazon* / Thalia*
  3. Rock in der DDR: gebraucht kaufen: Medimops* / Rebuy*

Sonntag, 19. April 2026

Ein Nachmittag, der nach Sommer roch: Michael Rauhut im Zeitgeschichtlichen Forum

 Wir schreiben den 15. April in Leipzig. Die Innenstadt unweit des Hauptbahnhofs, ein Nachmittag, der so schön war, dass es schon ein wenig nach Sommer roch. Einlass war 18.30 Uhr, Beginn 19 Uhr – und ich muss mich vorab schon mal für den langen Text entschuldigen, der zu dieser Lesung folgen wird. Aber wer meinen Beitrag zu Silly gelesen hat (Vom Sprung ins Unbekannte zur digitalen Chronistin: Meine Reise mit Silly 🎸✨), der weiß: Diese Band begleitet mich mein halbes Leben.

Durch die Arbeit von Michael Rauhut sehe ich nun die Möglichkeit, die Musik, die ich liebe, auch in einem wissenschaftlichen Kontext zu erforschen. Das ist für mich schon etwas ganz Besonderes.

Was soll man nun zu der Lesung von Michael sagen? (Bitte nicht wundern, ich habe das Du angeboten bekommen, wofür ich sehr dankbar bin.) Er ist eben auch ein echter Fan. In dem Talk vorab erzählte er, wie er Silly 1979 in der Aula der Ingenieurschule in Senftenberg das erste Mal gesehen hat – dazu gibt es sogar ein Foto! Also: Wenn ihr das sehen wollt, ab zu der Lesung mit euch.

Seine Herangehensweise an das Buch "Raus aus der Spur. Silly und die DDR" war geprägt von dem Forscherinteresse, die Grautöne innerhalb des Systems der DDR zu ergründen. Das kann ich extrem gut nachvollziehen, zudem sieht er Silly – genau wie ich – als Teil seiner eigenen Biografie. Es ist für mich als Spätgeborene (Jahrgang 1989) natürlich schwieriger, die komplette Weite dieses Feldes zu erfassen, weil ich die Zeit nicht aktiv miterlebt habe und nur aus Erzähltem oder Erlesenem kenne. Aber gerade solche Bücher wie die von Michael (ich verlinke euch unten noch ein paar weitere seiner Werke) geben mir einen sehr guten Eindruck, welche „Tonart“ man gegenüber Menschen, die eben außerhalb des Systems stehen wollten oder ausreisen wollten, angeschlagen hat.

Ich möchte gar nicht so viel aus der Lesung selbst erzählen, denn das Buch steht für sich und ist absolut lesenswert. Die passende Rezension lest ihr hier auf dem Blog auch in ein paar Tagen, aber es lohnt sich einfach, diese Lesung zu besuchen. Michael zeigt nicht nur sehr spannende Filmausschnitte, sondern hat auch Musik dabei, die echte „Hidden Gems“ sind. Danach hört ihr diese Songs anders, mir geht es jedenfalls so.

Der internationale Paukenschlag: Silly goes Global!

Und dann habe ich noch einen Leckerbissen für euch, den ich hier einfach mal raushaue (und ich hoffe, Michael freut sich darüber!). Eigentlich ist die Grundintention zu dem Buch nämlich noch ein bisschen größer: Im Mai wird es ein Buch in der Reihe 33 1/3 aus dem Verlagshaus Bloomsbury geben. Der Verlag ist eigentlich ein belletristischer Verlag, hat aber eben auch eine Fachabteilung für wissenschaftliche Arbeiten. Dort erscheint die Reihe 33 1/3 in verschiedenen Ecken der Welt – und für die europäische Reihe wird es ein Buch in Englisch über das Album „Februar“ von Silly geben.

Also eine internationale Veröffentlichung, die einfach nur der Knaller ist! Ich verlinke euch das Buch natürlich direkt, denn es erscheint am 14. Mai 2026 und ist schon vorbestellbar.

👉 *Übersicht beim Bloomsbury*

Mehr von Michael Rauhut & Mitstöbern 🏛️✨

Wie versprochen, findet ihr hier noch weitere Werke von Michael, die mir persönlich sehr geholfen haben, die „Tonart“ und die Grautöne der Zeit besser zu verstehen:

📖 Michael Rauhut - "Ein Klang - zwei Welten: Blues im geteilten Deutschland, 1945 bis 1990 (Studien zur Popularmusik)": Amazon* 

📖 Michael Rauhut - "Rock in der DDR": Medimops*Rebuy*

📖 Michael Rauhut / Thomas Kochan - "Bye bye, Lübben City: Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR": Amazon* / Medimops* / Thalia* 

🌍 Michael Rauhut - Silly's Februar (33 1/3 Europe): Link zur Vorbestellung (Englisch) auf Amazon* / Thalia* / buecher.de* / Osiander*

Unterstütze das Archiv: Die Rettung und Katalogisierung dieser Schätze sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung kosten viel Zeit und Herzblut. Wenn du meine Arbeit unterstützen magst, freue ich mich riesig über eine virtuelle Rose! 🌹

🌹 Rosen bei Ko-fi: Zu meinem Ko-fi Profil

📚 Quellen: Link zum Quellenverzeichnis-Post im Archiv

Montag, 30. März 2026

Wenn die Recherche eskaliert: Mein 33-Euro-Glücksgriff bei Rebuy! 📚✨

Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Ich saß gestern Abend noch hochkonzentriert an meinem neuen Silly-Post, habe Details zu Uwe Hassbecker und der Bandgeschichte recherchiert und dabei – wie das bei uns Archivaren so ist – auf einen Link geklickt, der mich direkt zu Rebuy* führte. Was als kurze Faktenprüfung geplant war, endete in einer nächtlichen Entdeckungsreise durch die virtuellen Bücherregale. Ein Gutschein hier, ein Schnäppchen da... und plötzlich war der Warenkorb voll!

Das Ergebnis? 11 wunderbare Neuzugänge für mein Archiv, die mich zusammen gerade einmal 33 Euro gekostet haben. Das sind im Schnitt 3 Euro pro Buch – ein absoluter Sieg für den Geldbeutel und meine Sammlung, wie ihr auf meinem „Beweis-Screenshot“ sehen könnt.



Von verlorenen Legenden und sächsischen Originalen

Einer meiner größten Glücksmomente war der Fund der Tamara Danz Biografie von Alexander Osang. Ich hatte mein ursprüngliches Exemplar vor Jahren verliehen und, wie das leider oft passiert, nie zurückbekommen. Dass ich diese Lücke im Silly-Archiv nun für schmale 6,09 € schließen konnte, fühlt sich an, als würde ein altes Familienmitglied wieder nach Hause kommen. 🌹

Passend zur regionalen Kulturgeschichte durften auch Uwe Steimle und Peter Ufer nicht fehlen. Ihr Buch „Deutschland, deine Sachsen“ ist für mich weit mehr als nur humorvolle Lektüre; es ist ein Stück Identität und ein wunderbar scharfsinniger Blick auf unsere Heimat, der wunderbar in mein Regal passt.

Literarische Rereads und die Tiefe der Zeitgeschichte

Besonders freue ich mich auf meine „Hausaufgaben“ für das Studium und den Blog. Ich habe mir Christa Wolfs „Stadt der Engel“ für einen Reread gesichert. Ich hatte das Buch vor Jahren gelesen, es aber damals nie rezensiert, bevor es auf mysteriöse Weise aus meinem Bestand verschwand. Jetzt bekommt es eine zweite Chance. Flankiert wird das Ganze von dem berührenden Gesprächsbuch von Jana Simon, die ihre Großeltern Christa und Gerhard Wolf interviewt hat – für mich eine absolut essenzielle Quelle für das Verständnis dieser Literatengeneration.

Doch mein Archiv scheut auch vor den schweren Themen nicht zurück. Mit dem Buch „Kinder der Opfer – Kinder der Täter“ zieht eine psychoanalytische Untersuchung über die Folgen des Holocaust bei mir ein. Ich finde es wichtig, solche Werke in der Sammlung zu haben, auch wenn ich hier eine klare Warnung aussprechen muss: Das ist absolut nichts für schwache Nerven. Es ist schwere Kost, die uns aber hilft, die tiefen Wunden unserer Geschichte besser zu verstehen.

Ein bisschen Spaß muss sein

Abgerundet wird das Paket durch die intensiven Tagebücher von Brigitte Reimann, kluge Texte von Christoph Hein und – für die nötige Prise Punk im Regal – „Fun“ von Bela B. Es ist diese bunte Mischung aus Hochkultur, Zeitgeschichte und purer Lebensfreude, die mein Archiv (und mich) ausmacht.


Mehr erfahren & Mitstöbern 🏛️✨

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Dienstag, 10. Februar 2026

Post aus Norwegen: Exklusive Lesungstermine zur „Raus aus der Spur. Silly und die DDR“

Manchmal zahlt sich Hartnäckigkeit aus – oder in diesem Fall: einfach mal nachzufragen.

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass mich das Thema Ostrock nicht nur privat begleitet, sondern auch immer wieder in mein Geschichtsstudium hineinspielt. Besonders die Band Silly hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Als im letzten Jahr das Buch von Professor Michael Rauhut erschien, war für mich klar: Das muss ich nicht nur lesen, ich möchte den Autor auch live erleben.

Das Problem? Die Termine für seine Lesungen im Frühjahr waren online unauffindbar.

Der direkte Draht nach Norwegen 

Kurzerhand habe ich Michael Rauhut direkt an seiner Universität in Agder (Norwegen) angeschrieben. Umso schöner war die Überraschung: Er hat mir nicht nur geantwortet, sondern mich auch gebeten, seine kommenden Termine für Februar und April hier auf dem Blog zu teilen.

Es ist mir eine große Freude, diesem Wunsch nachzukommen. Für alle Fans von Silly, für Geschichtsinteressierte und Musikliebhaber sind diese Abende ein absolutes Muss. Michael Rauhut ist bekannt für seine fundierte und gleichzeitig packende Aufarbeitung der DDR-Musikgeschichte.

Die Lesungstermine im Überblick:

Februar 2026

  • 19.02. | 19:00 Uhr | Eisenberg, Stadtbibliothek

  • 20.02. | 20:00 Uhr | Altenburg, Paul-Gustavus-Haus

  • 23.02. | 20:00 Uhr | Eisenach, Jazzkeller Alte Mälzerei

  • 24.02. | 18:00 Uhr | Erfurt, Gedenkstätte Andreasstraße

  • 25.02. | 19:00 Uhr | Suhl, Kulturbaustelle

  • 26.02. | 20:00 Uhr | Rudolstadt, Saalgärten

  • 27.02. | 19:30 Uhr | Ilmenau, Kleinod

April 2026

  • 15.04. | 19:00 Uhr | Leipzig, Zeitgeschichtliches Forum

Ich werde versuchen, selbst bei einem der Termine dabei zu sein – vielleicht sieht man sich ja vor Ort? Ich denke, dass es den Termin in Leipzig sehr wahrscheinlich macht.  

Ein großes Dankeschön noch einmal an Michael Rauhut für das Vertrauen und den netten Austausch!

Alles Liebe,

Katja 

Freitag, 23. Juli 2021

[Rezension] Alexander Osang - Legenden. Tamara Danz

Beschreibung: 
Tamara Danz, die früh verstorbene Rock-Sängerin der Gruppe "Silly", ist bis heute eine Legende. Zu ihrem zehnten Todestag 2006 wurde in Berlin eine Straße nach ihr benannt.
Alexander Osang, der das letzte Interview mit ihr führte, ist der Frage nachgegangen, wer Tamara Danz eigentlich war und was sie in den Köpfen ihrer Freunde und Feinde hinterlassen hat. Er sprach mit Liebhabern und Rivalinnen, mit Managern und Politikern, mit Kollegen und Ärzten. Entstanden ist ein facettenreiches Porträt, das zugleich Auskunft gibt über menschliches Verhalten in einer Zeit schwieriger Umbrüche.
Originaltexte von Tamara Danz, ein umfassender Lebenslauf und eine Discografie ihrer Band "Silly" komplettieren den Band.

Details:
Herausgeber: Ch. Links Verlag; 3., Edition (1. Januar 1999)
Sprache: ‎Deutsch
Broschiert: ‎224 Seiten
ISBN-10: ‎3861531240
ISBN-13: ‎978-3861531241
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Eigene Meinung: 
Das Cover zeigt ein sehr eindrucksvolles Bild von Tamara Danz, vor allem der Blick vom Cover auf den Leser ist beeindruckend. 
Tamara Danz, das ist ein Name, bei dem viele Menschen sofort die taffe Sängerin der Band Silly im Kopf habe, die immer eigensinnig war und in ihrem Leben immer wieder gegen die Obrigkeit der DDR rebelliert, Grenzen auslotet und deren klare Kante gegen die DDR nach dem Fall der Mauer 1989 in vielen politischen Aktionen ihren Höhepunkt fand. 
Aber neben dieser starken Frau gab es auch den Menschen Tamara Danz, eine Frau, deren Biografie sicher keine ist, die man so oft in der damaligen DDR findet, weshalb sie schon aus der Masse sticht, aber die auch durch ihre Art für viele ihre Weggefährten eine "Sonne" (Anmerkung, diese Formulieren stammt von Toni Krahl, Sänger der Band City) war. 
Alexander Osang steckt selber tief in der Materie drin, er führte das letzte Interview mit Tamara Danz und das merkt man auch, wenn man in das Buch eintaucht. Er arbeitet sehr nah am Geschehen und schafft es dadurch, ein sehr umfassendes Bild von Tamara Danz zu zeichnen, was eben nicht nur ihr Leben als Sängerin oder Künstlerin umfasst sondern auch als Mensch, der in seinem Leben viele Umbrüche mitmachen musst und sich immer wieder neu auf die aktuellen Lagen einstellen musste. 

 Fazit: 
Mit einer beeindruckenden Tiefe zeichnet Alexander Osang das Bild einer mutigen Sängerin, einer starken Frau und einer Kämpferin, die alle, die sie kannten, in lebendiger Erinnerung geblieben ist und er schafft es, diese Bild von ihr auch für den Leser zu zeichnen, was das Buch nicht nur für Fans der Band Silly oder ihrer charismatischen Frontfrau lesenswert macht sondern für alle Interessierten, die sich mehr mit der Musikszene in der DDR oder der Entwicklung einer grossen Künstlerin näher befassen wollen. 

Dafür gibt es 5 Rosen:

Wichtiger Hinweis: 
Der Beitrag erschien wortgleich auf dem Blog Zwischen Noten und Konzerten
Da es in beide Blogs passt, ist das so gewollt.