Posts mit dem Label Buchempfehlung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Buchempfehlung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 16. Juni 2026

🏛️ Archivgeflüster: Das Kunden-Buch – Wenn der Blues nach Thüringen kommt

 Herzlich willkommen zur zweiten Ausgabe von Archivgeflüster! Nachdem wir uns beim letzten Mal mit dem Weg der Band Silly durch die DDR-Zensur beschäftigt haben, tauchen wir heute noch tiefer in die ostdeutsche Subkultur ab. Wir werfen einen Blick auf eine Jugendbewegung, die barfuß im Schlamm tanzte, trampte und dem System die Stirn bot: Die „Kunden“.

📝 Der Quick-Check vorab

  • Titel: Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen

  • Autor: Michael Rauhut (Professor & renommierter Musikwissenschaftler)

  • Anspruch: Absolut einsteigerfreundlich, aber spürbar wissenschaftlicher! 🧠🍿

  • Fachbereich: Zeitgeschichte, Regionalgeschichte (Thüringen) & Subkulturforschung


👤 Ein distanzierter Blick vom Experten

Es wird euch nicht überraschen: Auch für dieses Werk zeichnet Michael Rauhut verantwortlich. Wer meine Rezension zum Silly-Buch oder meinen Bericht zu seiner Lesung gelesen hat, weiß, dass ich seine Arbeit sehr schätze.

Im Gegensatz zu seinem Werk über Silly wählt Rauhut in „Das Kunden-Buch“ einen etwas distanzierteren, analytischeren Ansatz. Man merkt sofort, dass hier ein echter Experte am Werk ist – das wird spätestens beim Blick auf das extrem umfangreiche Fußnotenverzeichnis am Ende des Buches klar. Doch keine Sorge: Trotz des wissenschaftlichen Fundaments bleibt die Sprache für alle lesbar. Es ist ein Fachbuch, das den Spagat zwischen Elfenbeinturm und Couchtisch meisterhaft schafft.


⛺ Trampen, Freiheit und die Überwachung der Stasi

Worum geht es genau? Das Buch nimmt uns mit in die thüringische Provinz, die sich in den 1970er- und 80er-Jahren zur Hochburg der DDR-Blues-Szene entwickelte. Die Anhänger nannten sich selbst „Kunden“ oder „Blueser“. Rauhut beleuchtet faszinierende Facetten dieser Bewegung:

  • Die Reisetätigkeiten: Tausende Jugendliche trampten jedes Wochenende quer durch die Republik zu den Konzerten ihrer Bands.

  • Die Kultstätten: Kleine Dorfsäle in Thüringen wurden zu Zentren der Freiheit und des Protests.

  • Die Schalldämpfung der Stasi: Akribisch dokumentiert das Buch die Versuche des Ministeriums für Staatssicherheit, diese unorganisierte, unangepasste Jugend unter Kontrolle zu halten, zu bespitzeln und zu zersetzen.


⛪ Ein sicherer Hafen: Die Rolle der Kirche

Ein besonders starkes und ausführliches Kapitel widmet Rauhut der Rolle der Kirche. In einem Staat, der alles kontrollieren wollte, boten die Kirchenräume oft den einzigen Schutzraum für die subkulturelle Szene. Hier konnten die Kunden zusammenkommen, Musik hören und sich austauschen – eine historische Symbiose zwischen Religion und Rebellion, die Rauhut brillant aufarbeitet.


🖋️ Mein Lese-Gefühl: Mittendrin statt nur dabei

Das Buch ist reich an Bildern, die die staubige, ehrliche Atmosphäre dieser Zeit perfekt einfangen. Ein kleiner Hinweis für euch: Man sollte sich beim Lesen gewahr sein, dass man vielleicht nicht mit jedem einzelnen erwähnten Namen sofort etwas anfangen kann. Die Szene war riesig und Rauhut arbeitet sehr detailverliebt. Das schmälert den Lesefluss aber keineswegs – das große Ganze bleibt immer packend und absolut verständlich.


🏁 Mein Fazit: Ein Muss für Geschichts-Interessierte

„Das Kunden-Buch“ ist das perfekte Beispiel dafür, dass Geschichte in der Provinz oft am spannendsten war. Es ist eine unbedingte Empfehlung für alle, die den Alltag und den Eigensinn der Jugend in der DDR abseits der offiziellen Propaganda verstehen wollen. Ein tiefgründiges, ehrliches Stück Zeitgeschichte!


☕ Unterstütze meine Recherche

Das Wälzen von Fußnoten und das Aufbereiten historischer Themen erfordert viel Koffein. Wenn dir diese Ausgabe vom Archivgeflüster gefallen hat, spendier mir doch einen virtuellen Kaffee auf Ko-fi! 👉 Hier geht es zu meinem Ko-fi Profil

📚 Mehr von Michael Rauhut auf meinem Blog:

🛒 Die Bücher direkt für euer Regal:

  1. Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen: nur gebraucht erhältlich: Rebuy* / Medimops* – Das heutige Werk.

  2. Rock in der DDR: nur gebraucht erhältlich: Rebuy* / Medimops*

  3. Ein Klang - zwei Welten: Blues im geteilten Deutschland, 1945 bis 1990 (Studien zur Popularmusik): Amazon* / Thalia*


Quellennachweis: Hier geht es zum Quellenarchiv

Montag, 15. Juni 2026

Von Payback-Coupons, einer Radio-Legende und der perfekten Wühltisch-Eskalation! 📚🎟️

 Hallo ihr Lieben,

heute muss ich euch eine Geschichte erzählen, wie aus einer ganz gezielten Mission eine absolute (aber verdammt clevere!) Buch-Eskalation wurde.

(Das Buch ist schon eingepackt, daher das Bild aus dem Thalia.) 

Eigentlich hatte ich für diese Woche einen festen Termin im Kalender rot angestrichen: Diesen Donnerstag geht es für mich live nach Berlin zur Lesung von Radio- und ESC-Legende Peter Urban! 🎤📻 Stattfinden wird das Ganze im traditionsreichen Kabarett-Theater DISTEL – die perfekte Kulisse für die Lebensgeschichte dieser absoluten Stimme des deutschen Radios. Da war es für mich als Musik-Enthusiastin natürlich Ehrensache, mir seine Biografie vorzubestellen.

Beim Abholen kam dann der erste Geniestreich: Ich hatte noch so einige Payback-Punkte auf dem Konto. Ergebnis? Das Buch von Peter Urban UND der neue historische Roman von Tracy Chevalier („Das Geheimnis der Glasmacherin“ – Venedig im 15. Jahrhundert, mein Historikerinnen-Herz hüpft! 🎭🌊) haben mich quasi keinen einzigen Cent gekostet. Danke, treue Punkte!

Aber ihr kennt mich: Wenn man schon mal im Laden steht... und der Weg rein zufällig an der Mängelexemplar-Kiste vorbeiführt... tja. Da war kein Halten mehr. Drei weitere Schätze mit winzigen Schönheitsfehlern haben förmlich meinen Namen gerufen.

Falls ihr jetzt auch akuten Lesehunger bekommen habt, aber euren Geldbeutel schonen wollt: Stöbert unbedingt mal durch die riesige Thalia Sale- & Schnäppchen-Ecke* – da findet man online rund um die Uhr absolute Goldstücke zum kleinen Preis! 💸

Diese drei Schätze durften bei mir noch mit ins Körbchen wandern:

  • „Das Haus der Bücher und Schatten“ von Kai Meyer: Ein geheimnisvolles Antiquariat und die düstere Magie der Literatur. Ein echter Kai Meyer ist für mich sowieso ein absoluter Pflichtkauf! (Direkt bei Thalia entdecken*) 🏛️📖

  • „Die Schneekönigin – Kristalle aus Eis und Blut“ von C. E. Bernard: Düstere, märchenhafte Fantasy fürs Herz. Das Cover sieht im Regal jetzt schon wie ein absolutes Kunstwerk aus. (Direkt bei Thalia entdecken*) ❄️🩸

  • „Everything We Never Said – Liebe lässt uns böse Dinge tun“ von Sloan Harlow: Ein emotionaler Thriller-Stoff für die Extraportion Nervenkitzel an lauen Sommerabenden. (Direkt bei Thalia entdecken*) 🤫💔

Vom Ticket für die DISTEL-Lesung über historischen Venedig-Vibe bis hin zu Fantasy und Thriller – mein Lesesommer ist offiziell eskaliert, aber dank Payback mit absolut reinem Gewissen! 😉

☕ Dir gefällt meine Arbeit? Das Betreiben des Blogs und die Recherche für die Rezensionen kosten jede Menge Herzblut (und Kaffee!). Wenn du meine Arbeit unterstützen und mir eine kleine Freude machen möchtest, kannst du mir hier ganz einfach einen virtuellen Kaffee bei Ko-fi spendieren. Ich danke dir von Herzen für deinen Support! ❤️

Jetzt seid ihr dran: Wer von euch nutzt seine Punkte auch so schamlos für Lesestoff aus? Und auf welches Buch seid ihr am meisten gespannt? (Der ausführliche Bericht von der Peter Urban-Lesung aus Berlin folgt hier natürlich auch ganz bald!) 👇💬

Hinweis: Das Header-Bild dieses Beitrags wurde mit Unterstützung von Ideogram erstellt.

Samstag, 9. Mai 2026

🏛️ Archivgeflüster: Raus aus der Spur – Wie Silly die DDR rockte

 Herzlich willkommen zur ersten Ausgabe von Archivgeflüster! In dieser Rubrik schauen wir hinter die Kulissen der Geschichte. Heute mit einem Buch, das beweist, dass Historie nicht nur in Akten stattfindet, sondern auch auf staubigen Konzertbühnen und in verrauchten Proberäumen.

📝 Der Quick-Check vorab

  • Titel: Raus aus der Spur. Silly und die DDR

  • Autor: Michael Rauhut (Professor & Zeitzeuge)

  • Anspruch: Absolut einsteigerfreundlich! 🍿

  • Fachbereich: Zeitgeschichte & Medienforschung


👤 Über den Autor: Wer flüstert hier im Archiv?

Bevor wir in die Musik eintauchen, ein Blick auf den Mann hinter den Zeilen. Michael Rauhut ist nicht einfach nur ein Wissenschaftler; er ist Professor für Populäre Musik an der Universität Agder (Norwegen) und gilt als der Experte für die Musikgeschichte der DDR.

Seine Bibliografie umfasst Standardwerke wie „Beat in der Grauzone“, „Rock in der DDR“ oder „Ein Klang - Zwei Welten“. Was dieses Buch jedoch so besonders macht, ist seine persönliche Note: Er kennt die Band bereits seit 1979. Diese jahrzehntelange Begleitung spürt man auf jeder Seite – er schreibt über eine Welt, deren Rhythmus er selbst miterlebt hat.


🎨 Ein genialer Einstieg: Das Gesicht von Tamara Danz

Schon der Beginn des Buches ist meisterhaft gewählt. Rauhut stellt ein ganz besonderes Porträt von Tamara Danz in den Fokus, das von keinem Geringeren als Armin Mueller-Stahl gezeichnet wurde. Es fängt die Intensität und die Unbeugsamkeit von Tamara perfekt ein, bevor man überhaupt das erste Wort gelesen hat.

Das Buch ist voller solcher visueller Schätze. Zahlreiche Bilder unterstreichen die Worte, und Rauhut lässt immer wieder Songtexte sowie Zitate von Wegbereitern wie dem legendären Fotografen Jim Rakete oder dem späteren Musikmanager Thomas Stein einfließen. Das zeigt eindrucksvoll: Silly war weit mehr als nur eine „Ost-Band“.


🎸 Inhalt & Analyse: Zwischen Kunst und Kontrolle

Das Buch ist streng chronologisch aufgebaut, was den Einstieg extrem erleichtert. Wir begleiten die Band von den ersten Schritten bis hin zu den turbulenten Wendejahren. Dabei bringt Rauhut die schwierigen Themen auf einen sehr validen Punkt:

  • Die Gratwanderung zwischen Systemkritik und notwendiger Staatsnähe.

  • Die Problematik und Privilegien von Auslandsreisen.

  • Die ständige Verhandlung von Freiheit innerhalb eines kontrollierten Kulturbetriebs.

🎧 Mein Lese-Tipp: Legt euch beim Lesen die Alben von Silly (z. B. „Mont Klamott“ oder „Bataillon d’Amour“) leise in den Hintergrund. Auch wenn man vielleicht nicht mit jedem literarischen Verweis im Text sofort etwas anfangen kann – die Musik im Ohr zu haben, macht das Ganze zu einem 4D-Erlebnis!


🖋️ Die Stilistik: Fachwissen ohne Elfenbeinturm

Was mich besonders begeistert hat: Trotz seiner enormen Expertise schreibt Rauhut nicht hochtrabend. Die Stilistik ist klar, lebendig und für jeden zugänglich. Man fühlt sich nicht wie in einer trockenen Vorlesung, sondern wie in einem spannenden Gespräch. Er beweist, dass wahre Meisterschaft darin liegt, komplexe Geschichte so zu erzählen, dass sie jeden mitnimmt.


🏁 Mein Fazit: Mehr als nur eine Bandbiografie

Dieses Buch ist ein Goldstück – und zwar nicht nur für Kenner des Ostrocks oder Silly-Fans. Es ist eine packende Analyse des gesamten DDR-Kulturbetriebs. Wer verstehen will, wie Kunst in einer Diktatur funktioniert und wie viel Mut in Texten stecken kann, muss dieses Buch lesen. Ein absolutes Must-Read für Geschichts-Interessierte und Musik-Liebhaber gleichermaßen!


☕ Unterstütze meine Recherche

Solche fundierten Rezensionen kosten viel Zeit und Herzblut. Wenn dir dieser Ausflug ins Archivgeflüster gefallen hat, freue ich mich riesig über einen virtuellen Kaffee auf Ko-fi! 👉 Hier geht es zu meinem Ko-fi Profil

📚 Mehr von Michael Rauhut & das aktuelle Buch

  1. Raus aus der Spur. Silly und die DDR: Bundesstiftung Aufarbeitung / Amazon* / gebraucht kaufen: Medimops* / Rebuy*

  2. Ein Klang - zwei Welten: Blues im geteilten Deutschland, 1945 bis 1990 (Studien zur Popularmusik): Amazon* / Thalia*
  3. Rock in der DDR: gebraucht kaufen: Medimops* / Rebuy*

Montag, 20. April 2026

Gedanken beim Lesen: Ein Fundstück mit Ecken und Kanten

 

Manchmal finden Bücher uns, nicht umgekehrt. Mein aktueller Begleiter für die Mittagspausen an der Uni ist genau so ein Fall: „Lust am Denken“, eine Anthologie aus dem Piper Verlag* (Ausgabe 2011). Gefunden habe ich es ganz unspektakulär auf einem Briefkasten im Nachbarhaus – einer dieser Orte, an denen ausrangierte Schätze auf ein zweites Leben warten.

Was ist eigentlich eine Anthologie?

Für alle, die mit dem Begriff nicht täglich jonglieren: Eine Anthologie ist im Grunde ein literarisches Buffet. Es ist eine Sammlung ausgewählter Texte oder Auszüge verschiedener Autoren zu einem bestimmten Thema oder einer Epoche. Man liest sich nicht chronologisch durch eine Handlung, sondern springt von Gedanke zu Gedanke.

Die Mittagspause als Denk-Raum

Dieses Format passt perfekt zu meinem Uni-Alltag. In der Hektik zwischen Vorlesungen und Mensa gönne ich mir mit diesem Buch kleine Inseln der Reflexion. Doch ich muss gestehen: Der Anfang war holprig. Als ich beim Durchblättern auf einen Beitrag von Friedrich Merz (aus dem Jahr 2008) stieß, war mein erster Impuls, das Buch direkt wieder zurück auf den Briefkasten zu legen. Im Vergleich zu den anderen intellektuellen Schwergewichten im Buch wirkt sein Text für mich fast schon blass und fachlich fragwürdig.

Doch das ist wohl das Wesen einer solchen Sammlung: Man muss sich an manchen Texten reiben, um den Glanz anderer erst richtig schätzen zu können.

Zeitlose Wucht und bittere Realität

Und dieser Glanz kam prompt. Besonders zwei Beiträge haben mich in dieser Woche völlig in ihren Bann gezogen:

  • Rolf Dahrendorf (1965): Sein Text über die Rolle des „Fremden“ in der Gesellschaft ist ein absolutes Glanzstück. Er wirft einen so ungeschönten, ehrlichen Blick auf die Realität, dass es fast wehtut.

  • Historische Tiefe: Die Analyse von Primor und von Korff zur Dekonstruktion des „Rothschild-Mythos“ und der Figur des „geldgierigen Juden“ ist erschreckend aktuell.

Was mich am meisten bewegt hat, ist die thematische Wucht, mit der hier Brücken geschlagen werden – von der Entmenschlichung in Auschwitz bis hin zur sozialen Ausgrenzung in der frühen Bundesrepublik. Es sind Texte, die man nicht einfach „wegliest“. Sie bleiben im Hals stecken, sie fordern heraus.

Der Wegesrand: Vom Briefkasten in den Kopf

Es hat etwas fast schon Rebellisches, in der Mittagspause, während um einen herum über Klausuren oder das Wetter geplaudert wird, über die soziologischen Abgründe unserer Geschichte zu lesen. Dass dieses Buch durch einen puren Zufall auf einem Briefkasten bei mir landete, zeigt mir mal wieder: Wissen und Denkanstöße sind überall – man muss sie nur aufheben.

Auch wenn nicht jeder Beitrag in dieser Anthologie meinen Beifall findet, so hat das Buch doch genau das geschafft, was der Titel verspricht: Die Lust am Denken zu wecken, auch wenn das Denken manchmal wehtut.


Quellen & Support:

  • Herausgeber/Verlag: Piper Verlag* (Ausgabe 2011)

  • Nachhaltig lesen: Solche Anthologien sind Klassiker auf dem Gebrauchtmarkt. Schaut doch mal bei Medimops* oder Rebuy* vorbei – oder haltet die Augen offen, was bei euch in der Nachbarschaft auf den Briefkästen liegt! ♻️

  • Support: Wenn euch dieser Ausflug in meine Uni-Mittagspause gefallen hat, spendiert mir gerne eine virtuelle Rose bei Ko-fi Page 🌹

Fotonachweis:

  • Header-Bild: Erstellt mit Ideogram AI nach meinen Prompts. © Katja Ertelt

  • Foto „Lust am Denken“: Privataufnahme aus meiner Mittagspause. © Katja Ertelt

Donnerstag, 9. April 2026

Gedanken beim Lesen – Weil Gefühle keine Noten brauchen ✨

 

Vielleicht kennt ihr das: Man schlägt ein Buch zu (oder liest gerade mittendrin) und hat dieses eine ganz bestimmte Gefühl im Bauch. Keine Analyse von Plot oder Spannungsbogen, sondern einfach nur ein Gedanke, der hängen bleibt.

Ich habe mich entschlossen, diesen Momenten auf meinem Buchblog ab sofort mehr Raum zu geben. Unter der neuen Rubrik „Gedanken beim Lesen“ teile ich mit euch ganz ungefiltert, was ein Buch mit mir macht, wo es mich hinführt oder welche Entdeckungen ich dabei am Wegesrand mache.

Den Anfang macht heute ein Buch, das mich im Zug nach Berlin begleitet hat... 📖🌹

Es gibt Lese-Momente, die passen so perfekt zusammen, dass man sie kaum planen kann. Auf meiner Fahrt nach Berlin hatte ich Daniel Glattauers „Im Zug“ im Gepäck. Wer Glattauer seit seinem großen Durchbruch mit dem E-Mail-Roman „Gut gegen Nordwind“ verfolgt, kennt sein Gespür für Dialoge und das Zwischenmenschliche. Doch dieses Buch hier ist noch einmal etwas ganz Eigenes.

Ein Blick hinter die Kulissen des Schreibens 

„Im Zug“ kommt locker-leicht daher, aber beim Lesen blitzt immer wieder ein wunderbar authentischer Kern durch. Besonders berührt – und zum Schmunzeln gebracht – hat mich die Art, wie er das Autorendasein spiegelt. Wenn er beschreibt, wie ein Autor immer wieder mit denselben Fragen konfrontiert wird oder sich insgeheim nach etwas weniger Ruhm sehnt, wirkt das unglaublich ehrlich. Es ist, als würde man einem Autor über die Schulter schauen, der sich selbst nicht zu wichtig nimmt, aber seine Beobachtungen dafür umso präziser setzt.

Das Abteil als analoge Insel 

Während ich mich in die Geschichte vertiefte, passierte etwas, das mein Herz als Buchliebhaberin richtig gefreut hat. Normalerweise erwartet man in einem ICE eine Wand aus leuchtenden Smartphone-Displays. Doch als ich den Blick vom Buch hob und mich im Abteil umsah, bot sich mir ein anderes Bild: Ich war nicht allein. Überraschend viele Menschen um mich herum waren in echte, gedruckte Bücher vertieft.

Es war eine dieser seltenen Momentaufnahmen, die zeigen, dass das gedruckte Wort noch lange nicht ausgedient hat. In einer Zeit, in der alles digital und schnelllebig ist, war diese gemeinsame, stille Konzentration im Waggon fast schon ein kleiner Akt der Rebellion. Passend dazu habe ich heute gelesen: Wer mehr liest, lebt länger. Wenn das stimmt, haben wir im Zug nach Berlin alle gemeinsam ein paar Jahre Lebenszeit gewonnen. 😉

Nachhaltig lesen – ein Herzensanliegen 

Da dieses Buch ein Rezensionsexemplar war, geht mein Dank an den Dumont Buchverlag. Aber mir ist noch ein anderer Punkt wichtig: Nachhaltigkeit beim Lesen. Ein Buch muss nicht immer fabrikneu sein, um eine neue Welt zu eröffnen. Gerade solche Schätze wie die von Glattauer lassen sich wunderbar gebraucht finden. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Ressourcen unserer Umwelt. Ein gelesenes Buch trägt die Reise eines anderen bereits in sich – und das passt doch perfekt zu einer Geschichte, die im Zug spielt, oder?


Quellen & Support:

  • Verlag: Dumont Buchverlag (Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!)

  • Nachhaltig kaufen: Daniel Glattauer gebraucht finden bei Medimops* / Rebuy*

  • Support: Wenn euch meine literarischen Ausflüge gefallen, freue ich mich über eine virtuelle Rose bei Ko-fi Page 🌹

Fotonachweis & Urheberrecht:

Bildnachweis:

  • Header-Bild ("Gedanken beim Lesen"): Dieses visuelle Kunstwerk wurde mithilfe von künstlicher Intelligenz (Ideogram AI) nach meinen persönlichen Vorgaben und Prompts erstellt. © Katja Ertelt / Privatarchiv

  • Foto "Im Zug": Die Aufnahme des Buches im Waggon entstand privat während der Reise. © Katja Ertelt / Privatarchiv

Jegliche Nutzung, Vervielfältigung oder Verbreitung der Bilder bedarf der ausdrücklichen Zustimmung.

Donnerstag, 26. März 2026

Verschwinden und Wiederfinden: Ein Sonntags-Finale voller Intensität

 

1. Cornelia Franz – „Dreizehn Tage im Herbst“ 📚🌲

Eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass ich die erste Lesung am Sonntag schaffe – 10:30 Uhr ist nach den vorangegangenen Messetagen eine echte Ansage. Aber ich bin froh, dass ich da war, denn der Auftakt mit Cornelia Franz war wunderschön.

Sie las aus ihrem Buch 'Dreizehn Tage im Herbst' und die Szene hat mich sofort gepackt: Ein Parkplatz im Tessin, der 14-jährige Martin steigt aus dem Auto, grinst schief, sagt noch 'Danke sehr, Mama' – und verschwindet. Einfach so. Was folgt, ist die unerträgliche Stille und das Warten in einem Ferienhaus, während die Welt um einen herum zerbricht. Cornelia Franz hat das so toll gelesen und eine so angenehme, entspannte Art gehabt, dass das Buch sofort auf meiner Wunschliste gelandet ist. Ein absolut lohnenswerter Start in den Finaltag!

2. Florentine Joop – „Sommer im Heckenrosental“ 🌹☀️

Manchmal sind die ungeplanten Momente die besten. In die Lesung von Florentine Joop bin ich eher zufällig reingestolpert – und was soll ich sagen? Das Buch hat mich wirklich mitgenommen. Es geht um einen heißen Brandenburger Sommer, um düstere Teiche und Erinnerungen, die nach warmem Sand und geschmolzenem Teer duften.

Florentine Joop erzählt von einer wilden Kindheit zwischen zwei Heimaten, getrennt durch eine innerdeutsche Grenze, aber verbunden durch eine gemeinsame Freundschaft und die Musik von ABBA. Es ist einer dieser Romane über die Tage vor, während und nach der Wende, von denen es meiner Meinung nach immer noch viel zu wenige gibt. Dass dieses Thema genau im Herzen meines Fachgebiets liegt, war die Krönung dieses Zufallsfunds. Ein echtes Highlight, das zeigt, warum man auf der Messe auch mal ohne Plan durch die Hallen treiben sollte.

3. Marcus Bensmann & Anna Kassin – „Akten des Missbrauchs“ 📂⚖️

Mein ganz persönliches Highlight am Sonntag war gleichzeitig die intensivste Kost der gesamten Messe. Ich besuchte die Lesung zur CORRECTIV-Recherche 'Akten des Missbrauchs'. Was als lokale Recherche begann, entpuppte sich als weltweite Jagd nach einem Netzwerk der Vertuschung im Herzen der katholischen Kirche.

Als Archivarin hat mich besonders ein Detail fassungslos gemacht: Die Existenz einer geheimen Registratur im Vatikan, die Informationen über Missbrauchstäter weltweit sammelt – nicht um aufzuklären, sondern um Täter zu schützen und Macht zu erhalten. Ein System, das Akten als Waffe gegen die Opfer einsetzt. Marcus Bensmann und Anna Kassin haben diesen journalistischen Krimi so eindringlich geschildert, dass man die Schwere der Verantwortung fast im Raum spüren konnte. Ein unfassbares Enthüllungsbuch über Schuld, Macht und das dunkle Erbe von Joseph Ratzinger. Ein harter, aber unglaublich wichtiger Abschluss meiner diesjährigen LBM-Lesungen.

Fazit eines intensiven Sonntags 

Drei Lesungen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: Ein Kind, das im Tessin spurlos verschwindet, die Suche nach der eigenen Identität zwischen zwei Heimaten und ein investigativer Blick in die dunklen Geheimarchive des Vatikans. Der Sonntag auf der LBM 26 hat mich emotional gefordert, aber auch unendlich bereichert.

Mit diesen Eindrücken im Gepäck verlasse ich das Messegelände – müde, aber mit dem sicheren Gefühl, dass diese Geschichten es wert sind, bewahrt und weitergetragen zu werden. Mein Archiv wächst, und ich freue mich darauf, diese Schätze in den nächsten Wochen medial für euch aufzubereiten.


📚 Quellennachweis & Literaturliste

  • Franz, Cornelia: Dreizehn Tage im Herbst. Gerstenberg Verlag, 2024.

  • Joop, Florentine: Sommer im Heckenrosental. Rowohlt Kindler, 2024.

  • Bensmann, Marcus / Kassin, Anna: Akten des Missbrauchs: Die Geschichte eines organisierten Verbrechens im Vatikan. CORRECTIV, 2026. 


☕ Support mein Archiv (Ko-fi-Hinweis)

Dir gefällt mein Blick hinter die Kulissen der LBM und meine Archiv-Arbeit? Da ich aktuell mein technisches Equipment aufrüsten möchte (ein neuer Laptop für den Videoschnitt von CapCut und DaVinci steht ganz oben auf der Wunschliste!), freue ich mich riesig über eine kleine Unterstützung. Wenn du magst, spendier mir doch einen virtuellen Kaffee auf Ko-fi! Jeder Beitrag hilft, diese Geschichten digital lebendig zu halten.

👉 Hier geht’s zu meinem Ko-fi-Profil