Donnerstag, 17. September 2026

Wie der Black Metal in den Osten kam: Abo Alsleben liest in der Chemiefabrik Dresden

 

Am Dienstagabend hieß es für mich erneut: Auf in die Chemiefabrik Dresden! Die „Chemo“ feiert aktuell ihr 25-jähriges Bestehen, und nach der intensiven Lesung von Gerald Pochop stand diesmal ein ganz anderes, aber nicht minder geschichtsträchtiges Subkultur-Kapitel auf dem Programm. Zu Gast war Abo Alsleben aus Leipzig mit seinem Buch „MAYHEM live in Leipzig: Wie ich den Black Metal nach Ostdeutschland brachte“.

Wer sich ein wenig mit extremer Musikgeschichte auskennt, weiß: Der Auftritt der norwegischen Kultband Mayhem im Leipziger „Eiskeller“ (heute UT Connewitz) im November 1990 ist legendär. Wie es überhaupt dazu kam, dass diese damals völlig weltfremd wirkende Truppe kurz nach dem Mauerfall im Osten aufschlug, erzählte Abo mit einer mitreißenden Mischung aus Charme, Witz und erstaunlicher Leichtigkeit.

Von der Brieffreundschaft zum Kultkonzert

Besonders faszinierend war der persönliche Einblick in die Verbindung zwischen Abo und Mayhem-Gründer Øystein Aarseth alias Euronymous. Aus einer anfänglichen Brieffreundschaft über Ländergrenzen hinweg entwickelte sich Schritt für Schritt die Idee, diese Band nach Ostdeutschland zu holen.

Abo verstand sich sichtlich gut mit Euronymous, und es war herrlich zu hören, wie aus getippten Zeilen auf Papier eine handfeste Tourorganisation wurde – inklusive all der unvorhersehbaren Überraschungen, die ein solcher Roadtrip im Nachwende-Chaos eben mit sich brachte. Bemerkenswert fand ich vor allem, wie locker und unaufgeregt Abo über die mitunter doch sehr speziellen Vorlieben und Eigenheiten der Musiker sprach. Bei Figuren wie Dead und Euronymous, um die sich bis heute finstere Mythen und Abgründe ranken, tat diese geerdete, fast augenzwinkernde Perspektive aus erster Hand unglaublich gut.

Ein positives Vorab-Fazit (trotz Buch-Kaufstopp)

Ich mache kein Geheimnis daraus: Black Metal ist musikalisch nicht mein Heimat-Genre. Doch die Dynamik dieser Tour, die Absurditäten der Zeit und die intimen Einblicke in eine Subkultur im Umbruch haben mich absolut gepackt.

Eine ausführliche Rezension des Buches muss sich allerdings noch ein klein wenig gedulden: Ich kann mir als Studentin nicht pausenlos Bücher über Nischenthemen kaufen – und nachdem im selben Monat bereits das Buch von Gerald Pochop in meine Tasche gewandert war, war das Monatsbudget schlicht erschöpft.

Auf meiner Wunschliste steht das Werk aber felsenfest ganz oben. Allein auf Grundlage dieser Lesung gebe ich dem Buch schon jetzt ein klares, positives Vorab-Fazit. Ich bin wahnsinnig neugierig darauf, mir die vielen Details, Anekdoten und Hintergründe demnächst selbst in Ruhe zu erlesen.

Jetzt seid ihr gefragt: Wart ihr damals bei legendären Nachwende-Konzerten im Osten dabei, oder habt ihr Mayhems Spuren in Leipzig verfolgt? Wie steht ihr zum Phänomen Black Metal? Schreibt es mir gern in die Kommentare!

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📚 Veranstaltungs- & Buchdaten

  • Buch: Abo Alsleben: MAYHEM live in Leipzig: Wie ich den Black Metal nach Ostdeutschland brachte - Kaufen bei Amazon*

  • Ort: Chemiefabrik Dresden (Chemo), Jubiläumsreihe „25 Tage – 25 Jahre Chemiefabrik“

  • Datum der Veranstaltung: Dienstagabend, 15. September 2026

  • Fotos: Eigene Aufnahmen vor Ort

Mittwoch, 9. September 2026

Zwischen Aufbruch, Randale und Reißzwecken: Gerald Pochop liest in der Chemiefabrik Dresden

Manche Lesungen sind mehr als eine bloße Buchvorstellung – sie sind ein Ritt durch ein ungeschöntes Stück Zeitgeschichte. Gestern Abend war ich in der Chemiefabrik Dresden, die aktuell im Rahmen von „25 Tage zum 25. Geburtstag der Chemo“ ein dichtes, wunderbares Programm auf die Beine stellt. Auf der Bühne: Gerald Pochop mit seinem Buch „Zwischen Aufbruch und Randale: Der wilde Osten in den Wirren der Nachwendezeit“.

 

Wer wissen will, wie sich die Wende und die frühen 1990er-Jahre abseits der gängigen Hochglanz-Erzählungen anfühlten, saß gestern genau am richtigen Ort.

Licht, Schatten und die Baseballschlägerjahre

Pochop nimmt in seinen Schilderungen kein Blatt vor den Mund. Besonders ergreifend und bedrückend waren die Passagen über die berüchtigten Baseballschlägerjahre. Wenn Gerald darüber spricht, wie Weggefährten und Freunde damals brutal attackiert, schwer verletzt oder ermordet wurden – wie sein Freund Silvio Meier, der 1992 in Berlin von Neonazis erstochen wurde –, dann legt sich eine spürbare Stille über den Raum. Man merkt in jedem seiner Sätze, wie tief diese Wunden bis heute sitzen und wie real die ständige Bedrohung auf den Straßen des Ostens damals war.

Doch die Nachwendezeit war eben kein eindimensionales Schwarz-Weiß-Gemälde. Neben der ständigen Gefahr herrschte ein beispielloser Freiraum: Häuser wurden besetzt, Clubs aus dem Nichts gestampft, Konzerte improvisiert. Zu den herrlich absurden Momenten des Abends gehörte die Anekdote über Achim Mentzel, der bei vielen Punks im Osten damals echten Kultstatus genoss. Genau dieser Kontrast aus existenzieller Bedrohung und subkultureller Anarchie machte die Stimmung greifbar: Es war Licht und Schatten zugleich.

Der globale Blick: Punk im Widerstand

Für eine echte Überraschung sorgte Geralds Exkurs in die Punkszene Asiens. Mir war bis gestern ehrlich gesagt kaum bewusst, dass es dort überhaupt eine so vitale Szene gibt. Zu hören, wie Punk in China unter den Augen der Staatsmacht funktioniert oder wie er in Burma (Myanmar) als handfeste Widerstandsmusik gegen das Militärregime dient, war ein echtes Aha-Erlebnis. Es beweist einmal mehr: Musik – völlig egal in welchem Genre oder Winkel der Erde – ist niemals unpolitisch, wenn sie aus echter Haltung entsteht.

Mein Fazit

Das Buch und dieser Abend sind eine uneingeschränkte Empfehlung. Pochops offener, direkter Blick rüttelt an der bequemen Erzählung, die Wende sei nur D-Mark, Treuhand und Reisefreiheit gewesen. Für viele bedeutete diese Zeit schlichtweg Randale, blanke Angst und den täglichen Kampf ums Überleben – aber eben auch den Mut, eigene Räume zu verteidigen.

Jetzt seid ihr gefragt: Wie habt ihr die wilden Nachwendejahre im Osten erlebt? War es für euch eher die Zeit der endlosen Freiheit oder die Zeit der Unsicherheit und Bedrohung? Schreibt mir eure Erinnerungen gern in die Kommentare.

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📚 Veranstaltungs- & Buchdaten

  • Buch: Gerald Pochop: Zwischen Aufbruch und Randale: Der wilde Osten in den Wirren der Nachwendezeit - Kaufen? Amazon* / Thalia* / Rebuy* / Medimops*

  • Ort: Chemiefabrik Dresden (Chemo), Rahmenprogramm „25 Tage – 25 Jahre Chemiefabrik“ - Link zur Chemo

  • Datum der Veranstaltung: 8. September 2026

  • Fotos: Eigene Aufnahmen vor Ort

Donnerstag, 20. August 2026

📽️ Rezension: Durchgeknallt (Girl, Interrupted)

Zwischen Manie, Vermeer und der Suche nach dem eigenen Halt

🎬 Filminfos auf einen Blick

  • Titel: Durchgeknallt (Original: Girl, Interrupted)

  • Gesehen bei: Deutsches Hygiene-Museum Dresden (Sondervorführung)

  • Einführung: Dr. Frank Schmidt (Kunsthistoriker, TU Dresden)

  • Genre: Psychologisches Drama / Biografie

  • Vorlage: Autobiografischer Roman von Susanna Kaysen (1993)

  • Besetzung: Winona Ryder, Angelina Jolie (Oscar als beste Nebendarstellerin), Clea DuVall, Elisabeth Moss, Whoopi Goldberg

  • Themen: Psychiatriegeschichte, Borderline, Freundschaft in der Isolation, Kunstgeschichte, Systemkritik

Der Auftakt: Ein kunsthistorischer Blick im Hygiene-Museum

Ein Filmabend im Deutschen Hygiene-Museum Dresden verspricht ohnehin eine besondere Atmosphäre – doch die fundierte Einführung durch den Kunsthistoriker Dr. Frank Schmidt (TU Dresden) gab der Vorführung ein außergewöhnliches Fundament.

Neben dem Zeigen einer prägnanten, aus der finalen Schnittfassung entfernten Szene schärfte er den Blick auf entscheidende Ebenen:

  • Der unpassende deutsche Titel: Während der deutsche Verleihtitel „Durchgeknallt“ reißerisch und abwertend klingt, verweist der Originaltitel „Girl, Interrupted“ auf eine feine Zäsur – ein Leben, das kurzzeitig unterbrochen wird.

  • Das Vermeer-Gemälde: Der Originaltitel ist direkt inspiriert von Johannes Vermeers Gemälde „Herr und Dame beim Wein / Dame, beim Musizieren unterbrochen“ (Girl Interrupted at Her Music). Er fängt den Moment ein, in dem ein junger Mensch mitten in der Entwicklung innehält und den Betrachter direkt anblickt – genau wie Susanna Kaysen in ihrer Biografie.

  • Die Filmtradition der Psychiatrie: Der Film knüpft an Klassiker wie Einer flog über das Kuckucksnest an, bricht diese Tradition jedoch durch eine rein weibliche Perspektive auf die Anstalten der 1960er-Jahre.


🏥 Die Station: Gefangenschaft, Gemeinschaft und verschwommene Grenzen

Im Zentrum steht die 18-jährige Susanna (Winona Ryder), die nach einem Suizidversuch in den späten 1960er-Jahren für 18 Monate in die Psychiatrische Klinik Claymoore eingewiesen wird.

Was folgt, ist ein intensives Kammerspiel zwischen zwei Polen:

  • Zwischen Zwang und Verbundenheit: Der Grundton ist geprägt von der beklemmenden Isolation und dem Kontrollverlust. Doch inmitten dieser Mauern entsteht eine überraschend warme, fast symbiotische Gemeinschaft. Die Patientinnen wachsen zusammen, fangen sich gegenseitig auf und schaffen sich einen geschützten Mikrokosmos.

  • Die Frage nach Normalität: Der Film stellt die subtilen Zwischentöne in den Fokus: Wer bestimmt eigentlich, wer krank ist und wer gesund? Wo verläuft die Grenze zwischen jugendlicher Orientierungslosigkeit, gesellschaftlicher Rebellion und tatsächlicher Manie?

  • Die universelle Ohnmacht: Das Gefühl, das eigene Leben nicht mehr im Griff zu haben, verbindet alle Frauen auf der Station – und doch trägt jede von ihnen ein völlig eigenes Päckchen.


🎭 Das Ensemble: Angelina Jolies Urgewalt und die Macht der Musik

Die Figuren bleiben nachhaltig im Gedächtnis, weil das Drehbuch jeder von ihnen eine eigenständige Würde zugesteht. Dennoch gibt es ein Gravitationszentrum, dem sich niemand entziehen kann: Angelina Jolie als Lisa Rowe.

Mit einer Mischung aus zerstörerischem Charisma, unberechenbarer Wut und roher Verletzlichkeit spielt Jolie nicht nur – sie brennt förmlich auf der Leinwand. Es überrascht nicht, dass diese schauspielerische Tour de Force mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin belohnt wurde. Sie überstrahlt das Geschehen, ohne die leiseren Töne der anderen zu ersticken.

Getragen wird diese dichte Atmosphäre von einem überragenden Soundtrack. Die Filmmusik funktioniert weit über die reine Untermalung hinaus: Sie spiegelt die innere Zerrissenheit der 60er-Jahre wider, transportiert Melancholie und dient als emotionaler Anker für die Sehnsucht nach Freiheit.


🌹 Fazit: Ein zeitloses Plädoyer für Menschlichkeit

Durchgeknallt ist weit mehr als ein historisches Psychiatrie-Drama. Es ist eine berührende Studie über das Gefühl, aus der Welt gefallen zu sein, und über die ungeheure Kraft von Freundschaft an den dunkelsten Orten. Wer bereit ist, sich auf einen tiefgründigen, atmosphärisch getragenen Film mit brillanten Figuren einzulassen, wird reich belohnt.

Bewertung: 4,5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌿


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🛒 Kauflinks & Empfehlungen zum Werk

Wenn du tiefer in die Geschichte von Susanna Kaysen eintauchen oder dir den Film und die Musik nach Hause holen möchtest, findest du hier die passenden Links:

  • Das Buch (Deutsche Ausgabe):

    📖 Susanna Kaysen: Durchgeknallt (Taschenbuch / E-Book) – Medimops* / Rebuy*

  • Das Buch (Englisches Original):

    📖 Susanna Kaysen: Girl, Interrupted (Originalfassung) – Amazon*

  • Der Film auf DVD / Blu-ray:

    💿 Durchgeknallt (Girl, Interrupted) – Spielfilm Amazon* / Amazon Stream* / Medimops* / Rebuy*

Link zum Quellenarchiv: Quellenverzeichnis

Dienstag, 18. August 2026

Zwischen den Zeilen: Wenn Worte fehlen und Tränen übernehmen 🖤📖

 

Warum manche Bücher keine klassische Rezension bekommen können – Ein ungeschönter Blick auf „Legenden: Tamara Danz“ von Alexander Osang.

Eigentlich sitze ich regelmäßig an meinem Schreibtisch, strukturiere Gedanken, wäge Kritikpunkte ab und vergebe Rosen. Doch manchmal gerät dieses feste System komplett ins Wanken. Es gibt diese seltenen Bücher, die man nicht einfach mit einer rationalen Analyse greifen kann, weil sie einen auf einer Ebene treffen, die jede sachliche Distanz zerstört.

Der gescheiterte Versuch einer Rezension

Aktuell lese ich „Legenden: Tamara Danz“ von Alexander Osang ein weiteres Mal – ursprünglich als Quelle und Recherche im Rahmen meiner aktuellen Seminararbeit. Doch schon nach wenigen Seiten passierte genau das, was mir schon beim ersten Lesen widerfahren ist: Die wissenschaftliche Distanz löste sich vollständig auf. Genau deswegen gehe ich auch emotionalgeschichtlich an dieses Thema ran - weil ich so meine eigenen Emotionen für meine Arbeit nutzen kann. 

Ich habe dieses Buch auf meinem Blog bisher nie besprochen, und der Grund ist simpel wie schmerzhaft: Ich finde schlichtweg keine passenden Sätze für eine klassische Rezension.

Ein Buch, das man nicht in der Öffentlichkeit lesen kann

Dieses Buch ist für mich ein absoluter Ausnahmezustand. Ich kann es unmöglich in der Bahn, im Café oder in der Unibibliothek aufschlagen. Wer Alexander Osangs Biografie über Tamara Danz kennt, weiß, mit welcher Schonungslosigkeit und Nähe er ihr Leben und ihr Sterben nachzeichnet.

Gerade die Kapitel über ihre letzten Lebenswochen und die finalen Interviews ziehen bei mir emotional dermaßen den Boden unter den Füßen weg, dass ich beim Lesen durchgehend den Tränen nah bin – und oft genug fließen sie auch. Es nimmt mich jedes Mal aufs Neue unfassbar mit. Tamara Danz war eine Naturgewalt, eine Ikone mit unbändiger Energie, und ihren Verfall sowie ihren viel zu frühen Abschied schwarz auf weiß zu begleiten, tut weh. Richtig weh.

Wenn Emotionen den Rahmen sprengen

Wie packt man ein solches Leseerlebnis in ein starres Bewertungsschema? Wie beurteilt man Dramaturgie, Sprache oder Spannungsbogen, wenn man selbst so tief berührt und aufgewühlt ist, dass man die eigene Befangenheit kaum in Worte fassen kann?

Ich habe gemerkt: Ich kann und will dieses Buch nicht in ein Korsett aus Sternen oder Rosen pressen. Aber ich wollte es euch unbedingt zeigen. Dieser Zwischenpost ist mein ehrliches Geständnis, dass auch eine Bloggerin manchmal vor einem Buch kapituliert – nicht aus Mangel an Qualität, sondern aus Respekt vor einer Wucht, die einen sprachlos zurücklässt.

Kennt ihr das? Gibt es dieses eine Buch, das euch emotional so fertiggemacht hat, dass ihr niemandem sachlich davon erzählen konntet? 🌹

Hier kannst du das Buch finden:

Falls ihr euch selbst auf diese intensive Biografie einlassen möchtet:

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Mittwoch, 5. August 2026

Veranstaltungstipps für den Oktober: Michael Rauhut live in Chemnitz & Dresden! 📚✨

Hallo ihr Lieben,

der Herbst bringt bei mir nicht nur kuschlige Leseabende, sondern auch ein paar echte Highlight-Veranstaltungen mit sich, die ich euch unbedingt ans Herz legen möchte!

Wenn ihr euch für Musikgeschichte, spannende Sachbücher und packende Einblicke in die Bandgeschichte von Silly interessiert, solltet ihr euch Mitte Oktober zwei Termine ganz dick rot im Kalender anstreichen: Michael Rauhut ist in Sachsen unterwegs!

Die Rezension zum Buch bekommt ihr hier: 🏛️ Archivgeflüster: Raus aus der Spur – Wie Silly die DDR rockte

Ich werde auf jeden Fall mit dabei sein und freue mich schon sehr darauf. Hier kommen die harten Fakten für eure Kalenderplanung:

📍 Die Termine auf einen Blick:

Wer von euch hat Lust vorbeizuschauen? Lasst es mich unbedingt in den Kommentaren wissen – vielleicht sieht man sich ja vor Ort!

Alles Liebe,

Katja

Sonntag, 2. August 2026

Lesung von Lisa Niendorf („Frau Forschung“) an der TU Dresden: Wenn die Wissenschaft an ihren eigenen Strukturen leidet 📚💬

 Kultur und Debatte müssen nicht immer laut oder teuer sein. Manchmal finden die eindrücklichsten Veranstaltungen an einem drückend heißen Sommerabend im Hörsaal statt – und hinterlassen ein tiefes Nachdenken, das einen noch Tage später begleitet.

Genau so ein Abend war der 30. Juli. Über den StuRa der TU Dresden ging es für mich zur kostenfreien Lesung von Bildungsforscherin Lisa Niendorf (vielen auf Social Media besser bekannt als @frauforschung). Sie hat aus ihrem Bestseller „UNIversal gescheitert?: Wissenschaft und Hochschule zwischen Machtmissbrauch, Leistungsdruck und Ausbeutung – Was wir dagegen tun können“ gelesen.

Obwohl es im Raum tierisch warm war, haben sich knapp 100 Studierende und studentische Hilfskräfte eingefunden. Ein deutliches Zeichen dafür, wie brennend aktuell und drängend dieses Thema im Universitätsalltag ist.

Blicke hinter die Kulissen: Warum sich so wenig ändert

Das Thema trifft einen Nerv. Es geht um starre Machthierarchien, den immensen Publikations- und Leistungsdruck, Prekarität im akademischen Mittelbau und Strukturen, die Ausbeutung stellenweise begünstigen, statt Innovation zu fördern.

Das Erschreckende daran? Die Debatte ist nicht neu. Und trotzdem hat man das Gefühl, dass sich die Räder des Systems nur extrem langsam – wenn überhaupt – bewegen. Lisa Niendorf brings diese Problematik in ihrem Buch nicht nur knallhart auf den Punkt, sondern diskutiert auch konkrete Lösungsansätze, wie ein gesünderes Wissenschaftssystem aussehen könnte.

Zwischen moderner Offenheit und beklemmender Realität: Ein persönlicher Zwiespalt

Für mich persönlich war die Lesung und vor allem die anschließende Diskussion extrem vielschichtig – inspirierend und gleichzeitig zutiefst bedrückend.

Ich habe den direkten Vergleich: Im Kontrast zu meinem ersten Studium in den 2010er Jahren empfinde ich die Universität heute eigentlich als deutlich offener, moderner und zugänglicher. Man möchte meinen, dass wir auf einem guten Weg sind. Aber wenn man dann in der Runde sitzt, den Berichten lauscht und merkt, wie tief verankert manche Missstände nach wie vor sind, zieht sich einem der Magen zusammen.

Da ich selbst das Ziel verfolge, später Richtung Forschung zu gehen, hallen solche Abende besonders nach. Es tut weh zu sehen, mit welchen Hürden und systemischen Problemen man konfrontiert werden könnte – und gleichzeitig stärkt es den Wunsch, Teil einer Veränderung zu sein.

Fazit

Ein großes Dankeschön an den StuRa der TU Dresden für die Organisation dieser hochkarätigen und wichtigen Veranstaltung!

Lisa Niendorfs Buch ist eine absolute Leseempfehlung für alle, die im Wissenschaftsbetrieb arbeiten, studieren oder sich schlichtweg für die Zukunft unserer Bildungslandschaft interessieren.

Und jetzt seid ihr dran! 💬

Habt ihr das Buch von Lisa Niendorf schon gelesen oder folgt ihr ihr auf Social Media? Wie nehmt ihr die aktuellen Zustände an den Universitäten wahr – seht ihr positive Veränderungen oder überwiegen die alten Strukturen?

Lasst uns in den Kommentaren sachlich und offen darüber austauschen! 👇

🛒 Das Buch zur Lesung

Wenn ihr tiefer in das Thema eintauchen möchtet, könnt ihr das Buch von Lisa Niendorf hier bestellen:

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📌 Quellennachweis & Transparenz: Die Veranstaltung war eine kostenfreie Lesung, organisiert durch den StuRa der TU Dresden. Buchcover: „UNIversal gescheitert?“ von Lisa Niendorf (Droemer Knaur).

Dienstag, 21. Juli 2026

📽️ Rezension: 22 Bahnen (Netflix)

🎬 Filminfos auf einen Blick

  • Titel: 22 Bahnen

  • Plattform: Netflix

  • Genre: Drama / Coming-of-Age

  • Basierend auf: Dem Bestseller-Roman von Caroline Wahl

  • Themen: Parentifizierung, Co-Abhängigkeit, familiärer Alkoholismus, Geschwisterliebe

  • Credits:

  • Produzenten: Anna-Malike Eigl, Thomas Wöbke, Philipp Trauer
    Drehbuch: Elena Hell
    Regie: Mia Maariel Meyer
    Casting: Liza Stutzky, Jacqueline Rietz
    Hauptdarsteller·innen: Luna Wedler
    Nebendarsteller·innen: Zoë Baier, Laura Tonke, Jannis Niewöhner
    Kamera/Bildgestaltung: Tim Kuhn
    Szenenbild: Susanna Haneder, Annika Liesen
    Kostümbild: Christian Röhrs
    Schnitt: Jamin Benazzouz
    Maske: Heidi Wick
    Filmmusik: Dascha Dauenhauer
    Tongestaltung: Philip Hutter, Clemens Becker, Philipp Sellier
    VFX Supervisor: Sebastian Nozon, Florian Ast

Eine talentierte Studentin im emotionalen Stillstand

22 Bahnen ist kein lautes, hysterisches Drama, sondern ein leiser, emotionaler Kraftakt. Der Film schafft es auf sehr authentische Weise, das Leben von Tilda einzufangen – einer hochbegabten Mathematik-Studentin, die in einer emotionalen Zeitschleife gefangen ist. Zwischen anspruchsvollen Vorlesungen, dem Kassierjob im Supermarkt und dem exakten Zählen von Schwimmbahnen versucht sie, das fragile Kartenhaus ihres Alltags zusammenzuhalten.

🌊 Das Dreieck der Belastung: Uni, Schwester, Sucht

Der Film glänzt vor allem bei der Darstellung von Tildas innerem Zerreißprozess und der subtil traurigen Bildsprache, die das Leben dieser talentierten Studentin einfängt:

  • Die Last der Verantwortung: Tilda studiert nicht nur, sie managt ein ganzes Leben. Durch die Alkoholsucht der Mutter ist sie in die Rolle der Elternfigur gerückt. Für ihre kleine Schwester Ida ist sie der Fels in der Brandung.

  • Der Schatten des Alkoholismus: Die Sucht der Mutter wird ohne billige Klischees dargestellt – es ist die schleichende, unberechenbare Grausamkeit, die wie eine ständige Bedrohung über dem Haus liegt.

  • Das blockierte Talent: Die Uni und das Angebot einer Promotion zeigen Tildas enormes Potenzial, doch ihr fehlt der mentale Raum, um dieses Leben überhaupt für sich zu beanspruchen. Sie ist eine junge Frau, die sich schlicht nicht traut, ihren eigenen Weg zu suchen.

🧠 Die unsichtbare Fessel: Tildas unterschwellige Schuld

Ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch den Film zieht, ist Tildas tiefe, unterschwellige Schuld. Sie steckt in einer klassischen psychologischen Falle fest: Jeder Schritt in Richtung ihrer eigenen Freiheit fühlt sich für sie wie ein Verrat an.

Wenn sie für Prüfungen lernt, Zeit mit Viktor verbringt oder laut über die Promotion nachdenkt, schwingt sofort das schlechte Gewissen mit. Sie hat das Gefühl, Ida im Stich zu lassen und sie schutzlos der unberechenbaren Mutter auszuliefern. Diese Schuld lähmt sie und hält sie an einem Ort fest, aus dem sie längst herausgewachsen ist.

🌧️ Das Schwimmen im Regen: Ein widersinniges Zeichen der Hoffnung

Die visuelle Melancholie des Films findet im Freibad ihren stärksten Ausdruck. Das repetitive Schwimmen der exakt 22 Bahnen gibt Tilda Struktur, um im Alltag nicht unterzugehen. Doch eine Szene bricht diese einsame Routine auf: das Schwimmen im Regen.

Eigentlich ist es völlig widersinnig, bei schlechtem Wetter ins Freibad zu gehen. Doch für Tilda und Ida wird genau dieser Moment zu einem stillen Triumph. Es ist der einzige Zeitpunkt, an dem die kleine Ida ihre Schwester zum Schwimmen begleitet.

Wenn der Himmel sich öffnet und die Tropfen auf das leere Becken klatschen, wandelt sich die Melancholie in pure Verbundenheit. In diesem Moment flieht Tilda nicht vor ihrer Verantwortung, sondern sie teilt ihren Zufluchtsort mit dem Menschen, den sie am meisten beschützen will. Dass Ida ausgerechnet im Regen mitkommt, ist ein zutiefst berührendes Zeichen der Hoffnung: Es symbolisiert, dass die beiden Schwestern selbst im schwersten emotionalen Unwetter einen Weg finden, gemeinsam Leichtigkeit und Freiheit zu erleben. Der Regen wäscht die Enge ihres Zuhauses für kurze Zeit fort.

🌹 Fazit: Ein stimmiges Bild mit kleinen Distanzen

22 Bahnen überzeugt durch seine feinfühlige Bildsprache und die ungeschönte Darstellung von familiärer Sucht und Co-Abhängigkeit. Es ist ein wichtiges Stück Kino über das Loslassen und die schmerzhafte Suche nach dem eigenen Ich.

Auch wenn mich der Film emotional nicht in jeder Sekunde komplett mitgerissen hat und stellenweise eine gewisse Distanz spürbar blieb, bleibt das bittersüße Bild zweier Schwestern im Sommerregen noch lange im Gedächtnis.

Bewertung: 4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹


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Quellenverzeichnis: Link zum Quellenarchiv

Donnerstag, 2. Juli 2026

Rezension: Sprichst du Schokolade? – Eine süße Sprache gegen große Barrieren

 

Ein herzerwärmendes und wichtiges Jugendbuch, das zeigt, dass Freundschaft keine Worte braucht – aber manchmal ein Stück Schokolade.

Wie freundet man sich mit jemandem an, wenn man kein einziges Wort der gleichen Sprache spricht? „Sprichst du Schokolade?“ von Cas Lester (mit tollen Illustrationen von Kate Forrester) widmet sich dieser Frage auf eine sehr kreative, humorvolle und gleichzeitig tiefgründige Weise. Ein Buch, das für Jugendliche zwischen 10 und 12 Jahren empfohlen wird und diesen Ton auch sprachlich perfekt trifft.

Worum geht es?

Wir begleiten die quirlige Josie. Ihr erklärtes Lebensziel: Millionärin werden! Doch ihr Alltag ist alles andere als einfach. Sie wächst ohne Vater auf, das Familienleben mit ihrer Mutter und ihren Brüdern ist ziemlich turbulent und in der Schule warten die üblichen, anstrengenden Zickereien. Das Besondere: Josie spricht uns Leser im Buch immer wieder direkt an, sodass wir sie hautnah begleiten.

Alles ändert sich, als eine neue Schülerin in ihre Klasse kommt: Nadima, ein kurdisches Mädchen, das aus Syrien geflohen ist. Am Anfang steht eine riesige Sprachbarriere zwischen den beiden Mädchen. Doch sie finden einen genialen und wunderschönen Weg, sich anzunähern – über die universelle Sprache der Schokolade. Eine ganz besondere Freundschaft beginnt zu wachsen.

Mein Eindruck: Wichtige Themen, lebendig verpackt – aber mit kleiner Einschränkung

Das Buch punktet von der ersten Seite an mit seiner tollen, dynamischen Gestaltung. Die 51 Kapitel sind angenehm kurz gehalten und werden immer wieder durch kleine Textnachrichten, Notizen oder andere optische Kleinigkeiten aufgelockert. Das sorgt für einen wunderbaren Lesefluss.

Was mich an diesem Kinderbuch besonders begeistert hat: Es beschränkt sich nicht nur auf die typischen Probleme junger Mädchen. Natürlich spielen der obligatorische Schul-Zickenkrieg und der normale Alltagstrubel eine wichtige Rolle, um die Zielgruppe abzuholen. Aber das Buch geht tiefer: Es legt großen Wert darauf, der Flüchtlingsthematik einen hohen Stellenwert zuzuordnen – und den bekommt sie hier auch auf eine sehr empathische Weise.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich die Protagonistin Josie selbst. Sie ist als Charakter phasenweise ein bisschen schwierig zu greifen: Mal zeigt sie sich unglaublich tough und packt die Dinge an, im nächsten Moment agiert sie wieder sehr naiv. Aus diesem Grund lautet mein Pro-Tipp: Man sollte das Buch mit jüngeren Kids auf jeden Fall begleitet lesen, um über Josies manchmal unüberlegte Reaktionen oder die schweren Hintergründe von Nadimas Fluchtgeschichte sprechen zu können.

Mein Fazit

Ein absolut lesenswertes, wichtiges Jugendbuch, das schwere Themen wie Flucht und Integration federleicht, aber mit dem nötigen Respekt in eine typische Schulgeschichte einbettet. Die Botschaft, dass Empathie und Schokolade Mauern einreißen können, ist einfach wunderschön.

Meine Bewertung: Ein feinfühliges Buch über Verständigung, das im Gedächtnis bleibt. 

4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

Hier kannst du „Sprichst du Schokolade?“ kaufen:

Möchtest du Josie und Nadima auf ihrem Weg begleiten? Über diese Links kannst du das Buch direkt bestellen und meinen Blog unterstützen (Affiliate-Links):

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Transperenzhinweis: Bei dem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar von NetGallery.

Quellennachweis: Zum Quellenblog

Mittwoch, 1. Juli 2026

Rezension: Ich will die Heldin meines Lebens sein – Ein kreativer Anker im Alltag

Mehr Selbstvertrauen, kleine Challenges und Raum für die eigene Geschichte: Ein Eintragbuch, das dazu einlädt, sich selbst zur Priorität zu machen.

Im Trubel des Alltags vergessen wir viel zu oft das Wichtigste: uns selbst. Mit „Ich will die Heldin meines Lebens sein: Mein kreatives Eintragbuch“ hat der Groh Verlag einen wunderschönen Begleiter geschaffen, der genau hier ansetzt. Es ist kein klassisches Lesebuch, sondern ein interaktives Tool, das das Selbstvertrauen stärken und den Alltag mit kleinen, kreativen Impulsen verschönern soll.

Worum geht es?

Dieses Eintragbuch ist eine bunte Mischung aus persönlichem Tagebuch, Ratgeber und Kreativ-Coach. Neben reichlich Platz für eigene Gedanken, Träume und Reflexionen hält das Buch inspirierende kleine Beiträge sowie abwechslungsreiche Challenges bereit. Es fordert einen sanft dazu auf, die Komfortzone zu verlassen, achtsamer mit sich umzugehen und die eigene innere Stärke (wieder) zu entdecken.

Mein Eindruck: Ein liebevoller Schubs zu mehr Selbstfürsorge

Ich habe mich sehr gefreut, dieses Buch als E-Book-Rezensionsexemplar via NetGalley entdecken zu dürfen. Bei solchen Mitmachbüchern gilt natürlich immer: Klar trifft nicht jede Challenge oder jede Aufgabe den Geschmack von jedem. Manche Impulse sprechen einen sofort an, andere wiederum passen vielleicht nicht zur aktuellen Lebenssituation oder dem eigenen Charakter.

Aber genau das ist das Schöne an einem kreativen Eintragbuch: Man nimmt sich einfach das heraus, was sich gut anfühlt! Insgesamt ist das Buch eine wunderbare, liebevolle Erinnerung daran, im stressigen Alltag mal innezuhalten, an sich selbst zu denken und aktiv an seinem Selbstvertrauen zu arbeiten. Die Gestaltung ist motivierend, ohne aufdringlich oder belehrend zu wirken.

Mein Geschenktipp: Durch die hochwertige und bestärkende Aufmachung ist dieses Buch ein richtig schönes Geschenk – sei es für die beste Freundin, einen lieben Menschen, dem man eine kleine Auszeit wünscht, oder schlichtweg als Geschenk an sich selbst!

Mein Fazit

Ein rundum gelungenes Mitmachbuch, das Farbe und positive Energie in den Alltag bringt. Perfekt für alle, die sich spielerisch mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen möchten.

Meine Bewertung: Ein inspirierender Alltagsbegleiter mit Herz. 4 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹

Hier kannst du das Eintragbuch kaufen:

Du möchtest selbst zur Heldin deines Lebens werden oder das Buch verschenken? Über diese Links kannst du es direkt bestellen und meinen Blog unterstützen (Affiliate-Links):

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Hinweis: Das Header-Bild dieses Beitrags wurde mit Unterstützung von Ideogram erstellt und anschließend mit Canva bearbeitet.

Quellennachweis: Zum Quellenblog

Dienstag, 16. Juni 2026

🏛️ Archivgeflüster: Das Kunden-Buch – Wenn der Blues nach Thüringen kommt

 Herzlich willkommen zur zweiten Ausgabe von Archivgeflüster! Nachdem wir uns beim letzten Mal mit dem Weg der Band Silly durch die DDR-Zensur beschäftigt haben, tauchen wir heute noch tiefer in die ostdeutsche Subkultur ab. Wir werfen einen Blick auf eine Jugendbewegung, die barfuß im Schlamm tanzte, trampte und dem System die Stirn bot: Die „Kunden“.

📝 Der Quick-Check vorab

  • Titel: Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen

  • Autor: Michael Rauhut (Professor & renommierter Musikwissenschaftler)

  • Anspruch: Absolut einsteigerfreundlich, aber spürbar wissenschaftlicher! 🧠🍿

  • Fachbereich: Zeitgeschichte, Regionalgeschichte (Thüringen) & Subkulturforschung


👤 Ein distanzierter Blick vom Experten

Es wird euch nicht überraschen: Auch für dieses Werk zeichnet Michael Rauhut verantwortlich. Wer meine Rezension zum Silly-Buch oder meinen Bericht zu seiner Lesung gelesen hat, weiß, dass ich seine Arbeit sehr schätze.

Im Gegensatz zu seinem Werk über Silly wählt Rauhut in „Das Kunden-Buch“ einen etwas distanzierteren, analytischeren Ansatz. Man merkt sofort, dass hier ein echter Experte am Werk ist – das wird spätestens beim Blick auf das extrem umfangreiche Fußnotenverzeichnis am Ende des Buches klar. Doch keine Sorge: Trotz des wissenschaftlichen Fundaments bleibt die Sprache für alle lesbar. Es ist ein Fachbuch, das den Spagat zwischen Elfenbeinturm und Couchtisch meisterhaft schafft.


⛺ Trampen, Freiheit und die Überwachung der Stasi

Worum geht es genau? Das Buch nimmt uns mit in die thüringische Provinz, die sich in den 1970er- und 80er-Jahren zur Hochburg der DDR-Blues-Szene entwickelte. Die Anhänger nannten sich selbst „Kunden“ oder „Blueser“. Rauhut beleuchtet faszinierende Facetten dieser Bewegung:

  • Die Reisetätigkeiten: Tausende Jugendliche trampten jedes Wochenende quer durch die Republik zu den Konzerten ihrer Bands.

  • Die Kultstätten: Kleine Dorfsäle in Thüringen wurden zu Zentren der Freiheit und des Protests.

  • Die Schalldämpfung der Stasi: Akribisch dokumentiert das Buch die Versuche des Ministeriums für Staatssicherheit, diese unorganisierte, unangepasste Jugend unter Kontrolle zu halten, zu bespitzeln und zu zersetzen.


⛪ Ein sicherer Hafen: Die Rolle der Kirche

Ein besonders starkes und ausführliches Kapitel widmet Rauhut der Rolle der Kirche. In einem Staat, der alles kontrollieren wollte, boten die Kirchenräume oft den einzigen Schutzraum für die subkulturelle Szene. Hier konnten die Kunden zusammenkommen, Musik hören und sich austauschen – eine historische Symbiose zwischen Religion und Rebellion, die Rauhut brillant aufarbeitet.


🖋️ Mein Lese-Gefühl: Mittendrin statt nur dabei

Das Buch ist reich an Bildern, die die staubige, ehrliche Atmosphäre dieser Zeit perfekt einfangen. Ein kleiner Hinweis für euch: Man sollte sich beim Lesen gewahr sein, dass man vielleicht nicht mit jedem einzelnen erwähnten Namen sofort etwas anfangen kann. Die Szene war riesig und Rauhut arbeitet sehr detailverliebt. Das schmälert den Lesefluss aber keineswegs – das große Ganze bleibt immer packend und absolut verständlich.


🏁 Mein Fazit: Ein Muss für Geschichts-Interessierte

„Das Kunden-Buch“ ist das perfekte Beispiel dafür, dass Geschichte in der Provinz oft am spannendsten war. Es ist eine unbedingte Empfehlung für alle, die den Alltag und den Eigensinn der Jugend in der DDR abseits der offiziellen Propaganda verstehen wollen. Ein tiefgründiges, ehrliches Stück Zeitgeschichte!


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📚 Mehr von Michael Rauhut auf meinem Blog:

🛒 Die Bücher direkt für euer Regal:

  1. Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen: nur gebraucht erhältlich: Rebuy* / Medimops* – Das heutige Werk.

  2. Rock in der DDR: nur gebraucht erhältlich: Rebuy* / Medimops*

  3. Ein Klang - zwei Welten: Blues im geteilten Deutschland, 1945 bis 1990 (Studien zur Popularmusik): Amazon* / Thalia*


Quellennachweis: Hier geht es zum Quellenarchiv

Montag, 15. Juni 2026

Von Payback-Coupons, einer Radio-Legende und der perfekten Wühltisch-Eskalation! 📚🎟️

 Hallo ihr Lieben,

heute muss ich euch eine Geschichte erzählen, wie aus einer ganz gezielten Mission eine absolute (aber verdammt clevere!) Buch-Eskalation wurde.

(Das Buch ist schon eingepackt, daher das Bild aus dem Thalia.) 

Eigentlich hatte ich für diese Woche einen festen Termin im Kalender rot angestrichen: Diesen Donnerstag geht es für mich live nach Berlin zur Lesung von Radio- und ESC-Legende Peter Urban! 🎤📻 Stattfinden wird das Ganze im traditionsreichen Kabarett-Theater DISTEL – die perfekte Kulisse für die Lebensgeschichte dieser absoluten Stimme des deutschen Radios. Da war es für mich als Musik-Enthusiastin natürlich Ehrensache, mir seine Biografie vorzubestellen.

Beim Abholen kam dann der erste Geniestreich: Ich hatte noch so einige Payback-Punkte auf dem Konto. Ergebnis? Das Buch von Peter Urban UND der neue historische Roman von Tracy Chevalier („Das Geheimnis der Glasmacherin“ – Venedig im 15. Jahrhundert, mein Historikerinnen-Herz hüpft! 🎭🌊) haben mich quasi keinen einzigen Cent gekostet. Danke, treue Punkte!

Aber ihr kennt mich: Wenn man schon mal im Laden steht... und der Weg rein zufällig an der Mängelexemplar-Kiste vorbeiführt... tja. Da war kein Halten mehr. Drei weitere Schätze mit winzigen Schönheitsfehlern haben förmlich meinen Namen gerufen.

Falls ihr jetzt auch akuten Lesehunger bekommen habt, aber euren Geldbeutel schonen wollt: Stöbert unbedingt mal durch die riesige Thalia Sale- & Schnäppchen-Ecke* – da findet man online rund um die Uhr absolute Goldstücke zum kleinen Preis! 💸

Diese drei Schätze durften bei mir noch mit ins Körbchen wandern:

  • „Das Haus der Bücher und Schatten“ von Kai Meyer: Ein geheimnisvolles Antiquariat und die düstere Magie der Literatur. Ein echter Kai Meyer ist für mich sowieso ein absoluter Pflichtkauf! (Direkt bei Thalia entdecken*) 🏛️📖

  • „Die Schneekönigin – Kristalle aus Eis und Blut“ von C. E. Bernard: Düstere, märchenhafte Fantasy fürs Herz. Das Cover sieht im Regal jetzt schon wie ein absolutes Kunstwerk aus. (Direkt bei Thalia entdecken*) ❄️🩸

  • „Everything We Never Said – Liebe lässt uns böse Dinge tun“ von Sloan Harlow: Ein emotionaler Thriller-Stoff für die Extraportion Nervenkitzel an lauen Sommerabenden. (Direkt bei Thalia entdecken*) 🤫💔

Vom Ticket für die DISTEL-Lesung über historischen Venedig-Vibe bis hin zu Fantasy und Thriller – mein Lesesommer ist offiziell eskaliert, aber dank Payback mit absolut reinem Gewissen! 😉

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Jetzt seid ihr dran: Wer von euch nutzt seine Punkte auch so schamlos für Lesestoff aus? Und auf welches Buch seid ihr am meisten gespannt? (Der ausführliche Bericht von der Peter Urban-Lesung aus Berlin folgt hier natürlich auch ganz bald!) 👇💬

Hinweis: Das Header-Bild dieses Beitrags wurde mit Unterstützung von Ideogram erstellt.